4.Epoche |1933–1945

Gau­li­ga­zeit — Mann­heims Domi­nanz im badi­schen Fuß­ball und natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Ter­ror in Deutschland

Sport­be­richt vom 10. April / Juli­us Hirsch erklärt den Aus­tritt — KFV ver­weist auf Richtlinien 

Am Sonn­tag, den 9. April 1933 waren die an der Süd­deut­schen Meis­ter­schafts­en­drun­de betei­lig­ten Ver­ei­ne in Stutt­gart zu einer Tagung zusam­men­ge­kom­men, „um zu der sport­li­chen Lage Stel­lung zu neh­men“. Die teil­neh­men­den Ver­ei­ne – dar­un­ter auch der KFV – unter­zeich­ne­ten an die­sem Tage eine Ent­schlie­ßung, in der sie zum Aus­druck brin­gen „im Sin­ne die­ser Mit­ar­beit alle Fol­ge­run­gen, ins­be­son­de­re in der Fra­ge der Ent­fer­nung der Juden aus den Sport­ver­ei­nen zu zie­hen“. Wer für den KFV an der Tagung teil­nahm, ist nicht bekannt. Ein Pro­to­koll der Tagung ließ sich auf im DFB-Archiv nicht aus­fin­dig machen. Am glei­chen Tag spiel­te der KFV zuhau­se in Karls­ru­he gegen Uni­on Böckin­gen (3:2).
 

Alt-Natio­nal­spie­ler Juli­us Hirsch, der einen Tag spä­ter, am Mon­tag, den 10. April von die­ser Reso­lu­ti­on las, schrieb ent­täuscht sei­nem KFV:

„Ich lese heu­te im Sport­be­richt Stutt­gart, dass die gro­ßen Ver­ei­ne, dar­un­ter auch der KFV, einen Ent­schluss gefasst haben, dass die Juden aus den Sport­ver­ei­nen zu ent­fer­nen sei­en. Ich gehö­re dem KFV seit dem Jah­re 1902 an und habe dem­sel­ben treu und ehr­lich mei­ne schwa­che Kraft zur Ver­fü­gung gestellt. Lei­der muss ich nun beweg­ten Her­zens mei­nem lie­ben KFV mei­nen Aus­tritt anzei­gen. Nicht uner­wähnt möch­te ich aber las­sen, dass in dem heu­te so gehass­ten Prü­gel­kind der deut­schen Nati­on auch anstän­di­ge Men­schen und viel­leicht noch viel mehr natio­nal den­ken­de und auch durch die ‚Tat bewie­se­ne und durch das Herz­blut ver­gos­se­ne’ deut­sche Juden gibt. Nur aus die­sem Grun­de und nicht um mich zu brüs­ten, will ich ihnen nach­ste­hen­den Beweis erbringen:

1. Leo­pold Hirsch ehe­mals KFV aktiv beim 1. Bad. Leib Gre­na­dier Regi­ment auch auf dem Gefal­le­nen­denk­mal des KFV ste­hend. Von 1914 bis 1918 im Fel­de beim 94. Res. Inft. Regi­ment. Besit­zer des EK II und ver­schie­de­ner ande­rer Orden. Gefal­len auf dem Fel­de der Ehre am 30.6.1918 am Kemmel.

2. Max Hirsch nicht aktiv gedient, mel­det sich 1914, obwohl nur ein Auge, frei­wil­lig aus der Schweiz zum Kriegs­dienst. Im Fel­de von 1915/18 bei einer Ahrendt-Sta­ti­on in vor­ders­ter Front. Besit­zer des EK II und der bad. Sil­ber­nen Verdienst-Medaille. 

3. Rudolf Hirsch aktiv gedient beim Tele­gra­phen­ba­tail­lon in Karls­ru­he. Im Fel­de von 1914–1918 bei der bayr. Flie­gen­den Divi­si­on Knei­sel. Besit­zer des EK I und der bayr. Tapferkeitsmedaille.

4. Juli­us Hirsch aktiv beim 1. Bad. Leib Gre­na­dier Regi­ment 109 1912/13. Von 1914–1918 im Fel­de beim 12. bayr. Land­wehr Inf. Regi­ment. Besit­zer des EK II und der bayr. Dienst­aus­zeich­nung. Anbei noch eine Trau­er­re­de, die ich mir zurück erbit­te, anläss­lich der Über­füh­rung meins Bru­ders seel. Leo­pold am 6. Juni 1918.

Gleich­zei­tig dan­ke ich der KFV Jugend-Abtei­lung für die freund­li­che Ein­la­dung der Jugend­ab­tei­lung und bedaue­re leb­haft das Amt des Bei­sit­zers im Preis­ge­richt nicht über­neh­men zu kön­nen. Die Ein­la­dung anbei zurück. 

Ich befin­de mich z.Zt. in einer wirt­schaft­lich pre­kä­ren Lage und darf wohl die ver­ehr­li­che Ver­eins­lei­tung bit­ten, mir den noch schul­di­gen Bei­trag zu erlas­sen, denn ich habe ja noch nie vom KFV in geld­li­cher Hin­sicht Vor­tei­le gehabt.

Ich zeich­ne mit sport­li­chem Gruss
Gez. Juli­us Hirsch“

Der KFV ant­wor­te­te fast vier Mona­te später:

„Lie­bes Mitglied!

Wenn wir Ihre Aus­tritts­er­klä­rung bis jetzt noch nicht bestä­tigt haben, so geschah es des­halb, weil die von den Ver­ei­nen in Stutt­gart gefass­te Ent­schlie­ßung nicht so zu ver­ste­hen war, wie Sie sie auf­fass­ten. Wir haben immer noch die Richt­li­ni­en des Sport­kom­mis­sars abge­war­tet, die aber bis heu­te noch nicht erschie­nen sind. Unse­rer Auf­fas­sung nach besteht vor­erst kein Anlass für Sie, aus dem KFV aus­zu­tre­ten. Wir wür­den es sehr bedau­ern, wenn wir Sie als altes und bewähr­tes Mit­glied ver­lie­ren wür­den und bit­ten Sie daher, Ihre Aus­tritts­er­klä­rung als nicht gesche­hen zu betrach­ten.
Was die von Ihnen erbe­te­ne Beschei­ni­gung betrifft, ist es selbst­ver­ständ­lich unse­re obers­te Pflicht, die­sen Wunsch zu erfül­len. Nun ist in unse­ren Akten ein Ent­wurf einer Beschei­ni­gung die wir bereits in Ihrem Besitz wähn­ten. Da die­ser Herr Amts­ge­richts­rat Albiez ent­wor­fen hat und genann­ter Herr bis 9. August ds. Js. in Urlaub weilt, wären wir Ihnen für Mit­tei­lung sehr dank­bar, ob die­se Beschei­ni­gung inzwi­schen in Ihren Besitz gelangt ist. Wenn nicht, wer­den wir die Sache sofort Ihrem Wun­sche gemäß erledigen. 

Mit K.F.V.-Gruß
Der Füh­rer des Vereins:

i A. K. Huber (Karl Dani­el Huber)

Die „Richt­li­ni­en“, auf die der KFV ver­wies, lie­ßen auf sich war­ten. Die Bekannt­ma­chun­gen dazu hin­ter­las­sen beim Leser aber nur wenig Zwei­fel: Am 19. April 1933 ver­öf­fent­lich­ten der DFB und die Deut­sche Sport­be­hör­de fol­gen­de Erklä­rung: „Der Vor­stand des Deut­schen Fuß­ball-Bun­des und der Vor­stand der Deut­schen Sport-Behör­de hal­ten Ange­hö­ri­ge der jüdi­schen Ras­se, eben­so auch Per­so­nen, die sich als Mit­glie­der der mar­xis­ti­schen Bewe­gung her­aus­ge­stellt haben, in füh­ren­den Stel­lun­gen der Lan­des­ver­bän­de und Ver­ei­ne nicht für trag­bar. Die Lan­des­ver­bän­de und Ver­eins­vor­stän­de wer­den auf­ge­for­dert, die ent­spre­chen­den Maß­nah­men, soweit die­se nicht bereits getrof­fen wur­den, zu ver­an­las­sen.“ (Fischer/Lindner (1999), S. 192) Am 23 April 1933 rief der Süd­deut­sche Fuß­ball- und Leicht­ath­le­tik Ver­band (SFLV) sei­ne Ver­ei­ne dazu auf, „die vom Vor­stand des Deut­schen Fuß­ball-Bun­des […] erlas­se­nen Bestim­mun­gen bezüg­lich Ange­hö­ri­gen der jüdi­schen Ras­se bzw. der mar­xis­ti­schen Bewe­gung (sofort) zur Durch­füh­rung zu brin­gen“ (Schul­ze-Mar­me­ling (2016)). Rela­ti­vie­rend liest sich die „Amt­li­che Bekannt­ma­chung 4/33“ des badi­schen Gausport­füh­rers Her­bert Kraft vom 16. Dezem­ber 1933: „Der Erlaß von Vor­schrif­ten über die Auf­nah­me nich­tari­scher Mit­glie­der in aner­kann­te Turn- und Sport­ver­ei­ne bleibt nach einer Ver­fü­gung des Reichs­port­füh­rers den Fach­ver­bän­den und, soweit von die­sen kei­ne bin­den­den Vor­schrif­ten erge­hen, den ein­zel­nen Ver­ei­nen über­las­sen“ (Ebner (2016), S. 474). 

In der Kicker-Aus­ga­be am 11. April 1933 wird die glei­che Erklä­rung abge­druckt und der KFV nament­lich als zwei­ter Ver­ein genannt, der die Reso­lu­ti­on unter­zeich­ne­te. Auch im „Karls­ru­her Tag­blatt“ fin­det sich am Mon­tag, den 10. April, in der Bei­la­ge „Sport Tur­nen Spiel“ auf der ers­ten Sei­te der Abdruck der Reso­lu­ti­on. Quel­len: Der Sport­be­richt, amt­li­ches Organ des Süd­deut­schen Fuß­ball- und Leicht-Ath­le­tik-Ver­ban­des (Bezirk Würt­tem­berg-Baden), Offi­zi­el­les Nach­rich­ten­blatt des DFB, Größ­tes Sport­blatt Süd­deutsch­lands, Jg. 1933, Nr. 43, Mon­tag, 10. April. Der Kicker, Nr. 15, 11. April 1933.
Die Sei­te aus dem „Sport­be­richt“ vom 10. April 1933, die ver­ant­wort­lich für Juli­us Hirschs Aus­tritt aus dem KFV war.
Ant­wort­schrei­ben des KFV an Juli­us Hirsch.
Schrei­ben an den KFV 

KFV-Ver­eins­sat­zun­gen und der „Ari­er­pa­ra­graph“

Wie ande­re Sport­ver­ei­ne hat­te auch der KFV ab Janu­ar 1935 die Ein­heits­sat­zung des Deut­scher Reichs­aus­schuss für Lei­bes­übun­gen (DRL) zu über­neh­men, wel­che die Mit­glie­der des DRL auf die „leib­li­che und see­li­sche Erzie­hung sei­ner Mit­glie­der im Geis­te des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Volks­staa­tes“ ver­pflich­ten soll­te. Aus nicht bekann­ten Grün­den ver­zö­ger­te sich die Über­nah­me der Sat­zung beim KFV, die zudem auf eine älte­re Sat­zung aus dem Jahr 1933 basier­te. Am 27. April 1935 erließ der KFV eine Sat­zung, die bereits am 15. Juli 1933 von der Mit­glie­der­ver­samm­lung beschlos­sen wur­de. In einem hand­schrift­li­chen Brief ver­sandt Otto Albiez („Ver­eins­füh­rer“ von 1932–34) am 29. April, die von Rechts­an­walt Dr. Joseph Ruzek (zu die­ser Zeit Schrift­wart und spä­ter „Ver­eins­füh­rer“) durch­ge­se­he­ne Sat­zung an den amtie­ren­den „Ver­eins­füh­rer“ Fritz Lan­ger (Ruzek befand sie für „in Ord­nung“) und mahn­te gleich­zei­tig die Abga­be beim Amts­ge­richt bis zum Ende des Monats an. 

Am 19. Juli 1935 wur­de die Sat­zung von der Mit­glie­der­ver­samm­lung noch­mals bestä­tigt. Am 9. August 1935 schrieb der DFB an den KFV mit dem Betreff „Ein­heits­sat­zun­gen“ bereits eine wenig char­man­te Erin­ne­rung: „Von dem Beauf­trag­ten des Reichs­sport­füh­rers für den Bezirk Mit­tel­ba­den, Herrn Diplom-Sport­leh­rer Stie­fel, erhal­te ich die Nach­richt, dass auch Ihr Ver­ein noch mit der Vor­la­ge der laut Anord­nung des Reichs­port­füh­rers anzu­neh­men­den Ein­heits­sat­zung im Rück­stand ist. Ich gebe Ihnen, ohne die bis­he­ri­ge Schlam­pe­rei näher zu kri­ti­sie­ren, hier­mit letzt­mals Gele­gen­heit, die Sat­zun­gen inner­halb der nächs­ten Woche an unse­re Gau­ge­schäfts­stel­le […] zu sen­den […]. Es ist mir uner­klär­lich, wie es jetzt noch Ver­ei­ne geben kann, die die­se doch wirk­lich ein­fa­che und für den Wei­ter­be­stand des Ver­eins not­wen­di­ge Anord­nung des Reichs­sport­füh­rers nicht befolgt haben. Es ist drin­gend not­wen­dig, dass mit der ewi­gen Schlam­pe­rei end­lich auf­ge­räumt wird.“ Am 26. August 1935 reich­te der KFV die Sat­zung schließ­lich beim DFB ein. Anders als der FC Bay­ern Mün­chen, der 1. FC Nürn­berg oder TSV Mün­chen 1860 hat­te der KFV jedoch kei­nen „Ari­er­pa­ra­gra­fen” zusätz­lich in die Sat­zun­gen eingefügt. 

Als zum 21.12.1938 der Natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Reichs­bund für Lei­bes­übun­gen (NSRL), „eine von der NSDAP betreu­te Orga­ni­sa­ti­on“, ent­steht, erlässt die­ser im März 1940 eine „Ein­heits­sat­zung“, die der KFV wie die übri­gen Ver­ei­ne über­neh­men wird (eine Kopie der KFV-Sat­zung mit dem Wort­laut der Anpas­sung von 1940 liegt lei­der nicht vor). Dar­in heißt es: „Mit­glie­der kön­nen nicht Per­so­nen sein, die nicht deut­schen oder art­ver­wand­ten Blu­tes oder sol­chen gleich­ge­stellt sind“ (das Zitat stammt aus der all­ge­mei­nen Ein­heits­sat­zung). KFV-Mit­glie­der jüdi­schen Glau­bens bzw. mit Eltern jüdi­schen Glau­bens war zu die­sem Zeit­punkt längst bei jüdi­schen Sport­ge­mein­schaf­ten aktiv (sowie Wal­ter und Max Ran­sen­berg und Natio­nal­spie­ler Juli­us Hirsch beim „Turn­club Karlsruhe“).

Jüngs­te Fun­de, die dem Ver­ein 2017 ver­macht wur­den, zei­gen, dass von Sei­ten des KFV ein “Ari­er­grund­satz” wohl durch­aus in Erwä­gung gezo­gen wur­de. Die­ser Brief an den Alt­in­ter­na­tio­na­len Fuchs wur­de mit einer Lis­te jüdi­scher Ver­eins­mit­glie­der in einem alten Ord­ner ent­deckt. Quel­le: KFV.
Auf einer Lis­te jüdi­scher Mit­glie­der des Ver­eins von 1935 wur­de der Name “Juli­us Hirsch” hand­schrift­lich ergänzt. War er zu die­sem Zeit­punkt noch als Mit­glied geführt, trotz sei­ner Aus­tritts­er­klä­rung? (Lis­te stammt aus einer Schen­kung aus 2017) Quel­le: KFV-Archiv.

EINSCHUB: Skan­dal um den „Deut­schen Gruß“ / Inter­na­tio­ne­le Medi­en berichteten

Eine Weih­nachts­rei­se in Frank­reich, auf wel­cher der KFV jeweils ein Freund­schafts­spiel gegen den FC Metz sowie den AS Nan­cy aus­trug, blieb nicht ohne Fol­gen für den Alt­meis­ter. In Nan­cy bat man den KFV, auf den „deut­schen Gruß“ zu ver­zich­ten, da der KFV ansons­ten kein Antritts­geld bekom­men wür­de. Der KFV ließ sich dar­auf ein, bezog das Antritts­geld und unter­ließ den Gruß zu Beginn des Spiels. Die NS-Sport­be­hör­de um Minis­te­ri­al­rat Kraft reagier­te unmit­tel­bar nach dem Bekannt­wer­den des Vor­falls und ent­zog dem KFV die Erlaub­nis, im Aus­land Freund­schafts­spie­le aus­tra­gen zu dür­fen (sie­he Abbil­dun­gen).
Zwei Jah­re spä­ter stell­te der KFV eine tief demü­ti­ge Anfra­ge bei Minis­te­ri­al­rat Kraft, der erneu­ten Ein­la­dung der Mann­schaf­ten aus Metz und Nan­cy fol­gen zu dür­fen und dort Freund­schafts­spie­le aus­zu­tra­gen: „Als im Jah­re 1933 der KFV in Frank­reich gegen den Fuss­ball­klub de Nan­cy und Fuss­ball­klub de Metz antrat, hat das damals von den Ver­eins­lei­tun­gen die­ser Ver­ei­ne erzwun­ge­ne Unter­blei­ben des deut­schen Grus­ses unlieb­sa­mes Auf­tre­ten erregt.“ […] „Im Inter­es­se der Pfle­ge sport­li­cher Bezie­hun­gen und nicht zuletzt mit Rück­sicht auf die kom­men­de Olym­pia­de wür­den wir unter Zurück­stel­lung unse­rer Beden­ken geneigt sein, gegen Nan­cy und Metz auf deren Plät­ze anzu­tre­ten, sofern selbst­ver­ständ­lich ein­wand­freie Zusa­ge über Wah­rung sport­li­chen Anstan­des und über Aner­ken­nung des deut­schen Grus­ses vorliegen“.

Minis­te­ri­al­rat Her­bert Kraft geneh­mig­te mit der Neben­be­din­gung: „Ich bit­te aber dafür besorgt zu sein, dass Vor­komm­nis­se, wie im Jahr 1933, unter allen Umstän­den ver­mie­den wer­den“. Fünf Jah­re spä­ter hin­ge­gen, als die eng­li­sche Ama­teur­mann­schaft Corin­thi­ans Gast des KFV war, brach­ten die Eng­län­der „zusam­men mit der Mann­schaft des gast­ge­ben­den Ver­eins den Deut­schen Gruß aus, was von den Zuschau­ern freu­dig begrüßt wur­de“ (Badi­sche Pres­se, 19.4.1938, No. 106).

Neue Bedeu­tung des Vor­falls im Jahr 2018

Ein Tweet des ame­ri­ka­ni­schen Poli­tik­wis­sen­schaft­lers Geor­ge Cic­ca­ri­el­lo-Maher der einen Zei­tungs­ar­ti­kel über den KFV aus dem Jah­re 1934 pos­te­te, sorgt gera­de in den USA für Auf­se­hen. Was ist gesche­hen? Künf­tig müs­sen Foot­ball-Spie­ler der NFL wäh­rend der Natio­nal­hym­ne zu Beginn der Spie­le ste­hen oder in der Kabi­ne blei­ben. Vor­aus­ge­gan­gen war ein Knie­fall des Quar­ter­backs Colin Kaeper­nick, der wäh­rend der Natio­nal­hym­ne mit einem Knie­fall gegen Ras­sen­dis­kri­mi­nie­rung demons­trier­te. Zahl­rei­che schwar­ze NFL-Pro­fis waren danach dem Bei­spiel Kaeper­nicks gefolgt. Dies lös­te eine lan­des­wei­te Debat­te aus, in der sich auch Prä­si­dent Donald J. Trump zu Wort mel­de­te („Holt die­sen Huren­sohn sofort vom Feld, er ist gefeu­ert!“) Cic­ca­ri­el­lo-Maher pos­te­te dar­auf­hin an die NFL gerich­tet einen Zei­tungs­ar­ti­kel der aus­tra­li­schen Zei­tung Advo­ca­te (vom 9. Janu­ar 1934), in dem vom KFV berich­tet wird, der damals auf­grund des Unter­las­sens des „Hit­ler­gru­ßes“ vor einem Spiel im fran­zö­si­schen Metz für ein Jahr von den Nazi-Behör­den für Aus­lands­rei­sen gesperrt wur­de. Cic­ca­ri­el­lo-Maher möch­te mit dem Tweet mah­nen, dass auf­ge­zwun­ge­ne und unter Stra­fe gestell­te Begrü­ßungs­ri­ten vor Sport­er­eig­nis­sen kei­ne Lösung sind.

Spiel­an­kün­di­gung in L’Est Répu­bli­cain am 24. 12. 1933. Quel­le: KFV-Archiv.
Ein­jäh­ri­ge Aus­lands­spiel­sper­re des KFV nach dem Unter­las­sen des deut­schen Gru­ßes: „Auf Grund die­ser Tat­sa­chen habe ich den Deut­schen Fuß­ball­bund auf­ge­for­dert, dem KFV für das Jahr 1934 die Spiel­erlaub­nis für Aus­lands­spie­le zu ver­wei­gern“ ließ Minis­te­ri­al­rat Kraft mit­tei­len. Rems-Zei­tung vom 8. Janu­ar 1934. Quel­le: KFV-Archiv. 
Der von Cic­ca­ri­el­lo-Maher get­wee­te­te Arti­kel. Quel­le: Advo­ca­te (Bur­nie, Tas. : 1890 — 1954), Tues­day 9 Janu­a­ry 1934, S. 1.
Der KFV fragt bei den Behör­den vor­sich­tig nach einer Neu­auf­la­ge des “Skan­dal­spiels”; der Minis­te­ri­al­rat macht klar, war­auf es ihm ankommt

Ob all das, was in den Jah­ren nach dem Zwei­ten Welt­krieg über das Innen­le­ben der (Sport-) Ver­ei­ne nach außen getra­gen wur­de, immer den his­to­ri­schen Tat­sa­chen ent­sprach, lässt sich im Nach­hin­ein nur schwer veri­fi­zie­ren. Wel­che Moti­ve der Ein­zel­ne hat­te, in den Wochen von der Macht­er­grei­fung (30. Janu­ar 1933) der NSDAP bis zur Auf­nah­me­sper­re (Die­se dau­er­te vom 1. Mai 1933 bis zum 30. April 1937) der Par­tei bei­zu­tre­ten – aus­schließ­lich pri­va­te oder auch von idea­lis­ti­schen Über­le­gun­gen gepräg­te – , dar­über kön­nen nur die damals han­deln­den Per­so­nen selbst Aus­künf­te ertei­len, und das ist – sofern nicht zu Leb­zei­ten gesche­hen und der Nach­welt als schrift­lich fixier­tes Gedan­ken­gut (Haupt­quel­len waren die Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ak­ten) über­lie­fert – in der Jetzt­zeit nicht mehr zu stem­men, da die Prot­ago­nis­ten von einst alle bereits von der irdi­schen Büh­ne abge­tre­ten sind. „Wir Spie­ler waren unpo­li­tisch“, so die Aus­sa­ge von Franz Ahl, mit 102 Jah­ren ältes­tes Ver­eins­mit­glied jener Genera­ti­on ange­hö­rig, die die Gau­li­ga, in wel­cher der KFV acht Jah­re ver­tre­ten war, als akti­ver Spie­ler mit­er­lebt hat. Das mag auf die meis­ten Spie­ler, nicht nur sol­che des KFV, durch­aus zutref­fen, doch wie sah es eigent­lich bei den Funk­tio­nä­ren in den Ver­ei­nen aus? Wie sehr fühl­ten sich die­se mit der NS-Ideo­lo­gie ver­bun­den? Und wie sah die Außen­dar­stel­lung des Ver­eins aus? Wie sehr hat sich ein Ver­ein mit den außen- und innen­po­li­ti­schen Ent­wick­lun­gen im Reich iden­ti­fi­ziert? „Der poli­ti­sche Him­mel ver­fins­ter­te sich immer mehr; es lag Gewit­ter­stim­mung über Euro­pa, Polen war frech gewor­den. Krieg, Krieg ging es von Mund zu Mun­de. End­lich nah­te die Ent­schei­dungs­stun­de – Polen bekam die Ant­wort, die es ver­dien­te.“ (Quel­le: KFV-Mit­tei­lun­gen Nr. 1, Jg. 1939/40, Dezem­ber 1939, Sei­te 4 ) Zugang zu die­sen Fra­gen erhält man nur, wenn die ver­eins­ei­ge­nen Publi­ka­tio­nen noch, mög­lichst lücken­los, vor­han­den sind, um die dar­in ent­hal­te­nen Infor­ma­tio­nen einer kri­ti­schen Betrach­tung unter­zie­hen zu kön­nen. Für die vor­lie­gen­de Unter­su­chung stan­den die ver­eins­ei­ge­nen KFV-Mit­tei­lun­gen von 1933 bis zum März 1941 zur Ver­fü­gung. Einer Anord­nung der Reichs­sport­füh­rung zufol­ge, war die Her­aus­ga­be von ver­eins­ei­ge­nen Publi­ka­tio­nen ab die­sem Zeit­punkt ver­bo­ten, um mög­lichst alle frei­en Res­sour­cen dem Staats­ziel Nr. 1, dem End­sieg, zuzuführen. 

Die Ernen­nung Adolf Hit­lers zum Reichs­kanz­ler fand auch in den KFV-Mit­tei­lun­gen Widerhall. 

Dort stand zu lesen (KFV-Mit­tei­lun­gen Nr. 1, Novem­ber 1933, Sei­te 1): „In der größ­ten Not Deutsch­lands hat der Len­ker aller mensch­li­chen Schick­sa­le, der immer auf Sei­ten der Tap­fe­ren und Unver­zag­ten ist, dem Man­ne die Füh­rung der Deut­schen in die Hand gege­ben, der seit mehr als einem Jahr­zehnt mit einem Häuf­lein Unent­weg­ter mit uner­hör­ter Ener­gie und Zähig­keit den Kampf um den deut­schen Men­schen geführt hat. Als das deut­sche Volk am 5. März die­ses Jah­res end­lich zu sich selbst erwach­te und dem Deut­sches­ten aller Deut­schen, Adolf Hit­ler, unbe­schränk­te Voll­macht erteil­te, zog ein neu­er Geist in Deutsch­land ein. Deutsch­land schüt­tel­te die schick­sal­er­ge­be­ne Erstar­rung des letz­ten Jahr­zehnts ab und begann, mit neu­erweck­ter Ener­gie unter der neu­en Lei­tung, die end­lich eine Füh­rung war, den Kampf um sein Leben als Nati­on und Staat.“ 

Zum 50. Geburts­tag des Füh­rers am 20. April 1939 fühl­te sich der Karls­ru­her FV auf­ge­ru­fen, dem „Schöp­fer Groß­deutsch­lands“ sei­ne Glück­wün­sche zu über­mit­teln. All die Gescheh­nis­se seit der Macht­über­nah­me „erfül­len uns mit tiefs­ter Dank­bar­keit und freu­digs­tem Stolz.“

In der Aus­ga­be vom Dezem­ber 1938 fin­det sich ein Pas­sus, der das Ver­hält­nis der Ver­ei­ne zu den staat­li­chen Insti­tu­tio­nen über alle Ver­eins­gren­zen hin­weg am bes­ten beschreibt: „Ger­ne wird auch fest­ge­stellt, dass die Bezie­hun­gen des Ver­eins zu staat­li­chen und städ­ti­schen Behör­den, der Wehr­macht und der Par­tei aus­ge­zeich­ne­te sind“ (KFV-Mit­tei­lun­gen Nr. 3, Dezem­ber 1938, Sei­te 2), was sich auch in fol­gen­der Bemer­kung wider­spie­gelt: „Unse­re Sport­an­la­ge haben wir der Wehr­macht und Par­tei stets zur Ver­fü­gung gestellt.“(KFV-Mitteilungen Nr. 4, Jg. 1939/40, Sep­tem­ber 1940, Sei­te 3). Ein Blick auf die Beru­fe jener Män­ner, die dem Karls­ru­her FV in der schick­sals­träch­ti­gen Zeit von 1933 bis 1945 als Ver­eins­füh­rer oder Stell­ver­tre­ter vor­stan­den zeigt: es waren Per­so­nen, die man – damals wie heu­te – übli­cher­wei­se zu den Pri­vi­le­gier­ten in einer Gesell­schaft zäh­len muss. Vier Juris­ten , drei städ­ti­sche Bediens­te­te, ein Apo­the­ker und ein Ver­lags­in­ha­ber – sie alle waren gut ver­netzt, und davon pro­fi­tier­ten der KFV wie auch all jene Ver­ei­ne, deren Arran­ge­ment mit den neu­en Macht­ha­bern ein eben­so ver­trau­tes gewe­sen war. Zumin­dest war das zu Frie­dens­zei­ten so, doch als der gro­ße Wel­ten­brand durchs Reich feg­te, war es vor­bei mit der Herr­lich­keit. Nicht über­all, doch vie­ler­orts, schlu­gen die Uhren plötz­lich anders, und das war beim KFV nicht anders, beim VfB Mühl­burg schon. Anläss­lich eines Gau­li­ga­spiels gegen den VfB gerie­ten die Ver­ei­ne näm­lich der­art anein­an­der, dass selbst die Fach­pres­se sich die­ser Aus­ein­an­der­set­zung annahm – aus heu­ti­ger Sicht erfreu­li­cher­wei­se, sonst wäre von die­sem Vor­gang nichts der Nach­welt erhal­ten geblie­ben. Wor­um ging es? Anläss­lich der Gau­li­ga­be­geg­nung gegen den VfB Mühl­burg, wel­che am 10. Novem­ber 1940 statt­fand und 0–10 ende­te (Auch das Rück­spiel am 16.03.1941 gewann der VfB Mühl­burg hoch mit 9 – 0), waren Vor­wür­fe laut gewor­den, der VfB Mühl­burg wer­de bei der Abstel­lung von Spie­lern zum Mili­tär­dienst in wett­be­werbs­wid­ri­ger Wei­se bevor­zugt. Tat­säch­lich kamen beim VfB in die­ser Sai­son 28 Spie­ler zum Ein­satz, wäh­rend es beim Karls­ru­her FV mehr als dop­pelt so vie­le waren, näm­lich 63. Und das offen­bar­te sich auch in der Abschluss­plat­zie­rung bei­der Ver­ei­ne. Der VfB Mühl­burg wur­de Zwei­ter, der KFV beleg­te Platz neun. Genau­ge­nom­men war das der letz­te Tabel­len­platz, denn der 1. FC 08 Bir­ken­feld zog sich Ende Dezem­ber 1940 vom Spiel­be­trieb zurück, und alle aus­ge­tra­ge­nen Begeg­nun­gen mit Bir­ken­fel­der Betei­li­gung wur­den laut Regle­ment für ungül­tig erklärt und gestri­chen.

Der stell­ver­tre­ten­de Ver­eins­füh­rer des KFV, Appen­zel­ler, äußer­te sich nach dem Spiel wie folgt (ASZ-Sport­be­richt Nr. 46, 18.11.1940, Sei­te 12):

Die Mann­schaft, die uns zu die­sem Spie­le zur Ver­fü­gung stand, war nicht eine zwei­te, son­dern höchs­ten­falls eine drit­te Gar­ni­tur, abge­se­hen von den bei­den Urlau­bern Haas und Benz, die jedoch man­gels Trai­ning außer Form waren. Daß von vorn­her­ein das Ergeb­nis des Spie­les ein irre­gu­lä­res sein muß­te, liegt auf der Hand; umso mehr sind des­halb die Sprech­chö­re, die vom Zuschau­er­block von der Gegen­sei­te her­über­tön­ten, zu ver­ur­tei­len. Wir wis­sen nicht, wel­che Glücks­um­stän­de es dem VfB Mühl­burg ermög­li­chen, fast sonn­täg­lich sei­ne kom­plet­te Frie­dens­mann­schaft zur Ver­fü­gung zu haben. Aus die­sem Glücks­um­stand sei­tens der Mühl­bur­ger Zuschau­er gegen­über dem nicht vom Glück so begüns­tig­ten Geg­nern eine Frot­ze­lei zu machen in Form des Sprech­cho­res: „Wo bleibt der Alt­meis­ter?“ ist eine sport­li­che Unan­stän­dig­keit, ganz abge­se­hen davon, daß sie eine Brüs­kie­rung unse­rer Sol­da­ten dar­stellt. Unse­re Ant­wort auf die im Sprech­chor gerich­te­te Fra­ge lau­tet: „Unse­re Spie­ler ste­hen an der Front!“

Die Replik des VfB-Vor­sit­zen­den Deutsch ließ nicht lan­ge auf sich war­ten (ASZ-Sport­be­richt Nr. 47, 25.11.1940, Sei­te 2).

Dar­in hieß es u. a.: Ich erken­ne an, daß äußerst glück­li­che Umstän­de es mei­nem Ver­ein gestat­ten, zur Zeit noch so spiel­stark anzu­tre­ten. Aber gera­de weil die­se Umstän­de nicht nur Zufall sind und außer jeder Beein­flus­sung lie­gen, son­dern auch jah­re­lan­ge, inten­si­ve Arbeit unse­rer Jugend­er­tüch­ti­gung bedin­gen, kann und darf im Inter­es­se mei­nes Ver­eins der Brief des KFV nicht unwi­der­spro­chen blei­ben. Von mei­nem Ver­ein sind etwa 120 Spie­ler und Mit­glie­der an der Front bzw. unter den Fah­nen. … Die mir noch zur Ver­fü­gung ste­hen­den älte­ren Spie­ler sind Spe­zi­al- und Fach­ar­bei­ter, deren Tätig­keit nach Anga­ben aller füh­ren­den Krei­se ( sie­he auch die letz­te Rede des Herrn Reichs­ar­beits­mi­nis­ters Sel­dte) jener Pflicht gleich­zu­ach­ten ist, der unse­re Sol­da­ten an der Front genü­gen. Daß eini­ge Spie­ler hier oder in unmit­tel­ba­rer Nähe in Gar­ni­son ste­hen, ist Zufall, oder kann auch sagen Glück; sie waren übri­gens lan­ge Zeit im beset­zen Gebiet, bis sie wie­der mit ihrem Trup­pen­teil hier­her kamen. Ich bedaue­re nach wie vor das ver­werf­li­che und unsport­li­che Ver­hal­ten der Schrei­er, muß aber ent­schie­den ableh­nen, die­se in Ver­bin­dung mit mei­nem Ver­ein brin­gen zu las­sen. … Es wäre mir und auch den Spie­lern mei­nes Ver­eins schon aus rein sport­li­chen Grün­den lie­ber, sich mit stärks­ten Geg­nern mes­sen zu dür­fen. Mein Wunsch ist, daß die durch den Krieg beding­ten abnor­men Ver­hält­nis­se im Sport bald durch ein sieg­rei­ches Ende des Kamp­fes besei­tigt wer­den und Ihr Ver­ein dann auch wie­der mit einer star­ken und gleich­wer­ti­gen Mann­schaft sich an den Spie­len betei­li­gen kann.

Eine Aus­ga­be der KFV-Mit­tei­lun­gen im Drit­ten Reich. Quel­le: KFV-Archiv / Recher­che Ebner.
Anfra­ge von Her­tha BSC für die Frei­ga­be von KFV-Spie­ler August Bolz (18. Febru­ar 1912 in Son­dern­heim — 13. Okto­ber 1996 in Son­dern­heim). Der „Bol­ze Gusch“ oder „Bolz I“ – so sei­ne Spitz­na­men – spiel­te von 1935 bis 1940 für den KFV und war ein aus­ge­wie­se­ner Frei­stoß­spe­zia­list. Neben Natio­nal­spie­ler Immig und Tor­hü­ter Eßwein war Bolz einer der drei Son­dern­hei­mer, die Mit­te der 1930er Jah­re zum KFV stie­ßen. Nach der rus­si­schen Kriegs­ge­fan­gen­schaft, aus der er erst 1948 zurück­kehr­te ver­dien­te er sich als Fabrik­ar­bei­ter sei­nen Lebens­un­ter­halt. Quel­le: Andre­as Ebner (Text) / Stadt­ar­chiv Karls­ru­he (Bild).

EINSCHUB: Kurio­ser Gast im Klub­haus (aus einem Brief des KFV an den „Kreis­füh­rer“ Land­häus­ser, August 1939), aus einem Brief von KFV-Trai­ner Tretter:

Am Sonn­tag den 20. August [1939] erschien um 12 Uhr mit­tags im Club­haus des KFV in leicht ange­hei­ter­tem Zustand ein Herr der sich sofort an den Tisch setz­te an dem ich mein Essen ein­nahm. Der­sel­be war mir unbe­kannt. Er stell­te zuerst all­ge­mei­ne Fra­gen über den KFV, die ich ihm nicht beant­wor­te. Dar­auf­hin ging er aus sich her­aus und gab sich als Inter­es­sen­ver­tre­ter vom Füh­rer aus und erklä­re mir er kön­ne mich zwin­gen ihm Ant­wort zu geben […]. Sei­ne Dro­hung wenn ich ihn kei­ne Aus­kunft gebe so wer­den über den KFV in sei­ner Zei­tung kei­ne Nach­rich­ten mehr gebracht, ver­an­lass­ten mich ihm nach sei­nem Aus­weis zu fra­gen. Er gab mir dar­auf zu ver­ste­hen, dass er auch noch Schrift­füh­rer des VfB Mühl­burg sei und er mich doch schon jah­re­lang ken­ne und er möch­te von mir doch ger­ne wis­sen, wel­che Rol­le ich mit mei­ner der­zei­ti­gen unmög­li­chen Elf in der Meis­ter­schaft spie­len wol­le. [Der Gast] geriet [..] in Wut und sag­te Brecht [KFV-Kapi­tän Oswald Brecht, der kurz zuvor zum Lokal­ri­va­len Mühl­burg wech­sel­te] ist weg und ande­re wer­den fol­gen. Er sei der Mann gewe­sen der Brecht in Hut­ten­heim wie­der­holt besucht habe und alles ein­ge­lei­tet hät­te. […] Er habe Brecht besof­fen gemacht und ihn dann unter­schrei­ben las­sen […] durch den Weg­gang Brechts sei der ruhm­rei­che KFV am Ver­re­cken. Er benahm sich der­art unver­schämt, dass ich die Absicht hat­te ihn aus dem Lokal zu wer­fen, wur­de aber von unse­rem Club­wirt gebe­ten davon im Inter­es­se der Ruhe Abstand zu neh­men. Er hat­te dann auch noch die Frech­heit unse­re Kabi­ne der ers­ten Mann­schaft zu betre­ten […]. Dar­auf­hin betrat er das Spiel­feld und leg­te sich hin­ter das Tor und erklär­te wie­der­um er sei Pres­se­ver­tre­ter. Er muss­te unter Anwen­dung von Gewalt aus dem Plat­ze ent­fernt werden.

EINSCHUB – Das Gast­spiel­recht: Wäh­rend des Krie­ges erlaub­te ein gelo­cker­tes Gast­spiel­recht, Spie­lern tem­po­rär für einen Ver­ein zu spie­len, in des­sen Stadt sie sta­tio­niert wur­den. Dies zeig­te ins­be­son­de­re gegen Ende des Krie­ges skur­ri­le Aus­wüch­se: Nicht sel­ten war ein Spie­ler für meh­re­re Ver­ei­ne inner­halb nur weni­ger Mona­te aktiv.

Zu Pro­to­koll: Jah­res­ver­samm­lun­gen und Jubi­lä­en im Drit­ten Reich

von Andre­as Ebner

15.07.1933 Jah­res­ver­samm­lung (Monin­ger-Gar­ten­saal)

Die erschie­nen Mit­glie­der – eine Zahl wird nicht genannt – ent­las­te­ten „ein­mü­tig“ den bis­he­ri­gen Vor­stand, bekann­ten sich zum Füh­rer­ge­dan­ken und wähl­ten Otto Albiez zum Ver­eins­füh­rer. Die­ser hat nach eige­nen Anga­ben „bei der Ernen­nung mei­ner Mit­ar­bei­ter zum gro­ßen Teil auf frü­he­re Vor­stands­mit­glie­der zurück­ge­grif­fen.“ Dane­ben wur­den vier Aus­schüs­se gebil­det – Haupt‑, Finanz‑, Sport- und Jugend­aus­schuss. Auf­grund der nicht zufrie­den­stel­len­den Finanz­la­ge wur­de eine neue Kas­sen­ord­nung beschlos­sen, die ein Ver­bot neu­er Ver­bind­lich­kei­ten beinhaltete. 

11.07.1934 Jah­res­ver­samm­lung (Monin­ger-Gar­ten­saal)

Im Mit­tel­punkt die­ser Jah­res­ver­samm­lung stan­den zahl­rei­che Ehrun­gen. Ins­ge­samt 44 Mit­glie­der erhiel­ten die gol­de­ne bzw. sil­ber­ne Ver­eins­na­del über­reicht. Zwei ehe­ma­li­ge Akti­ve wur­den zu Ehren­spiel­füh­rern ernannt: Wal­ter Finn­ei­sen und Karl Link. Nach Aus­spra­che wur­de die Wahl des Ver­eins­füh­rers bis zum 1. August zurück­ge­stellt. Nahe­zu ein­stim­mig wur­de Fritz Lan­ger in die­ser Ver­samm­lung zum Ver­eins­füh­rer gewählt, nach­dem sich der bis­he­ri­ge Ver­eins­füh­rer, Otto Albiez, „infol­ge ander­wei­ti­ger Inan­spruch­nah­me“ nicht mehr in der Lage sah, den Ver­ein wei­ter zu füh­ren. Lan­ger nahm an und bestell­te sofort Karl Dani­el Huber zu sei­nem Ver­tre­ter. Zwei der vier Aus­schüs­se erhiel­ten eine neue Bezeich­nung. Aus dem Haupt­aus­schuss wur­de der Ver­wal­tungs­aus­schuss, der Sport­aus­schuss hieß fort­an Spielausschuss. 

10.07.1935 Jah­res­ver­samm­lung (Monin­ger-Gar­ten­saal)

83 Per­so­nen waren zu der an einem Mitt­woch­abend anbe­raum­ten Jah­res­ver­samm­lung erschie­nen, was bedeu­te­te, dass nur 17 % aller Mit­glie­der den Weg zu die­ser Ver­samm­lung gefun­den hat­ten. Am Ende des Geschäfts­jah­res waren „bei 60 Zugän­gen und 64 Abgän­gen“ 485 Mit­glie­der regis­triert. Zur finan­zi­el­len Lage des Ver­eins konn­te man erfah­ren, dass „bei der geüb­ten eiser­nen Spar­sam­keit im Ver­ein“ es trotz eines Minus´ im Spiel­be­trieb mög­lich war, „die Ver­bind­lich­kei­ten etwas zu sen­ken, wobei aller­dings auch die Gläu­bi­ger durch Nach­läs­se an ihren For­de­run­gen Ver­ständ­nis für die Lage des KFV bewie­sen.“ Die Ver­samm­lung bestä­tig­te Fritz Lan­ger in sei­ner Eigen­schaft als Ver­eins­füh­rer und beschloss ein­stim­mig die vom Reichs­sport­amt ent­wor­fe­ne Mus­ter­sat­zung. Aus dem ehe­ma­li­gen Ver­wal­tungs­aus­schuss wur­de der „Füh­rer­bei­rat“, der Finanz­aus­schuss wur­de künf­tig als „Kas­sen­aus­schuss“ bezeich­net. Erst­mals gab es mit Hans Plesch einen Diet­wart, des­sen Auf­ga­be es war, die welt­an­schau­li­chen Grund­zü­ge der NS-Ideo­lo­gie zu erläutern.

26.06.1936 Jah­res­ver­samm­lung (Monin­ger-Gar­ten­saal)

Auf der Jah­res­ver­samm­lung vom 26. Juni 1936 gab es einen Füh­rungs­wech­sel, nach­dem Fritz Lan­ger erklärt hat­te, sich „aus beruf­li­chen Grün­den“ nicht mehr zur Wahl zu stel­len. Von den 108 erschie­ne­nen Mit­glie­dern votier­ten 88 für und 14 gegen den bis­he­ri­gen Stell­ver­tre­ter Karl Kün­kel, 6 Mit­glie­der ent­hiel­ten sich der Stim­me. In Per­so­nal­uni­on ver­sah Karl Kün­kel das Amt des Kas­sen­war­tes und war auch Vor­sit­zen­der des Ältes­ten­ra­tes.

19.12.1936 45‑j. Jubi­lä­um (Monin­ger-Gar­ten­saal)

In die­se Zeit­span­ne fällt eben­so das 45-jäh­ri­ge Ver­eins­ju­bi­lä­um, wel­ches am 19. Dezem­ber 1936 im Gar­ten­saal des Restau­rants „Monin­ger“ (Ecke Kai­ser-/Karl­stra­ße) gefei­ert wur­de. Nicht in gro­ßem Stil, aber den­noch dem Anlass ent­spre­chend. Im Rah­men der Fei­er nahm der für den ver­hin­der­ten Fach­amts­lei­ter Lin­nen­bach erschie­ne­ne Gau­kas­sen­wart Otto Zwei­fel als Ver­tre­ter des Gau­es 14 zahl­rei­che Ehrun­gen vor. U.a. erhielt der ( nicht anwe­sen­de ) badi­sche Innen­mi­nis­ter Karl Pflau­mer „für beson­de­re Ver­diens­te um den Sport“ die gol­de­ne Ehren­na­del des Ver­eins; die bei­den ehe­ma­li­gen Akti­ven Rafet Bekir und Erwin Schnei­der wur­den zu Ehren­spiel­füh­rern ernannt. Dane­ben wur­de die Ver­eins­fah­ne geweiht. Der frü­he­re Vor­sit­zen­de des Ver­eins, Otto Albiez, hielt die Wei­he­re­de und ent­hüll­te die Fah­ne, die er dem Ver­eins­füh­rer über­gab. Bei ver­schie­de­nen Gesangs­vor­trä­gen und Tanz­dar­bie­tun­gen, beglei­tet von der „nim­mer­mü­den Haus­ka­pel­le“, ließ man den Abend aus­klin­gen. „Und so war es schon stark am frü­hen Mor­gen, als die letz­ten Unent­weg­ten den Weg zu den hei­mi­schen Pena­ten antra­ten, um in ihren Träu­men noch­mals bun­te Bil­der von die­sem Stif­tungs­fest des KFV vor­über­glei­ten zu sehen, das gera­de in sei­ner inti­men Geschlos­sen­heit als der ein­zig zur Zeit mög­li­chen Form in allen Tei­len als wohl­ge­lun­gen bezeich­net wer­den kann und bei allen Teil­neh­mern eine fro­he und blei­ben­de Erin­ne­rung hin­ter­las­sen wird, um, wie so vie­le Fei­ern zuvor, ein­zu­ge­hen in die Anna­len der Geschich­te unse­res nun­mehr 45 Jah­re alten KFV (KFV-Mit­tei­lun­gen, a.a.O., Sei­te 6).

18.06.1937 Jah­res­ver­samm­lung (Monin­ger-Gar­ten­saal)

Nur 72 Mit­glie­der fan­den sich zur Jah­res­ver­samm­lung 1937 ein, was den Ver­eins­füh­rer zu der Fest­stel­lung bewog, „daß der Besuch der Ver­samm­lung nicht der Wich­tig­keit der Tages­ord­nung ent­sprach.“ Seit 1925 hat­te man unun­ter­bro­chen der höchs­ten Spiel­klas­se ange­hört, nun war der GAU, sprich: Abstieg, ein­ge­tre­ten, was auch ein Ver­dienst des Trai­ners („unge­eig­ne­te Per­son“ ) gewe­sen sei, dem man mit­ten in der Sai­son den Lauf­pass gege­ben hat­te. Bei der Wahl des neu­en Ver­eins­füh­rers erhielt Karl Kün­kel 65 Stim­men bei 7 Ent­hal­tun­gen. An die Mit­glie­der rich­te­te er den „ein­dring­li­chen Appell zur Einig­keit, da wir als KFV­ler ja alle das glei­che Ziel im Auge haben, das Wohl und Hoch­kom­men unse­res lie­ben KFV.“ Ein­stim­mig ange­nom­men wur­de die Erhö­hung des Mit­glieds­bei­tra­ges für ordent­li­che Mit­glie­der auf 15,- RM p. a. ( „drin­gend gebo­te­ne Not­wen­dig­keit“ ). (KFV-Mit­tei­lun­gen Nr. 1, Jg. 1937/38, Sep­tem­ber 1937, Sei­te 2 ff.)

16.07.1938 Jah­res­ver­samm­lung (Monin­ger-Gar­ten­saal)

Eine noch­ma­li­ge Erhö­hung um 3 RM auf 18 RM p. a. beschloss die Mit­glie­der­ver­samm­lung ein Jahr spä­ter, und das bei nur einer Gegen­stim­me. Gar ein­stim­mig wur­de die Amts­zeit des Ver­eins­füh­rers Kün­kel um ein wei­te­res Jahr ver­län­gert. Der Schul­den­stand lag „um etwas über 3000 Mark“ höher als im Vor­jahr, die Finanz­la­ge beschrieb man so: „Zwar nicht rosig, aber auch nicht besorg­nis­er­re­gend.“ Sport­lich lief es ohne­hin rund, nach­dem man den Betriebs­un­fall vom letz­ten Jahr wett­ge­macht und den Wie­der­auf­stieg in die Gau­li­ga per­fekt gemacht hat­te mit einer Bilanz, wie sie „bei einem Bezirks­klas­sen­ver­ein und Auf­stiegs­meis­ter im gan­zen deut­schen Reichs­ge­biet uner­reicht dasteht: von ins­ge­samt 30 Ver­bands­spie­len ( einschl. Auf­stiegs­spie­len ) ging kein ein­zi­ges ver­lo­ren; nur 5 ende­ten unent­schie­den, 25 wur­den gewon­nen und dabei das schö­ne Tor­ver­hält­nis von 146:21 erzielt.“ (KFV-Mit­tei­lun­gen Nr. 1, Jg. 1938/39, Sep­tem­ber 1938, Sei­te 3 ff.)

14.06.1939 Jah­res­ver­samm­lung (Monin­ger-Gar­ten­saal)

Über 100 Mit­glie­der hat­ten sich ein­ge­fun­den, im Gegen­satz zum Vor­jahr „eine ver­hält­nis­mä­ßig star­ke Betei­li­gung.“ Stark auch die Anzahl der Mit­glie­der, die am Ende des abge­lau­fe­nen Geschäfts­jah­res 542 – 213 akti­ve und 329 pas­si­ve Mit­glie­der – betra­gen hat. 37 Mit­glie­der waren neu ein­ge­tre­ten, so dass die Zahl der Aus­trit­te ( 19 ) mehr als kom­pen­siert wer­den konn­te. Mit 95 gegen 7 Stim­men wähl­te die Ver­samm­lung Karl Kün­kel für ein wei­te­res Jahr ins höchs­te Amt. 

16.07.1940 Jah­res­ver­samm­lung (Monin­ger-Gar­ten­saal)

Erst­mals wer­den kon­kre­te Zah­len zur finan­zi­el­len Lage genannt. Im abge­lau­fe­nen Geschäfts­jahr betrug die Gesamt­schuld 30568,94 RM, eine Zunah­me von 1864,25 RM gegen­über dem Vor­jahr, wel­che „in der Haupt­sa­che“ auf das „Anwach­sen der Zin­sen­last bei gleich­zei­tig stark ver­min­der­ten Ein­nah­men aus dem Spiel­be­trieb zurück­zu­füh­ren ist.“ Die Zahl der Mit­glie­der wur­de mit 581 ange­ge­ben, die sich wie folgt zusam­men­setz­te: 346 Pas­si­ve ( inkl. 31 Ehren­mit­glie­der und 5 Ehren­spiel­füh­rer ) und 235 Akti­ve, „davon vom Fuß­ball 186 ( 86 Jugend­li­che ).“ Die Wahl des Ver­eins­füh­rers muss­te neu­er­dings erst noch „von den Behör­den“ über­prüft wer­den, was bedeu­tet, dass bis zur deren end­gül­ti­gen Ent­schei­dung der Ver­eins­füh­rer sein neu­es Amt noch nicht wahr­neh­men bzw. die­ses nur kom­mis­sa­risch ver­wal­ten durf­te. Die Wahl fiel auf das 61-jäh­ri­ge KFV-Urge­stein Fritz Lan­ger, des­sen Tod im Jah­re 1942 einen noch­ma­li­gen Wech­sel in der Ver­eins­füh­rung erfor­der­lich mach­te.

1941: 50-jäh­ri­ges Jubi­lä­um (Monin­ger-Gar­ten­saal)

Kriegs­be­dingt wur­de auf eine offi­zi­el­le Fei­er ver­zich­tet, nicht jedoch auf die Ehrung ver­dien­ter Mit­glie­der, wel­che vom Ver­eins­füh­rer höchst­selbst vor­ge­nom­men wur­de. Von der Her­aus­ga­be einer Fest­schrift nahm man eben­falls Abstand; eine sol­che erschien 1951 anläss­lich des 60-jäh­ri­gen Jubiläums.

EINSCHUB: Brief von der Garon­ne an den KFV-Vorstand 

Brief des KFV-Mit­glieds Carl-Maria Zeis (24.07.1940), Bereichs­pres­se­wart und Sport­wart des Krei­ses Karls­ru­he für Leicht­ath­le­tik, an den stell­ver­tre­ten­den Ver­eins­füh­rer Appen­zel­ler als Ant­wort auf die neu­es­te Aus­ga­be der KFV-Ver­eins­nach­rich­ten (1940), in der u.a. die Jah­res­haupt­ver­samm­lung The­ma war: „Wenn schon ‚Kom­mis­sio­nen‘ und ‚Still­hal­te-Abkom­men‘ not­wen­dig sind, um eine gere­gel­te Durch­füh­rung einer Mit­glie­der­ver­samm­lung vor dem Jubi­lä­ums­jahr zu ermög­li­chen, dann wäre es bes­ser, ein der­art alt und morsch gewor­de­ner K.F.V. wür­de noch vor Errei­chung sei­nes 50. Lebens­jah­res einen sanf­ten, aber ehr­li­chen Tod ster­ben. Das ist gelin­de gesagt, eine Affen­schan­de und ich bedau­re aus­ser­or­dent­lich, daß ich bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung d e n Her­ren nicht Bescheid sagen kann. Das ist mir ein Zei­chen dafür, daß die Men­schen weder die Zei­chen der Zeit im poli­ti­schen Gesche­hen, noch die Ände­run­gen in der Auf­ga­ben­stel­lung des deut­schen Spor­tes und sei­ner Ver­ei­ne begrif­fen haben. Dar­über soll­te jetzt nach 7 Jah­ren so lang­sam auch weni­ger intel­li­gen­ten Her­ren ein Sei­fen­sie­der auf­ge­gan­gen sein. Die­se Cli­que sieht aber bedau­er­li­cher­wei­se in den deut­schen natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gemein­schaf­ten der Lei­bes­übun­gen immer noch eine xbe­lie­bi­ge Ver­ei­ni­gung von am Sport inter­es­sier­ten Men­schen, die da noch „treu und brav“ eigent­lich soll­te man sagen „frech und unver­schämt“ ihren frü­he­ren libe­ra­lis­ti­schen Metho­den von Abstim­mung und Mehr­heit ‚hul­di­gen‘ darf, weil man ja sonst kei­ne Mög­lich­keit mehr dazu hat. Die Her­ren wer­den sich aber ganz gewal­tig täu­schen. Der Krieg nimmt mal ein Ende, dann wer­den die ‚Jun­gen‘ des K.F.V. zurück­kom­men und das kann ich den Her­ren schon heu­te ver­si­chern, die wer­den dann ande­re Sai­ten auf­zie­hen und wenn dabei man­che, in frü­he­ren Zei­ten viel­leicht ver­dien­te Män­ner, über die Klin­ge sprin­gen müs­sen. […] Er [der Ver­ein] hat […] in ers­ter Linie […] eine natio­nal­po­li­ti­sche Auf­ga­be zu erfül­len […] und wer das noch nicht begrif­fen hat oder nicht begrei­fen will, […] und wenn er zu fei­ge oder bequem ist das zu tun, dann müs­sen die Gemein­schaf­ten ihre Rei­hen selbst von sol­chen unbrauch­ba­ren Gestal­ten säu­bern. Das mag ein wenig hart klin­gen, aber ich […] har­ter Mann [habe], die Lie­be zum K.F.V. nicht aus mei­nem Her­zen geri­ßen, aber ein­mal ist auch der Gedul­digs­te am Ende. Der Herr Bau­di­rek­tor [Anm. d. R.: Ver­eins­vor­sit­zen­der Fritz Lan­ger] ist ohne Zwei­fel eine ‚tra­di­tio­nel­le Erschei­nung‘. Sein Ver­hal­ten in der Kün­kel-Ära [Anm. d. R. Karl Kün­kel, Ver­eins­vor­sit­zen­der von 1936–40] war aber alles ande­re als die eines Sports­man­nes. Wenn ich ihn mir vor­stel­le, daß er am Jubi­lä­um eine Rede ‚reden‘ soll, dann geh mir jetzt schon der Angst­schweiß aus, das wäre für ihn und die Zuschau­er eine Qual.“ (1942 starb Zeis in einem Laza­rett in Bor­deaux an einem Halsleiden) 

EINSCHUB: Brief eines KFV-Mit­glieds an KFV-Vor­stand Appen­zel­ler
Am Sonn­tag, den 28. 7. 40, wohn­te ich mit mei­ner Frau und einem Bekann­ten dem Schluss des Fuss­ball­spie­les KFV-Phö­nix bei. Nach Schluss des Spie­les bega­ben wir, mei­ne Frau, der Bekann­te und ich, uns hin­ter die Zuschau­er­tri­bü­ne, da ich mit dem KFV-Spie­ler Wie­gand spre­chen woll­te. Hin­ter der Zuschau­er­tri­bü­ne hiel­ten sich eine grö­ße­re Anzahl Per­so­nen auf. […] Wäh­rend wir […] uns unter­hiel­ten, kam plötz­lich [Karl Röde­rer], der [..] Platz­meis­ter bei Phö­nix ist, […] her­aus […] und schrie dann: „Platz sau­ber machen, sonst las­se ich den Not­ruf kom­men“. Unter den jun­gen Leu­ten befan­den sich wel­che die „Hal­lo“ schrien. Röde­rer, der mei­nes Erach­tens schon etwas auf­ge­regt war, […] geriet nicht mehr in Auf­re­gung. Er droh­te dann mit Schlä­gen, wor­auf es wie­der ein Hal­lo gab. Plötz­lich schrie nun Röde­rer „Juden­ban­de!“ […] Nach mei­nem Dafür­hal­ten hat Röde­rer mit der Aeu­ße­rung „Juden­ban­de“ nur die Mit­glie­der bezw. Anhän­ger des KFV tref­fen wollen“.

EINSCHUB: Inter­ne Que­re­len und ange­spann­tes Ver­hält­nis zu den Fuß­ball­be­hör­den
1940 bil­de­ten Fritz Lan­ger und Joseph Ruzek eine Art inter­nen Unter­su­chungs­aus­schuss, der sich mit Fra­gen beschäf­tig­te, „die Gegen­stand von Vor­wür­fen einer­seits gegen den frü­he­ren Ver­eins­füh­rer, Herrn Kün­kel, ande­rer­seits von ihm gegen die Her­ren Tscher­ter und Enzen­roß gebil­det haben, Klä­rung zu schaf­fen“. Neben der Recht­mä­ßig­keit einer Trai­ner­ver­pflich­tung und der uner­war­te­ten Auf­stel­lung eines Gegen­kan­di­da­ten bei der Wahl zum „Ver­eins­füh­rer“ 1939, ging es auch um das „Schlechte[s] Ver­hält­nis zu den Behör­den“. In der Nie­der­schrift dar­über ist zu lesen: „Die Tat­sa­che, daß der KFV bei den Fuss­ball­be­hör­den schlecht ange­schrie­ben war und zum Teil noch ist, muß als bedau­er­li­che, aber nicht weg­zu­leug­nen­de Tat­sa­che zunächst hin­ge­nom­men wer­den. […] Es erschien aber als wahr­schein­lich, daß zum Teil eine gewis­se Reser­ve der Fuss­ball­be­hör­den gegen­über dem Ver­eins­füh­rer bestand [Anm. d. Red.: Karl Kün­kel], die aus den Vor­gän­gen anläß­lich sei­ner Wahl zum Ver­eins­füh­rer berühr­ten“ […]. Auf jeden Fall haben auch die […] Ver­fah­ren wegen Spiel­er­zie­hung eine gewis­se Rol­le in der Ein­stel­lung der Behör­den zum KFV gespielt. Schließ­lich war aber […] die Arbeit des Spiel­aus­schus­ses nicht so, daß ein rei­bungs­lo­ses Zusam­men­ar­bei­ten mit den Behör­den mög­lich war. Die Tat­sa­che, daß der KFV außer­or­dent­lich häu­fig bestraft wer­den muss­te, daß Ver­bands­be­hör­den um Aus­künf­te beim Spiel­aus­schuß, ins­be­son­de­re gele­gent­lich der Kas­sen­re­vi­si­on, wie­der­holt ver­geb­lich ersu­chen muss­ten, hat sicher­lich ent­schei­dend zu der Miß­stim­mung gegen den KFV bei­getra­gen. […]. War­um der KFV Ver­bands­an­fra­gen, wie im Fal­le der Ein­heits­sat­zun­gen von 1935 ver­schlepp­te, ob es auch rei­nen orga­ni­sa­to­ri­schen Unzu­läng­lich­kei­ten oder aus bewuss­ter Ver­zö­ge­rung her­aus geschah, ist nicht klar. „Es muß aber aner­kannt wer­den, daß der Ver­eins­füh­rer nach sei­ner Wie­der­wahl 1939 durch Aus­spra­chen mit den Fuss­ball­gau­be­hör­den wie auch mit dem Reichs­amt Fuss­ball ver­sucht hat, die­se Miß­stim­mung gegen den KFV zu behe­ben. Daß die­se Akti­on nicht zur vol­len Aus­wir­kung gekom­men ist, liegt am Aus­bruch des Krieges […]“.

Streit zwi­schen einem KFV-Anhän­ger (Vater des KFV-Spie­lers Hel­mut Mor­lock) und dem Phö­nix-Platz­wart, 1940. Quel­le: KFV-Archiv.

Reflek­ti­on: KFV-Ver­eins­füh­rer und ihre Stellvertreter

von Andre­as Ebner

Ver­eins­füh­rer: Otto Albiez ( 1932–34 ); Fried­rich ( „Fritz“ ) Lan­ger ( 1934–36 und 1940–42 ); Karl Kün­kel (1936–40 ); Dr. Joseph Ruzek ( 1942–45 )

Stell­ver­tre­ter: Dr. Otto Figle­stah­ler (07/1933 — 07/1934); Karl Dani­el Huber (07/1934 — 07/1935); Karl Kün­kel (07/1935–06/1936); Hans Wei­ge­le (06/1936 — 12/1937); Otto Albiez (07/1938 — 06/1939); Rudolf Appen­zel­ler (06/1939 — 1943); Adolf Murr (1943/44)
 

Karl Kün­kel

geb. am 18.02.1883 in Lör­rach — gest. am 06.01.1956 in Karlsruhe

Der am 18. Febru­ar 1883 in Lör­rach als Sohn des Gross­herzgl. Ober­bau­kon­trol­leurs Wil­helm Kün­kel gebo­re­ne Karl Kün­kel gehör­te seit 1937 der NSDAP an. Nach eige­nem Bekun­den erfolg­te der Bei­tritt nur des­halb, „um mir die Staat­li­che Lot­te­rie-Ein­nah­me, die ich seit 1927 wäh­rend des zwei­ten Rei­ches ver­lie­hen bekam, zu erhal­ten und um mir die Ordens­fa­bri­ka­ti­on, die mei­ne Fir­ma seit über hun­dert Jah­ren als Basis des Geschäfts betrieb, auf­recht erhal­ten zu kön­nen, ins­be­son­de­re weil ich hier aus­schließ­lich auf Staats­auf­trä­ge ange­wie­sen war.“Daneben war Kün­kel auch Mit­glied in ande­ren Par­tei­or­ga­ni­sa­tio­nen. Von 1935 bis 1945 gehör­te er der Deut­schen Arbeits­front ( DAF ) und dem NSRfL an, dem RKB war er 1934 bei­getre­ten und dem NSV im Jah­re 1936. Schließ­lich trat er „etwa“ 1930 dem Stahl­helm bei und war Mit­glied bis zu des­sen Auf­lö­sung im Jahr 1934. Sei­ne Lei­den­schaft für das Mili­tär­we­sen war schon früh­zei­tig erkenn­bar. Im April 1905 hat­te sich Karl Kün­kel dem 5. Bad. Inf.Rgt. 113 als „ein­jäh­ri­ger Frei­wil­li­ger“ ange­schlos­sen, sei­ne Beför­de­rung zum Unter­of­fi­zier erfolg­te mit Wir­kung zum 27. Janu­ar 1906. Im Ers­ten Welt­krieg fand er vor­über­ge­hend Ver­wen­dung als Sol­dat in einer Wacht­kom­pa­nie, sei­ne Beför­de­rung zum Leut­nant der Land­wehr erfolg­te im März 1915. Da er an chro­ni­schem Darm­ka­tarrh erkrankt war und infol­ge­des­sen sei­nen Dienst „sehr häu­fig“ nicht hat­te antre­ten kön­nen, wur­de er noch im sel­ben Jahr einem Ersatz-Batail­lon über­stellt. Im Novem­ber 1917 wur­de Karl Kün­kel als Hilfs­of­fi­zier zum Bahn­be­auf­trag­ten der Armee-Abtei­lung B befoh­len und ein Jahr spä­ter aus dem Hee­res­dienst ent­las­sen. Sein Vor­ge­setz­ter cha­rak­te­ri­siert ihn als „kräf­ti­ge, unter­setz­te Per­sön­lich­keit. Gegen Unter­ge­be­ne war er bestimmt und scharf, gegen Vor­ge­setz­te takt­voll, jedoch nicht immer mili­tä­risch, bei sei­nen Kame­ra­den war er beliebt. K. ist ein etwas hit­zi­ger Cha­rak­ter.“
Bereits 1896 trat er dem KFV bei. 1902 hat­te Karl Kün­kel an der Ober­re­al­schu­le Karls­ru­he das Abitur bestan­den und hat­te an der hie­si­gen tech­ni­schen Hoch­schu­le das Stu­di­um der Inge­nieurs­wis­sen­schaf­ten begon­nen, das er 1908 als Diplom-Inge­nieur abschloss. Drei Jah­re spä­ter stieg er als Teil­ha­ber ins Juwe­lier­ge­schäft Lud­wig Bertsch, Karls­ru­he, ein, wel­ches er 1940 über­nahm. Par­al­lel hier­zu war er von 1930 bis 1940 Teil­ha­ber am Juwe­lier­ge­schäft Otto Wenn­berg in Stutt­gart, wel­ches er eben­falls im Jah­re 1940 als allei­ni­ger Inha­ber über­nahm. Im sel­ben Jahr stell­te Kün­kel sein Amt als Ers­ter Vor­sit­zen­der des KFV zur Ver­fü­gung, das er seit 1936 inne­hat­te. Im Jahr zuvor war er zum zwei­ten Vor­sit­zen­den gewählt wor­den, und als Bei­sit­zer im Vor­stand war Kün­kel erst­mals 1927 in Erschei­nung getre­ten; vier Jah­re spä­ter, anläss­lich des 45-jäh­ri­gen Ver­eins­ju­bi­lä­ums, erfolg­te sei­ne Ernen­nung zum Ehren­vor­sit­zen­den. Im Alter von 67 Jah­ren stell­te sich Kün­kel, der zeit­wei­se auch als Vor­sit­zen­der des Kas­sen­aus­schus­ses und des Ältes­ten­ra­tes amtiert hat­te, aber­mals als 1. Vor­sit­zen­der zur Ver­fü­gung. Dies war von 1950 bis 1951, und fast hät­te es in die­ser Sai­son zu einem Titel gereicht, nach­dem man sich fürs End­spiel um die deut­sche Ama­teur­meis­ter­schaft qua­li­fi­ziert hat­te. Zum ers­ten Mal über­haupt wur­de die­ser Wett­be­werb aus­ge­tra­gen, und am Ende gab es eine unglück­li­che 2:3 Nie­der­la­ge, die man gegen Bre­men 1860 bezog, da man in der letz­ten hal­ben Stun­de des Spiels „eine tota­le Über­le­gen­heit her­aus­spiel­te“ – und das nach einem 0:3 Rück­stand !
Vier Jah­re zuvor hat­te sich Karl Kün­kel einem Spruch­kam­mer­ver­fah­ren zu stel­len. Mit Datum vom 6. März 1947 erhob der öffent­li­che Klä­ger vor der Spruch­kam­mer Karls­ru­he Kla­ge mit dem Antrag, den Betrof­fe­nen in die Grup­pe der Belas­te­ten ein­zu­rei­hen. In sei­ner Erwi­de­rung gab Kün­kel an, er habe inner­halb der Par­tei kei­ne Ämter beklei­det und sich in kei­ner Wei­se aktiv betä­tigt. „Aus­ser­dem hat sich Herr Ober­bür­ger­meis­ter Töp­per, als Zeu­ge über mei­ne poli­ti­sche Ver­gan­gen­heit Aus­kunft zu geben, bereit erklärt. Dar­über­hin­aus habe ich aber den Nazis­mus in sei­nen Aus­wüch­sen immer bekämpft. Dies muss auch bei der Par­tei­lei­tung bekannt gewe­sen sein, denn als ich zum Ver­eins­füh­rer des Karls­ru­her Fuss­ball­ver­eins gewählt wor­den war, ver­sag­te die Par­tei die Bestä­ti­gung die­ser Wahl und zwar mit der Begrün­dung, ich sei poli­tisch nicht zuver­läs­sig und hät­te die Par­tei wäh­rend mei­ner Tätig­keit als Stadt­rat bekämpft.“ Mit Datum vom 24. Sep­tem­ber 1947 stuf­te ihn die Spruch­kam­mer II a Karls­ru­he in die Grup­pe der Mit­läu­fer ein und ver­ur­teil­te ihn zur Zah­lung eines ein­ma­li­gen Süh­ne­bei­tra­ges zu einem Wie­der­gut­ma­chungs­fonds in Höhe von RM 2.000,- . Zur Begrün­dung führ­te die Kam­mer aus, der Betrof­fe­ne habe nur nomi­nell am NS teil­ge­nom­men und sei nie ein über­zeug­ter Natio­nal­so­zia­list gewe­sen, was durch Stel­lung­nah­men meh­re­rer poli­tisch unbe­las­te­ter Per­so­nen glaub­haft bekun­det wor­den sei. Er habe „sei­ner von Grund aus ableh­nen­den Hal­tung dem NS gegen­über jeder­zeit durch offe­ne und rück­halt­lo­se Kri­tik“ Aus­druck ver­lie­hen. Das mag man glau­ben oder auch nicht. Jeden­falls gehör­te auch Karl Kün­kel zum Heer derer, bei denen der Wider­spruch zwi­schen Oppor­tu­nis­mus und Oppo­si­ti­on klar zuta­ge tritt. Man hat sich mit dem Sys­tem „arran­giert“, erst Recht, wenn das per­sön­li­che und beruf­li­che Fort­kom­men in Gefahr geriet. Bei Karl Kün­kel war das nicht anders als bei vie­len sei­ner Lands­leu­te auch, die als „Mit­läu­fer“ ver­ur­teilt wurden.

 

Otto Albiez

geb. am 09.02.1894 in Unte­ral­p­fen, Kreis Walds­hut — gest. am 13.04.1980 in Karlsruhe 

Von 1932 bis 1934 stand Otto Albiez beim Karls­ru­her FV in vor­ders­ter Rei­he, bis er von Fried­rich Lan­ger als ers­ter Vor­sit­zen­der abge­löst wur­de. Der 40-jäh­ri­ge Albiez sah sich „infol­ge ander­wei­ti­ger Inan­spruch­nah­me“ nicht mehr in der Lage, das höchs­te Funk­tio­närs­amt aus­zu­üben, blieb dem KFV aber in zwei­ter Rei­he erhal­ten.
Die juris­ti­sche Auf­ar­bei­tung der Cau­sa Otto Albiez nahm für den­sel­bi­gen einen äußerst güns­ti­gen Ver­lauf. Dem Ver­bot der Dop­pel­be­stra­fung hat­te es Otto Albiez zu ver­dan­ken, dass die mit Datum vom 21. April 1949 an die Zen­tral­spruch­kam­mer Nord­ba­den gerich­te­te Ankla­ge­schrift des öffent­li­chen Klä­gers kei­ne Kon­se­quen­zen in Form eines Spruchs nach sich zog. Exakt acht Wochen spä­ter wur­de das Ver­fah­ren von der Kam­mer durch Ein­stel­lungs­be­schluss been­det. Vor­aus­ge­gan­gen war näm­lich ein Ver­fah­ren vor der Spruch­kam­mer Frei­burg, wel­che den Betrof­fe­nen mit Spruch vom 8. März 1949 in die Grup­pe der Mit­läu­fer ein­ge­stuft hat­te. Auf­grund eines Erlas­ses des Minis­te­ri­ums für poli­ti­sche Befrei­ung vom 23. Dezem­ber 1947 „wird die Ent­schei­dung der Spruch­kam­mer Frei­burg aner­kannt. Das Ver­fah­ren ist dem­ge­mäss auf Kos­ten der Staats­kas­se einzustellen.“

Der Kelch – er war an Otto Albiez dank glück­li­cher Umstän­de vor­bei­ge­gan­gen. Die Ermitt­lun­gen, wel­che par­al­lel in der fran­zö­si­schen und ame­ri­ka­ni­schen Besat­zungs­zo­ne gegen Otto Albiez im Gan­ge waren, ver­lie­fen in der Nach­kriegs­zeit noch unko­or­di­niert, was nicht nur im Fal­le von Otto Albiez dazu führ­te, dass ein Ver­fah­ren in einer bestimm­ten Zone bereits zum Abschluss gekom­men war, ohne Über­prü­fung dar­auf, ob gegen den Betrof­fe­nen ggf. in einer ande­ren Zone ein eben­sol­ches durch­ge­führt wur­de resp. vor dem Abschluss stand. Über zwei Jah­re, vom 27. Juni 1946 bis 24. August 1948, befand sich Otto Albiez im Inter­nie­rungs­la­ger Freiburg/Breisgau. Dort­hin hat­te man ihn ver­bracht, nach­dem fest­ge­stellt wor­den war, dass er nicht nur Ange­hö­ri­ger der NSDAP (seit 1. Mai 1933) gewe­sen war, son­dern auch der All­ge­mei­nen SS, der er vom 15. März 1934 bis Kriegs­en­de ange­hör­te. Zuletzt hat­te er den Rang eines Unter­sturm­füh­rers inne, den er 1938 ver­lie­hen bekom­men hat­te. Im Jahr 1937 oder 1938 hat er sich zur Mit­ar­beit im SD bereit erklärt. „Wie er jedoch angibt, habe er die­se Bereit­schaft wider­ru­fen und tat­säch­lich kei­ne Mit­ar­beit geleis­tet.“ Otto Albiez ( „In den Jah­ren vor 1933 stand ich inner­lich der Zen­trums­par­tei nahe. Ich habe nie anders als Zen­trum gewählt, auch noch am 5. März 1933“ ) war auch in ande­re Par­tei­or­ga­ni­sa­tio­nen „ver­strickt“. 1931 trat er dem VDA bei, dem NSRL und RDB jeweils im Jah­re 1934, und ab 1935 gehör­te er der NSV und dem NSRB an. Aus klei­nen länd­li­chen Ver­hält­nis­sen stam­mend, begann Otto Albiez „nach gut bestan­de­nem Abitur“ im Win­ter­se­mes­ter 1912 das Stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaf­ten an der Albert-Lud­wigs- Uni­ver­si­tät in Frei­burg. Die­ses unter­brach er im Jah­re 1914 und stell­te sich, wie tau­sen­de ande­rer sei­ner Lands­leu­te, als Kriegs­frei­wil­li­ger zur Ver­fü­gung. Sei­ne ers­te Anlauf­sta­ti­on war die Ersatz-Esk­adron beim 3. badi­schen Dra­go­ner-Regi­ment Prinz Carl Nr. 22. Von Okto­ber 1914 an war er an der West­front im Ein­satz und nahm hier­bei an diver­sen Gefech­ten und Schlach­ten teil. Im April 1917 geriet er als Teil­neh­mer der Früh­jahrs­schlacht bei Arras in Kriegs­ge­fan­gen­schaft und wur­de nach Eng­land ver­bracht. Ende 1919 kehr­te er zurück und führ­te sein Stu­di­um „unter gro­ßen wirt­schaft­li­chen Schwie­rig­kei­ten“ zu Ende. Im Herbst 1924 bestand er das Refe­ren­dar- und im Früh­jahr 1924 das Asses­sor­ex­amen, wor­auf er mit Wir­kung vom 1. Dezem­ber 1924 in den Staats­dienst über­nom­men wur­de. Als Staats­an­walt war er anschlie­ßend in Karls­ru­he und Mos­bach tätig. Vom 1. Juli 1927 an war er Amts­ge­richts­rat in Lahr/Baden, und im Juni 1929 erfolg­te sei­ne Ver­set­zung an das Amts­ge­richt Karls­ru­he. Laut eige­nem Bekun­den wur­de Otto Albiez am 22. August 1939 zur Wehr­macht ein­ge­zo­gen. Als Kom­pa­nie­chef beim Gre­na­dier-Regi­ment 109 – zuvor war Albiez zum Haupt­mann beför­dert wor­den – nahm er am „West­feld­zug“ teil und wur­de im Herbst 1940 zum Stab einer Inf.-Division ver­setzt, die in die Kämp­fe auf dem Bal­kan invol­viert war; von dort aus wur­de sei­ne Divi­si­on gen Osten kom­man­diert. An Gelenk­rheu­ma­tis­mus erkrankt, kam Otto Albiez im Herbst 1943 ins Laza­rett. Eine wei­te­re Ver­wen­dung bei der kämp­fen­den Trup­pe kam nicht mehr in Fra­ge, und so ver­rich­te­te er von 1944 bis Kriegs­en­de sei­nen Dienst als Dienst­stel­len­lei­ter der Bahn­hofs­wa­che in Karls­ru­he. Zwi­schen­zeit­lich war er zum Direk­tor des Land­ge­richts Karls­ru­he beför­dert und zum Major der Reser­ve ernannt wor­den. Ende 1944 sie­del­te die Fami­lie nach Donau­eschin­gen um, wäh­rend Otto Albiez im März 1945 erneut ein­rü­cken muss­te. Mit einer „erheb­li­chen Schä­del­ver­let­zung u. schwe­ren Gehirn­er­schüt­te­rung“ wur­de er nach Tutt­lin­gen ins dor­ti­ge Laza­rett über­wie­sen und fand im August 1945 zu sei­ner Fami­lie – mit sei­ner Frau Sybil­le hat­te er fünf Kin­der – zurück. Nahe­zu zwei Dut­zend eides­statt­li­che Erklä­run­gen sind in der Albiez´schen Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ak­te vor­han­den. Der ein­hel­li­ge Tenor: Albiez war kein schlech­ter Mensch und schon gar kein übler Nazi, allen­falls einer von der Sor­te, die man gemein­hin als zugäng­lich, jeder­zeit hilfs­be­reit und dem Regime mehr oder min­der kri­tisch gegen­über­ste­hend bezeich­net. Zahl­rei­che Erklä­run­gen stam­men von Weg­ge­nos­sen, die Albiez wäh­rend sei­ner lan­gen juris­ti­schen Tätig­keit im Staats­dienst beglei­tet haben. „Albiez war immer ein guter Kol­le­ge“ oder „Herr Albiez erfreu­te sich im Kol­le­gen­kreis wie auch ins­be­son­de­re im Kreis der Rechts­an­wäl­te in Karls­ru­he all­ge­mei­ner Beliebt­heit. Er stand auch als Rich­ter in einem guten und ange­se­he­nen Ruf. Er galt als anstän­di­ger Cha­rak­ter“ – so oder so ähn­lich lesen sich die Stel­lung­nah­men von Weg­ge­nos­sen aus frü­he­ren Tagen. In die SS soll er gar nur „unter Zwang“ ein­ge­tre­ten sein, was sich der Stel­lung­nah­me des Lei­ters der Schutz­po­li­zei, Dr. Wil­ly Hep­pes, ent­neh­men lässt. Eine Rein­wa­schung, die sich gar über gan­ze fünf Sei­ten erstreckt und ins­be­son­de­re sei­ne Mit­glied­schaft bei der SS in ein gera­de­zu mys­ti­sches Licht rückt, spen­dier­te Dr. Cle­mens Bret­zin­ger, sei­nes Zei­chens Ober­lan­des­ge­richts­rat am OLG Karls­ru­he und u.a. stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der Beru­fungs­spruch­kam­mer für den Land­ge­richts­be­zirk Karls­ru­he. „Otto Albiez sei aus Idea­lis­mus und Vor­lie­be für den Sport, ins­be­son­de­re Reit­sport, „der damals außer in KdF fast aus­schließ­lich oder vor­wie­gend in den Rei­ter­stür­men der SS gepflegt wur­de“ , der sel­bi­gen bei­getre­ten. „In sei­nem Fall bedeu­tet also der Bei­tritt zur SS wohl kaum mehr als die Zuge­hö­rig­keit zur gesell­schaft­lich vor­nehms­ten Par­tei­glie­de­rung, ohne daß sie zugleich die Über­ein­stim­mung mit den erst spä­ter her­vor­ge­tre­te­nen ver­bre­che­ri­schen oder sonst zu miß­bil­li­gen­den Zie­len der Glie­de­rung beweist.“ Eine Fort­set­zung sei­ner Kar­rie­re im Jus­tiz­dienst folg­te von 1950 bis 1961. Der inzwi­schen 56-jäh­ri­ge „Mit­läu­fer“ über­nahm sei­nen „alten“ Pos­ten als Direk­tor des Karls­ru­her Land­ge­richts. Sei­nen Ruhe­stand durf­te der Pen­sio­när bis zum 13. April 1980 genie­ßen, dann schloss der 86-jäh­ri­ge für immer die Augen. 

Adolf Murr

geb. am 08.06.1891 in Karls­ru­he-Hags­feld — gest. am 16.03.1953 in Karlsruhe 

Sei­ne beruf­li­che Exis­tenz stand auf dem Spiel, nach­dem man Adolf Murr unmiss­ver­ständ­lich zu ver­ste­hen gege­ben hat­te, der Par­tei bei­zu­tre­ten. Im Jahr 1938 war es, als sich Adolf Murr dazu ent­schloss, dem Ansin­nen der NS-Orts­grup­pe nach­zu­ge­ben und den Schritt zu voll­zie­hen, „wobei rück­wir­ken­de Bei­trags­zah­lung, soweit ich mich erin­ne­re, ab 1. Mai 1937 gefor­dert wur­de.“ Der gelern­te Buch­dru­cker, der auch Inha­ber einer Papier­wa­ren­hand­lung war, führ­te einen Betrieb, der „von jeher auf die Bedürf­nis­se der Bür­ger­meis­ter­äm­ter ein­ge­stellt“ war, „und ich erziel­te den gröss­ten Teil mei­nes Absat­zes mit der Belie­fe­rung der badi­schen Land­ge­mein­den mit Papier- und Schreib­wa­ren sowie mit Vor­dru­cken.“ Außer der NSDAP gehör­te Adolf Murr noch dem R. Luft­schutz­bund an, doch das war nur eine Rand­no­tiz, die im Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ver­fah­ren gegen den nahe­zu 60-Jäh­ri­gen nicht ent­schei­dend ins Gewicht fiel. Die­ses voll­zog sich im unte­ren Rah­men des­sen, was einem „gewöhn­li­chen“ NSDAP-Mit­glied in jener Zeit wider­fuhr. Per „Süh­ne­be­scheid“ mit Datum vom 12. April 1947 wur­de Adolf Murr in die Grup­pe der Mit­läu­fer ein­ge­reiht und gegen ihn eine Süh­neleis­tung – so hieß das damals – in Höhe von 1500,- RM fest­ge­setzt. Womit für Adolf Murr die lei­di­ge Ange­le­gen­heit aus der Welt geschafft war, denn Rechts­mit­tel ein­zu­le­gen gegen die­sen Bescheid kam Adolf Murr nicht in den Sinn, zumal er mit einer ähn­li­chen „Bestra­fung“ gerech­net hatte.

 
1905, nach dem Besuch der Grund­schu­le in Hags­feld, war Adolf Murr zur Städ­ti­schen Han­dels­schu­le nach Karls­ru­he gewech­selt und hat­te dort im April des Jah­res 1908 sei­ne Prü­fung mit der Note „sehr gut“ bestan­den. Im Mai 1910 trat er dem KFV bei. Im ers­ten Welt­krieg nahm er am Frank­reich-Feld­zug teil, über sei­ne beruf­li­chen Akti­vi­tä­ten danach fin­den sich in der im GLA vor­han­de­nen Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ak­te kei­ne Erkennt­nis­se. Seit 1928 war er Inha­ber eines Han­dels­ge­schäf­tes in Papier­wa­ren und Dru­cke­rei, wel­ches er in der Fol­ge­zeit zu einem gut funk­tio­nie­ren­den Klein­un­ter­neh­men wei­ter­ent­wi­ckel­te. In sei­ner schrift­li­chen Ein­las­sung gegen­über der Spruch­kam­mer gab er an, von der Gau­lei­tung dazu auf­ge­for­dert wor­den zu sein, der Par­tei bei­zu­tre­ten, ansons­ten habe er sich poli­tisch nicht betä­tigt. Selbst als Hit­ler 1936 nach einer Ver­samm­lung an sei­nem Haus vor­bei­ge­fah­ren sei, sei er „noch nicht ein­mal ans Fens­ter gegangen.“
 
Im Okto­ber 1944 habe er sich nach einer abfäl­li­gen poli­ti­schen Bemer­kung gegen­über einem Sol­da­ten der Wehr­macht in die Nähe der Schwei­zer Gren­ze bege­ben, „mit der Absicht, in die Schweiz zu flüch­ten, wenn not­wen­dig.“ Die­sen Schritt, so gab er wei­ter an, habe er dann auch voll­zo­gen und sei im Juli 1945 – inzwi­schen 54-jäh­rig – wie­der zurück­ge­kehrt. Ob Adolf Murr, wenn auch nur vor­über­ge­hend, als 1. Vor­sit­zen­der des KFV amtier­te, lässt sich nicht abschlie­ßend beur­tei­len. Wäh­rend die Fest­schrift zum 90-jäh­ri­gen Jubi­lä­um Adolf Murr nicht als Vor­sit­zen­den des KFV aus­weist , benennt die von Dr. Ruzek ver­fass­te Fest­schrift zum 70-jäh­ri­gen Jubi­lä­um Adolf Murr als Ers­ten Vor­sit­zen­den des Ver­eins im Zeit­raum „zwi­schen den bei­den Welt­krie­gen und im 2. Welt­krieg“. Nahe­lie­gend ist, dass Adolf Murr, der 1943/44 noch als stell­ver­tre­ten­der Ver­eins­füh­rer gelis­tet war, zwar nicht de jure – also durch Mit­glie­der­ent­scheid – die­ses Amt aus­üb­te, son­dern nur de fac­to, dies aber nicht sehr lan­ge, da sich Murr seit Okto­ber 1944 bis Kriegs­en­de – sie­he oben – nicht mehr in Karls­ru­he auf­ge­hal­ten hat. 1946/47 war er Vor­stands­bei­sit­zer sowie 1947/48 erneut 2. Vor­sit­zen­der des Vereins.
 

Dr. jur. Joseph Ruzek

geb. am 30.September 1901 in Karls­ru­he — gest. am 22.Dezember 1975 in Karlsruhe

„Sei­ne Hal­tung nach 1933 war die eines Intel­lek­tu­el­len, der ver­sagt hat.“ Mit die­ser ein­deu­ti­gen Stel­lung­nah­me des Betriebs­rats der Baden­werk A.G. in Karls­ru­he, wird die Per­son Joseph Ruzek zwar nicht all­um­fäng­lich, doch zutref­fend beschrie­ben. Denn Joseph Ruzek, der in Hei­del­berg, Ber­lin und Frei­burg Rechts­wis­sen­schaf­ten stu­diert und im Dezem­ber 1932 mit der Note „sehr gut“ pro­mo­viert hat­te, war von Kopf bis Fuß ein über­zeug­ter Natio­nal­so­zia­list, des­sen Über­zeu­gung zwar nicht von Anbe­ginn an eine kom­pro­miss­lo­se war, dafür aber seit sei­nem Par­tei­bei­tritt am 1. Mai 1937. Dies bele­gen zahl­rei­che Doku­men­te, die in sei­ner Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ak­te ent­hal­ten sind. Dia­me­tral hier­zu lesen sich die Ein­las­sun­gen, die von Ruzek selbst vor­ge­nom­men wur­den. Stets habe er, der Rechts­an­walt, sich als Hel­fer im Kamp­fe gegen Unrecht sei­tens der Par­tei und nazis­ti­sche Will­kür gese­hen und habe dem Natio­nal­so­zia­lis­mus immer dort, wo es zweck­mä­ßig erschien, „Wider­part gebo­ten.“ Eine Schutz­be­haup­tung? Ganz klar, denn Joseph Ruzek, der von 1934 bis 1936 auch Mit­glied der SA, zuletzt im Ran­ge eines Sturm­manns, gewe­sen war, hat­te stets sein eige­nes Vor­wärts­kom­men im Sinn, obwohl die eidesstattlichen 

Erklä­run­gen, wel­che zu sei­nen Guns­ten abge­ge­ben wur­den, vor­der­grün­dig das Gegen­teil bele­gen. Herr Dr. Ruzek sei „bei den Par­tei­ge­nos­sen bezw. bei der SA nicht nur nicht als Natio­nal­so­zia­list aner­kannt“ gewe­sen, son­dern sei als deren Geg­ner betrach­tet wor­den.“ Als Geg­ner? Oder gar „Gegen­spie­ler“ der Nazis, wie sich Joseph Ruzek nach dem Krieg selbst bezeich­ne­te? Die­se hat man damals für gewöhn­lich ins KZ gesteckt oder sich derer auf ande­re Art und Wei­se ent­le­digt. Eine Geg­ner­schaft, zumin­dest eine im enge­ren Sin­ne, hät­te auf alle Fäl­le auch zu einem Berufs­ver­bot geführt. Doch bei Joseph Ruzek – nichts der­glei­chen. Nach sei­nem Asses­sor-Examen, das er im Früh­jahr 1929 „als 1. mit sehr gut“ bestan­den hat­te, arbei­te­te er zunächst als selb­stän­di­ger Rechts­an­walt und stand ab 1. Febru­ar 1931 in Diens­ten des Baden­werks in Karls­ru­he. Bis 1933 war er Per­so­nal­chef, wo ihn die Beleg­schaft nicht ger­ne sah. „Wenn auch die Beur­tei­lung eines Per­so­nal­chefs durch die Ange­hö­ri­gen eines Betrie­bes immer eine pro­ble­ma­ti­sche Sache sein wird: die Ein­mü­tig­keit der gan­zen Beleg­schaft in der Ableh­nung des Herrn Ruzek als sol­chen, gibt der­sel­ben immer­hin ein bedeu­ten­des Gewicht.“ 

Als es dar­um ging, das „Gesetz zur Wie­der­her­stel­lung des Berufs­be­am­ten­tums“, das am 7. April 1933 in Kraft getre­ten war, in die Pra­xis umzu­set­zen, tat sich Joseph Ruzek, der sei­ne Stel­lung als Per­so­nal­chef in Abre­de gestellt und sich selbst als „Per­so­nal­sach­be­ar­bei­ter“ bezeich­net hat , in beson­de­rer Wei­se her­vor. Inter­es­sen­kon­flik­te waren für den damals 31-jäh­ri­gen, der nach eige­nem Bekun­den „als ein­zi­ger Jurist des Wer­kes“ dort tätig gewe­sen war, nicht aus­zu­ma­chen. Die von ihm bezeich­ne­te „Säu­be­rung“ des Wer­kes von par­tei­feind­li­chen Ele­men­ten sei sei­ne urei­gens­te Auf­ga­be gewe­sen. „Ich habe mehr getan, als ich tun muß­te, aber nicht, um mir ein rotes oder brau­nes Röck­chen zu ver­die­nen, son­dern um den unge­recht beschul­dig­ten Arbeits­ka­me­ra­den zu hel­fen. Ich habe näm­lich dar­auf gedrun­gen, daß die Beschul­dig­ten ein­ge­hend gehört, die Belas­tungs­zeu­gen ihnen gegen­über­ge­stellt wer­den und daß ich in Ver­neh­mun­gen erfah­re­ner Jurist hier­bei anwe­send bin. Auch habe ich durch geeig­ne­te Fra­gen die Ent­las­tungs­mo­men­te her­aus­ge­ar­bei­tet.“ Mit Datum vom 3. Janu­ar 1947 erhob der öffent­li­che Klä­ger bei der Spruch­kam­mer Karls­ru­he Kla­ge gegen den Betrof­fe­nen mit dem Antrag, Joseph Ruzek in die Grup­pe der Min­der­be­las­te­ten ein­zu­rei­hen. Die­ser ver­stand es, durch zahl­rei­che ent­las­ten­de Stel­lung­nah­men Drit­ter das Bild von einem über­zeug­ten Natio­nal­so­zia­lis­ten zumin­dest ein Stück weit zu ent­kräf­ten, was dazu führ­te, dass ihn die Kam­mer mit Spruch vom 13. Febru­ar 1947 in die Grup­pe der Mit­läu­fer ein­reih­te und ihm auf­er­leg­te, einen Betrag in Höhe von 1000,- RM an einen Wie­der­gut­ma­chungs­fonds zu ent­rich­ten. Zur Begrün­dung führ­te die Spruch­kam­mer aus, der Betrof­fe­ne sei in der Öffent­lich­keit nicht als akti­ver Natio­nal­so­zia­list in Erschei­nung getre­ten und habe die Gewalt­herr­schaft des Regimes nur unwe­sent­lich unter­stützt, was durch meh­re­re Zeu­gen erwie­sen sei. Dif­fe­ren­zen mit den „Par­tei­grö­ßen“ Robert Wag­ner und Wal­ter Köh­ler – Wag­ner hat­te ihn in den Jah­ren 1931 und 1932 im Füh­rer als „Schwar­zen Groß­ver­die­ner“ bezich­tigt, Letz­te­rer habe ihn 1934 wegen poli­ti­scher Unzu­ver­läs­sig­keit als stell­ver­tre­ten­den Betriebs­füh­rer abge­setzt – lie­ßen den Schluss zu, dass Ruzek „mit der Par­tei nicht eng ver­bun­den war“ . Zudem sei sein 1936 erklär­ter Aus­tritt aus der SA als „Wider­stands­leis­tung gegen die Zie­le des Natio­nal­so­zia­lis­mus“ zu betrach­ten. Dass ein Gericht sich einer sol­chen Argu­men­ta­ti­on beflei­ßigt, mag nur damit zu erklä­ren sein, dass man die his­to­ri­schen Zusam­men­hän­ge nicht rich­tig gewür­digt hat oder gar bewusst einen fal­schen Zusam­men­hang her­stel­len wollte. 

Fakt ist, dass die SA im Jah­re 1936 schon längst ihre füh­ren­de Stel­lung inner­halb der Par­tei ein­ge­büßt hat­te und nur noch auf dem Papier exis­tier­te. Dif­fe­ren­zen mit dem Gau­lei­ter lan­ge vor der „Macht­er­grei­fung“ sind nicht dazu geeig­net, die poli­ti­sche Ein­stel­lung Ruzeks in den Jah­ren 1933 ff. offen­zu­le­gen, was eben­so auf das Zer­würf­nis mit dem Minis­ter­prä­si­den­ten, des­sen Stel­lung nur vor­der­grün­dig eine her­aus­ra­gen­de war, zutrifft. Lan­ge als der Krieg zu Ende war, warf man Joseph Ruzek, der es bis zu sei­ner Pen­sio­nie­rung im Jah­re 1967 als Direk­tor der Baden­werk AG in Karls­ru­he gebracht hat­te, noch das Bun­des­ver­dienst­kreuz 1. Klas­se hin­ter­her. Zahl­rei­che Wirt­schafts­ver­bän­de stan­den dem Vor­schlag des Regie­rungs­prä­si­di­ums Nord­ba­den posi­tiv gegen­über: Indus­trie- und Han­dels­kam­mer Karls­ru­he, der Süd­deut­sche Was­ser­wirt­schafts­ver­band, die Ver­ei­ni­gung Deut­scher Elek­tri­zi­täts­wer­ke und selbst der dama­li­ge Ober­bür­ger­meis­ter der Stadt Karls­ru­he, Gün­ther Klotz. Joseph Ruzek war 1919 als Abitu­ri­ent dem KFV bei­getre­ten und stell­te sich bereits als jun­ger Refe­ren­dar dem Ver­ein in der Ver­wal­tung zur Ver­fü­gung. Zeit­le­bens fühl­te er sich mit dem KFV eng ver­bun­den. „Durch sei­nen Idea­lis­mus, durch sei­ne Lie­be zum KFV ist er, sowohl den alten als auch den jun­gen Mit­glie­dern, zum leuch­ten­den Vor­bild gewor­den“ heißt es im Fest­buch zum 90-jäh­ri­gen Jubi­lä­um. Er erhielt die sil­ber­ne und gol­de­ne Ehren­na­del des Ver­eins, wel­cher ihn auch zum Ehren­vor­sit­zen­den ernann­te. Vom Badi­schen Fuß­ball­ver­band gab es die Ehren­na­deln in Bron­ze, Sil­ber und Gold. 

Fritz Lan­ger

geb. am 9.09.1878 in Schloß­au — gest. am 24.02.1942 in Karlsruhe 

Am 24. Febru­ar 1942 ver­starb der Mit­be­grün­der des Karls­ru­her Fuß­ball­ver­eins, Fritz Lan­ger, in sei­ner Wahl­hei­mat Karls­ru­he. Mit ihm wur­de ein „alter, ver­dien­ter Pio­nier des deut­schen Fuß­ball­spor­tes“ zu Gra­be getra­gen. Im August 1941 hat­te er sich einer „schwe­ren Magen­ope­ra­ti­on“ unter­zie­hen müs­sen, von der er sich nur vor­über­ge­hend erholt hat­te. „Mit eiser­ner Ener­gie, die ihn immer aus­zeich­ne­te, kämpf­te er von dort an um sei­ne Wie­der­ge­sun­dung, ging unter Auf­wen­dung aller Wil­lens­kraft wie­der sei­nem Beruf nach – Fritz Lan­ger war bei den Städ­ti­schen Wer­ken in Karls­ru­he als Stadt­bau­di­rek­tor tätig – , erkrank­te erneut und muß­te sich nun doch dem tücki­schen Lei­den beugen.“

Schon als Halb­wüch­si­ger hat­te sich Fritz Lan­ger von der Fuß­ball­be­geis­te­rung anste­cken las­sen, die in der badi­schen Metro­po­le mehr und mehr um sich griff. Er gehör­te zu jener Mann­schaft des KFV, die im März 1892 ihr ers­tes Fuß­ball­spiel gegen die inner­ört­li­che Kon­kur­renz vom „Inter­na­tio­na­len Foot­ball­club Karls­ru­he“ aus­trug und die­ses mit 0–1 ver­lor. Nicht wei­ter tra­gisch, denn alles steck­te noch in den Kin­der­schu­hen, und eine Bla­ma­ge blieb dem jun­gen Ver­ein ja immer­hin erspart. Fritz Lan­ger kick­te noch eine gerau­me Zeit in der „Ers­ten“, bevor er 1903 den Vor­sitz des Ver­eins über­nahm. Sei­ne ers­te Amts­zeit dau­er­te bis 1905, die zwei­te begann 1908 und ende­te 1911 – in die­sem Zeit­raum wur­de der Ver­ein deut­scher Meis­ter – , und als Nach­fol­ger sei­nes Vor­gän­gers Her­mann Rupp amtier­te Fritz Lan­ger von 1912 bis 1913 ein drit­tes Mal in die­ser Funk­ti­on. Par­al­lel hier­zu sah man Fritz Lan­ger von 1907 bis 1912 als Kreis­vor­sit­zen­der des Süd­krei­ses, einen von vier Krei­sen, in die der Ver­band Süd­deut­scher Fuß­ball – Ver­ei­ne damals unter­glie­dert war.

Auch als Schieds­rich­ter stell­te er sich dem Ver­ein zur Ver­fü­gung, um dann noch­mals im kri­sen­ge­schüt­tel­ten Zeit­raum 1922–23 den Vor­sitz zu über­neh­men. Für sein Wir­ken im und für den Ver­ein wur­de er in der Fol­ge­zeit zum Ehren­mit­glied und Prä­si­den­ten auf Lebens­zeit ernannt. 1931 wur­de ihm die gro­ße Ehren­na­del des Süd­deut­schen Fuß­ball- und Leicht­ath­le­tik-Ver­ban­des ver­lie­hen. Im sel­ben Jahr stand er dem Ver­ein ein fünf­tes Mal als 1. Vor­sit­zen­der vor. Zunächst bis 1932, dann erneut von 1934 bis 1936 und schließ­lich von 1940 bis 1942. Unter sei­ner Ägi­de erreich­te der KFV im Spiel­jahr 1935/36 mit Platz drei die bes­te Gau­li­ga­plat­zie­rung. Von der Bean­tra­gung eines „Unbe­denk­lich­keits­zeug­nis­ses“ für sei­ne Wie­der­wahl im Sep­tem­ber 1935 ist bekannt, dass er NSDAP-Par­tei­mit­glied (Nr. 3463463) war. Nach der Mit­glieds­num­mer ist Lan­ger ver­mut­lich 1933 in die NSDAP ein­ge­tre­ten. Da Lan­ger bereits 1942 ver­starb, liegt von ihm kei­ne Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ak­te vor.

 

Dr. Otto Figlestahler

geb. 24.03.1898 in Karls­ru­he — gest. 31.08.1973 in Iffezheim

Sein Wir­ken für den Karls­ru­her FV war nur ein kurz­zei­ti­ges. Im Juli 1933 über­nahm Otto Figle­stah­ler beim Karls­ru­her FV das Amt des Stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­den, das er für die Dau­er eines Jah­res inne­hat­te. Zusam­men mit Otto Albiez stand „Otto II“ an der Spit­ze des ruhm­rei­chen Karls­ru­her FV zu jener Zeit, als die Aus­wir­kun­gen der poli­ti­schen Umwäl­zung in Deutsch­land am hef­tigs­ten spür­bar waren, und zusam­men mit die­sem trat Otto Figle­stah­ler – wie Albiez eben­falls dem Juris­ten­stand ange­hö­rig – 1934 ins zwei­te Glied zurück. Bis zur Macht­über­nah­me war Otto Figle­stah­ler Mit­glied der Deut­schen Volks­par­tei. Im Jah­re 1935 erfolg­te sein Ein­tritt in die NSDAP, „sei­ne Mit­glieds­kar­te erhielt er mit Datum rück­wir­kend auf 1.5.1933.“ Dem NS-Rechts­wah­rer­bund gehör­te er seit 1934 an.

 

In zahl­rei­chen Schrift­sät­zen legt Figle­stah­ler dar, dass er die NS-Ideo­lo­gie nicht nur nicht gebil­ligt, son­dern die­se auch aktiv bekämpft habe. Die von ihm genann­ten Ent­las­tungs­zeu­gen bekun­den, soweit sie in des­sen beruf­li­chen Wer­de­gang ein­ge­bun­den waren, Figle­stah­ler sei zum Ein­tritt in die Par­tei gezwun­gen wor­den, um sei­ne Posi­ti­on als Ver­trau­ens­an­walt der Reichs­bahn­di­rek­ti­on Karls­ru­he nicht zu gefähr­den. Nach eige­ner Ein­las­sung sei er kein über­zeug­ter Anhän­ger des Natio­nal­so­zia­lis­mus, ins­be­son­de­re sei­ner Ras­sen­leh­re, gewe­sen. Sei­ne Mit­glied­schaft sei nur eine „rein for­mel­le“ gewe­sen. In sei­ner Eigen­schaft als Rechts­an­walt habe er sich stets von den heh­ren Grund­sät­zen sei­nes Berufs­stan­des lei­ten las­sen und sich auch für die Belan­ge jüdi­scher Mit­bür­ger ein­ge­setzt. Durch akti­ve Teil­nah­me an ver­schie­de­nen Wider­stands­be­we­gun­gen habe er sei­nen Wider­stands­wil­len ernst­haft bekun­det und sich dadurch gesund­heit­li­che Pro­ble­me zuge­zo­gen: „Wegen mei­ner Unter­stüt­zung von Wider­stands­be­we­gun­gen habe ich see­li­sche Belas­tungs­pro­ben unge­heu­er­li­chen Aus­ma­ßes in Form von Auf­re­gun­gen aller Art über mich erge­hen las­sen müs­sen. Wäh­rend die­ser Zeit bin ich durch alle mög­li­chen Hiobs­bot­schaf­ten von einer Angst in die ande­re, von einem Schre­cken in den ande­ren gejagt wor­den. In mir wuchs immer mehr die Erkennt­nis, dass der natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Staat kein Recht zu schaf­fen ver­moch­te, weil er selbst auf hoch­ver­rä­te­ri­scher und ver­bre­che­ri­scher Grund­la­ge beruh­te, und dass infol­ge­des­sen der offen und ver­steckt geführ­te Kampf gegen ihn, so auf­rei­bend er auch war, ein erlaub­tes und gebo­te­nes Mit­tel zur Besei­ti­gung der Gewalt­herr­schaft sein muss­te.“ Mit Datum vom 21. August 1946 erhob der öffent­li­che Klä­ger vor der Spruch­kam­mer Karls­ru­he Kla­ge mit dem Antrag, den Betrof­fe­nen in die Grup­pe 3 ein­zu­rei­hen. Die Spruch­kam­mer Karls­ru­he stuf­te ihn mit Spruch vom 12. Sep­tem­ber 1946 als „ent­las­tet“ ein und begrün­de­te dies damit, der Betrof­fe­ne habe, trotz sei­ner for­mel­len Mit­glied­schaft in der NSDAP, „son­dern nach dem Mass sei­ner Kräf­te aktiv Wider­stand gegen die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Gewalt­herr­schaft geleis­tet“, was durch eine Rei­he schrift­li­cher Zeug­nis­se von maß­ge­ben­den und glaub­wür­di­gen Per­so­nen“ eben­so erwie­sen sei wie die Tat­sa­che, „dass er dadurch Nach­tei­le erlit­ten hat.“ Nach Kriegs­en­de geriet Otto Figle­stah­ler, der zuletzt als Ver­bin­dungs­of­fi­zier der Hee­res­grup­pe Süd in Wien sta­tio­niert war , in die Fän­ge der US-Armee und war bis 10. Juni 1945 im Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­ger Mau­er­kir­chen inter­niert. Sei­ne poli­ti­sche Hei­mat fand er ab 1. Okto­ber 1945 in der neu­ge­grün­de­ten CDU, deren Inter­es­sen er von 1956 bis 1973 im Karls­ru­her Kom­mu­nal­par­la­ment ver­trat. Ende der 1950er Jah­re sah sich Otto Figle­stah­ler in sei­ner Eigen­schaft als Kon­kurs­ver­wal­ter mit einem Ermitt­lungs­ver­fah­ren wegen Untreue kon­fron­tiert, das jedoch ein­ge­stellt wur­de. Ein dar­auf­hin ange­streng­tes Kla­ge­er­zwin­gungs­ver­fah­ren vor dem OLG Karls­ru­he gem. § 172 StPO wur­de vom 1. Straf­se­nat des OLG Karls­ru­he mit Datum vom 26. Juni 1959 als unbe­grün­det ver­wor­fen. Im April 1960 stell­te die Staats­an­walt­schaft beim OLG Karls­ru­he ein ehren­ge­richt­li­ches Ermitt­lungs­ver­fah­ren ein. 

Rudolf Appen­zel­ler (geb. 23. Sep­tem­ber 1899 in Frei­burg) war Syn­di­kus / Wirt­schafts­ju­rist bei der Karls­ru­her Par­fü­me­rie- und Toi­let­ten­sei­fen­fa­brik Wolff & Sohn GmbH. Zu ihm war kei­ne Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ak­te in Karls­ru­he zu fin­den (die­se liegt ver­mut­lich in Freiburg).

Zu Karl Dani­el Huber (geb. 29. 11. 1882 in Lahr) sind kei­ne wei­te­ren Infor­ma­tio­nen bekannt. Er war Rech­nungs­in­spek­tor und Ober­rech­nungs­rat in Karls­ru­he und trat im Mai 1906 dem KFV bei. In den 1920er Jah­ren war er Vor­sit­zen­der des süd­west­deut­schen Ver­ban­des für Leicht­ath­le­tik und Vor­sit­zen­der des badi­schen Leicht­ath­le­tik­ver­ban­des. 1921 wur­de er zum KFV-Ehren­mit­glied ernannt.

Hans Wei­ge­le, Inha­ber der Hof-Apo­the­ke in der Kai­ser­stra­ße, ver­starb bereits vor Kriegs­en­de. Zu ihm ließ sich nichts Nähe­res aus­fin­dig machen.

Hans Plesch (1890–1943) stand nie an der Spit­ze des KFV und gehört damit nicht in die Rei­he der zuvor behan­del­ten Per­so­nen. Plesch war jedoch bis 1937 Obmann für die badi­sche Gau­li­ga und agier­te als Ver­bin­dungs­mann zwi­schen den Ver­ei­nen und der Gau­fach­amts­lei­tung. Plesch arbei­te­te in der Ober­post­di­rek­ti­on, war kein akti­ver Sport­ler, fühl­te sich jedoch dem Sport hin­ge­zo­gen, da sein Groß­va­ter einer der Grün­dungs­mit­glie­der des KFV war. Plesch war ab 1933 Mit­glied des KFV-Spor­tau­schus­ses und soge­nann­ter Diet­wart. Das Amt des Diet­wart wur­de ver­pflich­tend ein­ge­führt. Plesch, als Diet­wart des KFV, hat­te dem­ge­mäß den Auf­trag die Sport­ler im natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Sin­ne zu schu­len und die Gesin­nung aus Sicht des Obrig­keits­staa­tes auf Basis von Par­tei­pro­pa­gan­da zu ver­brei­ten. Der aus Mann­heim stam­men­de Plesch war NSDAP- und SA-Mit­glied und wur­de 1936 zum Ehren­mit­glied des KFV ernannt. 1943 starb er an einem Nie­ren­lei­den im Karls­ru­her Vin­cen­ti­us-Kran­ken­haus, nach­dem er zuvor bereits ernst­haft erkrankt von einer Abkom­man­die­rung aus Nor­we­gen zurückkehrte. 

Ein­satz von Plesch als Diet­wart (1935), Quel­le: KFV.
Ein­la­dungs­kar­te an die Mit­glie­der des “Füh­rer­rats”. Quel­le: KFV.
Das Manage­ment der finan­zi­el­len Situa­ti­on des KFV war schon immer ein schwie­ri­ges Unter­fan­gen. Vie­le Pri­vat­spen­den hal­fen dem Ver­ein oft­mals aus der Kri­se. Quel­le: KFV.
Inter­nes Papier zur Haupt­ver­samm­lung 1939 „Es kann dem […] Ver­eins­füh­rer geglaubt wer­den, daß er durch die Tat­sa­che des Auf­tre­tens einer Oppo­si­ti­on gegen ihn etwas ver­är­gert war“. Quel­le: Stadt­ar­chiv Karlsruhe. 
Alles was nicht kriegs­wich­tig war, wur­de unter­sagt. So auch die KFV-Zeit­schrift. Das ist der Grund, war­um aus die­ser Zeit so weni­ge Zeit­schrif­ten über­lie­fert sind. Quel­le: KFV.
Lis­te der KFV-Ver­ant­wort­li­chen 1943/44.
Brief zum Rück­tritt von Kün­kel. Quel­le: KFV-Archiv.
Otto Albiez, Quel­le: Andre­as Ebner.
Murr in den 1950er Jahren.
Mit­glieds­kar­tei­kar­te von Adolf Murr aus den frü­hen Nach­kriegs­be­stän­den des KFV. Quel­le: KFV-Archiv.
Dr. Josef Ruzek als Direktor des Badenwerks (links im Bild) der von Ministerpräsident Hans Georg Filbinger (in der Mitte des Bildes) im Dezember 1967 in den Ruhestand verabschiedet wurde. Angesichts der politischen Vorgeschichte von Ruzek und Filbinger, ein weniger schmeichelhaftes Zeitzeugnis der Bundesrepublik. Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe.
Dr. Josef Ruzek als Direk­tor des Baden­werks (links im Bild) der von Minis­ter­prä­si­dent Hans Georg Fil­bin­ger (in der Mit­te des Bil­des) im Dezem­ber 1967 in den Ruhe­stand ver­ab­schie­det wur­de. Ange­sichts der poli­ti­schen Vor­ge­schich­te von Ruzek und Fil­bin­ger, ein weni­ger schmei­chel­haf­tes Zeit­zeug­nis der Bun­des­re­pu­blik. Quel­le: Stadt­ar­chiv Karlsruhe.

Resü­mee

Wie ist die Rol­le des KFV im Drit­ten Reich zu bewer­ten? Ein über­zeug­ter Anti­se­mi­tis­mus gehör­te wohl nicht zur Geis­tes­hal­tung der KFV-Ver­ant­wort­li­chen. Leicht­ath­let Zeis bezeich­ne­te die KFV-Ver­ant­wort­li­chen als „Cli­que [die] „frech und unver­schämt“ ihren frü­he­ren libe­ra­lis­ti­schen Metho­den von Abstim­mung und Mehr­heit ‚hul­di­gen‘ darf, weil man ja sonst kei­ne Mög­lich­keit mehr dazu hat“. Eine oppor­tu­nis­ti­sche Anpas­sung an die neue Situa­ti­on fand den­noch auch beim KFV statt: Jeder KFV-Vor­sit­zen­de, der wäh­rend des Drit­ten Reichs an der Spit­ze der Ver­eins­füh­rung stand, wur­de 1933 oder danach Mit­glied der NSDAP und wur­de im Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ver­fah­ren als „Mit­läu­fer“ ein­ge­stuft. Die Wider­sprüch­lich­keit im Ver­hal­ten der agie­ren­den Per­so­nen macht eine pau­scha­le Bewer­tung, im Sin­ne eines umfas­sen­den Urteils, wel­ches den Ver­ein als Gan­zes betrifft, schwie­rig. Durch­aus gab es im Ver­ein beken­nen­de Natio­nal­so­zia­lis­ten, wie den KFV-Leicht­ath­le­ten Zeis, der den Ver­ein an sei­ne „natio­nal­po­li­ti­sche Auf­ga­be“ erin­ner­te und eine War­nung an jene „unbrauch­ba­re Gestal­ten“ äußer­te, die sich dem nicht fügen wol­len und von denen der Ver­ein „gesäu­bert“ wer­den soll­te sowie SA-Mann Plesch, der im deut­schen Kriegs­wahn 1943 starb. Auf der ande­ren Sei­te hal­fen Men­schen wie der KFV-Natio­nal­spie­ler Lorenz Huber cou­ra­giert der Fami­lie den Natio­nal­spie­lers Hirsch: Durch ihn konn­te Juli­us Hirsch wei­ter­hin als Zuschau­er die Spie­le des KFV besu­chen. Kann man dies als Wohl­tat eines Ein­zel­nen, der ihm heim­lich Zugang zum Sta­di­on ver­schafft hat­te wer­ten? Jeder­mann kann­te natür­lich den Natio­nal­spie­ler Juli­us Hirsch. Im „Gehei­men” konn­te er nicht auf dem Sport­platz gewe­sen sein. Gleich­zei­tig wur­de er jedoch teil­wei­se von sei­nen alten Kame­ra­den geschnit­ten und konn­te nur durch einen Sei­ten­ein­gang das Sta­di­on betre­ten. Viel­leicht kann aber eine Bewer­tung nicht an dem Ver­hal­ten gegen­über eines pro­mi­nen­ten Meis­ter­spie­lers wie Hirsch fest­ge­macht wer­den, wie fol­gen­des Bei­spiel zeigt: Georg Bött­ger, Spiel­aus­schuss­vor­sit­zen­der des KFV 1933/34 bot dem Alt­in­ter­na­tio­na­len Hirsch aus Sym­pa­thie her­aus die Flucht aus Deutsch­land mit­tels eines ver­sie­gel­ten Kurier­wa­gens in die Schweiz an (Bött­ger war Lei­ter des Post­scheckam­tes), war selbst jedoch ein „gro­ßer Nazi“, wie Toch­ter Esther Hirsch in ihren Erin­ne­run­gen schrift­lich fest­ge­hal­ten hat und sicher­lich kei­ne mora­li­sche Instanz. Was wis­sen wir sonst über den Ver­ein? Der Brief­wech­sel zwi­schen dem KFV und den (Sport-)Behörden zeigt: Der KFV war kein NS-Vor­zei­ge­ver­ein. Das Ver­hält­nis zu den NS-Sport­be­hör­den war in der zwei­ten Hälf­te der 1930er Jah­re ange­spannt, da der Ver­ein den Anfra­gen der Obrig­kei­ten nur zöger­lich nach­kam und sich zuwei­len nicht kon­form ver­hielt, was man jedoch nicht vor­schnell als pas­si­ven Wider­stand wer­ten soll­te, da eine poli­ti­sche Moti­va­ti­on des KFV weder nach­ge­wie­sen noch wider­legt wer­den kann. Das Unter­las­sen des „Deut­schen Gru­ßes“ durch den KFV bei einem Freund­schafts­spiel in Frank­reich ist laut Zeit­zeu­gen­be­fra­gung auf wirt­schaft­lich-oppor­tu­nis­ti­sche Grün­de zurück­zu­füh­ren. Bei Aus­füh­rung des Gru­ßes hät­ten die Karls­ru­her kei­ne Antritts­ga­ge erhal­ten, also unter­ließ man ihn. Das war kei­nes­wegs ein sym­bo­li­scher Akt des Wider­stands, kann aber gleich­wohl kein Indiz dafür sein, dass die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Ideo­lo­gie die letz­te Wahr­heit der KFV-Ver­ant­wort­li­chen war. Karl Kün­kel wur­de nach sei­ner Wahl zum KFV-Vor­stand von den Behör­den zunächst abge­lehnt, trotz Par­tei­mit­glied­schaft. In den Fol­ge­jah­ren ver­such­te sich der KFV den Behör­den stär­ker anzu­bie­dern. Die Außen­dar­stel­lung des KFV (u. a. Ver­eins­zei­tung, Aus­tra­gung von Spie­len) erfolg­te mit Aus­nah­me des Vor­falls in Frank­reich und gele­gent­li­cher Spie­ler- und Zuschau­er­ent­glei­sun­gen, stets im Sin­ne der Behör­den. Leo­pold, Max und Wal­ter Ran­sen­berg, die wäh­rend des Drit­ten Reichs auf­grund ihrer jüdi­schen Eltern bzw. Groß­el­tern ver­folgt wur­den und auch beim KFV als akti­ve Sport­ler aus­ge­schlos­sen waren (statt­des­sen waren sie beim jüdi­schen Turn­club Karls­ru­he aktiv), schlos­sen sich nach 1945 wie­der dem KFV an, wo sie in Vor­stand­schaft und Alt­her­ren­mann­schaft enga­giert waren. Max Ran­sen­berg wur­de zum ers­ten Vor­sit­zen­den gewählt und in Leo­pold Ran­sen­bergs Lokal begann die KFV-Gemein­de vie­le gemein­sa­me Fei­ern. Noch im Jah­re 2000 lei­te­te Wal­ter Ran­sen­berg auf der KFV-Jah­res­haupt­ver­samm­lung als Alters­prä­si­dent die Wah­len. Man mag ver­mu­ten, dass die Fami­lie bei grob ver­let­zen­der Behand­lung durch Mit­glie­der des KFV, den Ver­ein nicht mehr so enga­giert unter­stützt hät­te. Gott­fried Fuchs hin­ge­gen lehn­te den Kon­takt zu sei­nem Hei­mat­ver­ein nach sei­ner Flucht ins Aus­land kate­go­risch ab. Die Dik­ta­tur und ins­be­son­de­re der Krieg waren kei­ne belieb­ten Gesprächs­the­men in der Nach­kriegs­zeit – auch nicht beim KFV. „Man woll­te ein­fach nicht an die Zeit erin­nert wer­den“, heißt es von einem Zeit­zeu­gen. Anhand der Chro­ni­ken lässt sich die Ver­drän­gung ermes­sen: In den offi­zi­el­len Ver­eins­chro­ni­ken der fol­gen­den Jahr­zehn­te wird das Schick­sal von Hirsch und Fuchs nicht the­ma­ti­siert. In der größ­ten Nach­kriegs­chro­nik des KFV im Jah­re 1981 fin­den sich neben den ande­ren Meis­ter­spie­lern von 1910 auch Fuchs und Hirsch mit einem klei­nen Text­teil. Eine Auf­ar­bei­tung fin­det jedoch auch dort nicht statt. Zum Rekord­tor­schüt­zen erfährt man dar­in lapi­dar: „Da Fuchs jüdi­scher Abstam­mung war, muss­te er im Jah­re 1937 Deutsch­land ver­las­sen“(!). Das Schick­sal von Juli­us Hirsch im Drit­ten Reich bleibt uner­wähnt und es gibt nur den beschwich­ti­gen­den Hin­weis, dass die Leis­tun­gen der bei­den unter dem Natio­nal­so­zia­lis­mus „tot­ge­schwie­gen“ wur­den. Erst 1991 nimmt auch die KFV-Chro­nik zum 100-jäh­ri­gen Jubi­lä­um kon­kre­ter Stel­lung zum Schick­sal der bei­den Stür­mer. Immer­hin: An die Pio­nier­rol­le von Walt­her Ben­se­mann erin­ner­te der KFV schon in den 1960er Jah­ren mit einem Jugend­tur­nier. Im Gegen­satz zu diver­sen Publi­ka­tio­nen zur Geschich­te des Fuß­balls in der NS-Zeit, bestehen wir nicht auf eine Deu­tungs­ho­heit. Die Quel­len­la­ge ist nicht gut und auch die­ses Buch ist nicht unfehl­bar. Neben der offi­zi­el­len Außen­dar­stel­lung des Ver­eins, ver­such­ten wir quel­len­nah das Inne­re des Ver­eins­le­bens und die Moti­va­ti­on der han­deln­den Per­so­nen greif­ba­rer zu machen, was uns auf­grund der Quel­len­la­ge nur in Tei­len gelang. Die vor­an­ge­gan­ge­nen Sei­ten waren den­noch der ers­te, seriö­se Ver­such, sich detail­liert und mit unver­stell­tem Blick der Ver­eins­ge­schich­te im Drit­ten Reich zu nähern.
 
Fritz Lan­ger stellt 1933 Juli­us Hirsch noch ein Zeug­nis über sei­ne akti­ve Zeit beim KFV aus. Quel­le: Stadt­ar­chiv Karlsruhe.
Ein Schrift­bild, das lan­ge Zeit den KFV beglei­te­te. Die Unter­schrift von Fritz Lan­ger. Quel­le: Stadt­ar­chiv Karlsruhe.
Lan­ger wird zum KFV-Vor­sit­zen­den gewährt (Badi­sche Pres­se, Nr. 217, 11.08.1934). Quel­le: KFV-Archiv.
Die Badi­sche Pres­se 25.2.1942 (No. 47) berich­tet über den Tod von Fritz Langer.
Dr. Otto Figlestahler

Die sport­li­che Ent­wick­lung: Der KFV in der Gau­li­ga Baden 

Vor­kriegs­jah­re 1933–1939

Als eines von zehn Grün­dungs­mit­glie­dern war es dem KFV ver­gönnt, in die neu­ge­schaf­fe­ne Gau­li­ga ein­ge­reiht zu wer­den. Die­se war im Som­mer 1933 inner­halb der Gren­zen des Lan­des Baden gebil­det wor­den als eine von anfäng­lich 16 Gau­li­gen im Deut­schen Reich. Den Karls­ru­her Ver­ei­nen gestand die Gausport­füh­rung drei Start­plät­ze zu, zwei davon waren fest ver­ge­ben – an den Karls­ru­her FV und den FC Phö­nix Karls­ru­he. Wer von den bei­den ande­ren in Fra­ge kom­men­den Ver­ei­nen – FC Mühl­burg und VfB Karls­ru­he – der Drit­te im Bun­de sein durf­te – die­se Streit­fra­ge wur­de durch den Zusam­men­schluss der Mühl­bur­ger mit dem in der West­stadt behei­ma­te­ten VfB Karls­ru­he zum VfB Mühl­burg zur Zufrie­den­heit aller Betei­lig­ten gelöst. 

Ob man die acht Spiel­zei­ten, in denen der KFV der Gau­li­ga ange­hör­te, aus heu­ti­ger Sicht als „erfolg­reich“ qua­li­fi­ziert, hängt von der Inter­pre­ta­ti­on ab, die man die­sem Begriff zugrun­de legt. Gemes­sen an (Gauliga-)Titeln sicher­lich nicht, denn die­se gin­gen aus­nahms­los nach Mann­heim, was bedeu­tet, dass dem Karls­ru­her Publi­kum Spie­le um die deut­sche Meis­ter­schaft ver­wehrt blie­ben. Grund zur Freu­de hat­te man trotz­dem. Denn 1938 – nach dem Abstieg in die Bezirks­klas­se – wur­de man auf Anhieb Meis­ter und rück­te wie­der ins Ober­haus auf wie auch 1943 nach zwei Jah­ren der erneu­ten Absti­nenz von der badi­schen Eli­te­klas­se. Zu regis­trie­ren sind also zwei Meis­ter­schaf­ten in die­ser Zeit­span­ne, bei­de errun­gen im „Unter­haus“, wie man noch heu­te zur zwei­ten Spiel­klas­se zu sagen pflegt. 

Unter Trai­ner Leo­pold Kas­t­ner schlug das sport­li­che Pen­del des KFV am höchs­ten, sprich: erfolg­reichs­ten, aus. Es war die Sai­son 1935/36, die man im 45. Jahr des Bestehens mit dem 3. Tabel­len­platz abschlie­ßen und gleich­zei­tig auch die bei­den Lokal­kon­kur­ren­ten FC Phö­nix Karls­ru­he und VfB Mühl­burg hin­ter sich las­sen konn­te. Ins­ge­samt 100 Begeg­nun­gen waren es, die die Ver­ei­ne auf dem Gau­li­ga­par­kett gegen­ein­an­der aus­tru­gen, davon 30 mit Betei­li­gung des Karls­ru­her FV.

1. Gau­li­ga­spiel des KFV
09.09.1933: Karls­ru­her FV — VfL Nec­karau 2 – 1 (1–1)
Stad­ler – Huber I, Wünsch – Nagel II, Rei­ser, Schnei­der – Gaß­mann, Sic­card I, Mül­ler, Bekir, Mai­er
Tore: 0–1 Seitz (26.), 1–1 Mül­ler (40./FE), 2–1 Mül­ler (49.)
Schieds­rich­ter: Gla­ser ( Neckar­sulm )
Zuschau­er: 3000 / ca. 4000
Bes. Vork.: Dirin­ger (Nec­karau) hält FE von Mül­ler (1. Halbzeit)

3000 Zuschau­er waren zu die­sem Spiel erschie­nen, „trotz des gleich­zei­tig statt­fin­den­den 1. Natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Groß­flug­ta­ges.“ (Haken­kreuz­ban­ner, 11.09.1933) In punk­to Spiel­kul­tur war die Begeg­nung anfäng­lich kei­ne Offen­ba­rung, wobei der star­ke Wind den Spiel­fluß doch sehr beein­träch­tig­te. Auf Sei­ten des KFV rag­te ein Mann her­aus: Fritz Mül­ler, in und um Karls­ru­he, ja in ganz Baden unter dem Kose­na­men „Spit­zer“ bekannt. Durch einen Dop­pel­pack des „Spit­zer“ sicher­te sich der KFV sei­ne ers­ten bei­den Punk­te in der Gau­li­ga. Im KFV-Mit­tei­lungs­blatt war zu lesen:
… wir sieg­ten, nicht schön, aber arbeits­mä­ßig, pflicht­be­wußt. Unser Stil wird vor­läu­fig kein Schau­stück sein, dazu feh­len uns die Künst­ler. Fein­hei­ten, Varia­tio­nen, Kom­bi­na­ti­ons­bil­der auf klei­nen Räu­men wer­den sel­ten auf­tre­ten. Die Art unse­rer Spie­ler gestat­tet ihnen, ein kon­se­quen­tes, flei­ßi­ges, kampf­be­ton­tes Spiel zu zei­gen, mit eisen­har­ter Abwehr, wobei eben soviel Stür­mer nach rück­wärts beor­dert wer­den müs­sen, als der über­le­ge­ne Geg­ner uns abver­langt. Wir „mau­ern“ nicht frei­wil­lig, son­dern schi­cken dort­hin unse­re Spie­ler, wo die Kame­ra­den sie brau­chen. Wir gehen aber sofort zur Offen­si­ve über, wenn der Geg­ner es erlaubt ! Wir kämp­fen lie­ber auf feind­li­chem Boden als in unse­rer Heimat … 

Quel­le: KFV-Mit­tei­lun­gen Nr. 1, Jg. 1933/34, Novem­ber 1933, Sei­te 10.
 

KFV-Uhr mit „KFV-Bier­zip­fel“ von 1935. Quel­le: KFV-Archi­v/Ahl
Gauliga Baden
Hand­schrift­li­che Spiel­chro­nik des KFV
Schlimms­te und höchs­te Nie­der­la­ge zu Gau­li­ga-Zei­ten: 0:10 gegen den VfB Mühl­burg. In die­sen Jah­ren wer­den die Mühl­bur­ger stark an der Domi­nanz von KFV und Phö­nix arbeiten.
Theo Stad­ler ent­schärft einen Angriff von Ernst Poert­gen im Spiel gegen den FC Schal­ke 04 im August 1937 ab (1:2). Theo Stad­ler stand zwi­schen 1930 und 1938 im KFV-Tor, trat für die deut­sche Stu­den­ten­na­tio­nal­mann­schaft an und wur­de zum KFV-Ehren­spiel­füh­rer ernannt. Sein Abschied vom KFV erfolg­te wohl nicht ohne Ärger („Stad­ler spiel­te hier anschei­nend den Rat­ten­fän­ger von Hameln.!?! Man hat­te ihn anders ein­ge­schätzt“; KFV-Mit­tei­lun­gen Nr. 3 Dezem­ber 1938). Quel­le: KFV-Archi­v/ Badi­sche Presse.
Eugen Wünsch (rechts) klärt vor dem damals berühm­ten Mann­hei­mer Natio­nal­stür­mer Otto Siff­ling (links). Quel­le: Ebner (2016).
Eine Lon­do­ner Mann­schaft zu Gast beim KFV im April 1938. Quel­le: “Der Führer”.
Spit­zen­spiel in Karls­ru­he, KFV — Wacker Wien 1:2. Quel­le: Völ­ki­scher Beob­ach­ter / Badi­sche Pres­se, 22.04.1938
Josef “Sepp” Pojar bewirbt sich um die Trai­ner­stel­le beim KFV (1938). Dar­aus wur­de nichts — die Grün­de sind nicht bekannt. Nach dem Krieg trai­nier­te er für ein Jahr Sla­via Prag. Quel­le: KFV-Archiv.

(2) Der Tabel­len­füh­rer ver­liert beim Schlusslicht

05.11.1933: SC Frei­burg -  Karls­ru­her FV 4 – 2 (3–0)

Karls­ru­her FV: Stad­ler – Immel, Nagel II – Sic­card I, Wünsch, Schnei­der – Ech­le, Ahl, Mül­ler, Link,  Bekir

Tore: 1–0 Koß­mann (15.), 2–0 Stolz (17.), 3–0 Koß­mann (40.), 4–0 Gäß­ler (48.), 4–1 Bekir (58.), 4–2 Ahl (78.)

Schieds­rich­ter: Selzam (Hei­del­berg)

Zuschau­er: 2500 / 3000

„Sport­clubs gro­ßer Sieg“ (Frei­bur­ger Zei­tung), „Sen­sa­ti­on in Frei­burg“ (ASZ), „Eine Über­ra­schung“ (Der Ale­man­ne) – schon die Schlag­zei­len lie­ßen es anklin­gen, dass die Begeg­nung einen ande­ren Ver­lauf ange­nom­men hat­te als man es vor dem Zusam­men­tref­fen bei­der Mann­schaf­ten ver­mu­ten durf­te. „Man kommt eigent­lich in die Ver­su­chung, dem Tabel­len­ers­ten gegen­über dem Letz­ten der Tabel­le einen siche­ren und glat­ten Sieg zuzu­spre­chen, wenn man nicht die Lau­nen des Sport­clubs ken­nen wür­de“ schrieb die Breis­gau­er Zei­tung in ihrer Vor­schau. Just die­sen Lau­nen muß­te sich der KFV beu­gen und unter­lag – wie auch zuvor der VfB Mühl­burg – im Win­te­rer-Sta­di­on des SC Frei­burg. Inner­halb von zwei Minu­ten lag der KFV mit 0–2 hin­ten, „von die­sem Augen­blick an war es um die Har­mo­nie im KFV-Gefü­ge gesche­hen, wäh­rend die SC-ler dage­gen zu einer Form auf­lie­fen, die stark an die denk­wür­di­gen Trost­run­den­spie­le anno 1928 erin­ner­te“ (Frei­bur­ger Zei­tung). Auch der Bericht­erstat­ter der KFV-Mit­tei­lun­gen fand deut­li­che Wor­te: „Das war die bis­her schwächs­te Mann­schaft, die auch das schwächs­te Spiel lie­fer­te. Der Sturm war ein sanf­tes Wind­chen. Nur Bekir zeig­te for­schen Angriffs­geist.“ (KFV-Mit­tei­lun­gen Nr. 1, Jg. 1933/34, Novem­ber 1933, Sei­te 12). 

(3) Rekord­ku­lis­se und 1. Sieg im Derby

05.01.1936: Karls­ru­her FV -  FC Phö­nix Karls­ru­he              3 – 0 (2–0)

Karls­ru­her FV: Stad­ler – Immel, Bolz I – Rei­ser, Wünsch, Schnei­der – Brecht, Benz, Rapp, Huber I, Damminger 

Tore: 1–0 Brecht (3.), 2–0 Rapp (31.), 3–0 Rapp (80.)

Schieds­rich­ter: Klä­ger (Offen­burg)

Zuschau­er: > 6000

Im 6. Gau­li­ga­spiel bei­der Ver­ei­ne gegen­ein­an­der gab´s den 1. Sieg für den KFV zu ver­mel­den, und das vor einer Rekord­ku­lis­se von über 6000 Zuschau­ern. Es war das mitt­ler­wei­le 96. Auf­ein­an­der­tref­fen der bei­den deut­schen Alt­meis­ter, zu wel­chem der Ex-Bröt­zin­ger Rapp zwei der drei Tref­fer bei­steu­er­te. „Die Leis­tung des KFV war groß­ar­tig. Hier gab es kein lan­ges Zip­feln und Über­le­gen, kei­ne über­trie­be­nen Küns­te­lei­en und Schnör­kel, son­dern eine Metho­de, die nur von einem Ziel beherrscht war, näm­lich auf kür­zes­tem und sichers­tem Weg zu Erfol­gen zu kom­men. Die Man­nen vom KFV arbei­te­ten auf allen Plät­zen mit Ver­nunft und Erfolg. Gut ein­ge­schla­gen hat vor allem der Sturm­füh­rer Rapp, der nicht nur Tore schoß, son­dern auch in der Ball­ver­tei­lung, wie über­haupt in der gan­zen Anla­ge des Angriffs­spiels anspre­chen­de Leis­tun­gen zeig­te“ (Badi­sche Pres­se, 06.01.1936).

Auch hier schlägt die mili­tä­ri­sche Erstar­kung des Deut­schen Reichs – weni­ge Mona­te zuvor war die all­ge­mei­ne Wehr­pflicht ein­ge­führt wor­den – auf die Bericht­erstat­tung durch, wenn es etwa heißt: es war nicht nur der pri­ckeln­de Reiz die­ses „Lokalk­ampfs“, der über 6000 Zuschau­ern den Marsch­be­fehl hin­ter die Tele­gra­phen­ka­ser­ne dik­tier­te, son­dern eben­so sehr auch die beson­de­re Lage bei­der Ver­ei­ne, die laut Tabel­len­ba­ro­me­ter dem einen den Weg zur Meis­ter­schaft weit offen ließ, den ande­ren jedoch in unheil­volls­te Abstiegs­sor­gen ver­wi­ckel­te. Unter die­sen Umstän­den gab es für Phö­nix nur die eine, von der nack­ten Exis­tenz­si­che­rung dik­tier­te Devi­se: sie­gen oder ster­ben (Badi­sche Pres­se, 06.01.1936).

 

(4) Vor rund 8000 Zuschau­ern: Der KFV besiegt den Meister 

16.02.1936: Karls­ru­her FV -  SV Wald­hof                            3 – 2 (1–1)

Karls­ru­her FV: Stad­ler – Immel, Bolz I – Helm, Wünsch, Rei­ser – Brecht, Benz, Rapp, Göt­ter, Huber I

Tore: 1–0 Rapp (1.), 1–1 Siff­ling I (36.), 2–1 Huber (75.), 2–2 Heer­mann (85.), 3–2 Brecht (86.)

Schieds­rich­ter: Bräu­ti­gam (Frei­burg)

Zuschau­er: ca. 7500 / 8000 

Vor der größ­ten Kulis­se, die der KFV zu Gau­li­ga­zei­ten in sei­nem Sta­di­on begrü­ßen durf­te, zählt die­se Begeg­nung gegen den SV Wald­hof, der lan­ge Zeit die Tabel­len­füh­rung inne­hat­te, wel­che er nach die­ser Nie­der­la­ge vor­über­ge­hend an den 1. FC Pforz­heim abtre­ten muss­te. Es war die Revan­che für die hohe Nie­der­la­ge im Hin­spiel. Mit 8–2 hat­te der SV Wald­hof kurz vor dem Jah­res­wech­sel den KFV besiegt, „Wald­hof ver­kör­per­te bes­te Fuß­ball­schu­le“ (Der Füh­rer). Die­se Nie­der­la­ge, die einer Demü­ti­gung gleich­kam, nahm sich der KFV zu Her­zen. Sehr sogar. „KFV hat­te in sei­ner Mann­schaft, obwohl er dies­mal auf den gesperr­ten Dammin­ger ver­zich­ten muß­te, kei­nen schwa­chen Punkt. Die Mann­schaft spiel­te mit Her­ga­be des letz­ten an kör­per­li­cher Kraft und rang den Geg­ner ver­dient nie­der“ schrieb das in Mann­heim erschei­nen­de Haken­kreuz­ban­ner (HKB, 17.02.1936). „Der KFV hat dem vor­aus­sicht­li­chen badi­schen Meis­ter eine völ­lig gerech­te und ein­wand­freie Nie­der­la­ge bei­gebracht“ war in der Badi­schen Pres­se zu lesen (Badi­sche Pres­se, 17.02.1936), und auch die ASZ lag auf die­ser Linie: „Die Karls­ru­her waren von einer Angriffs­freu­dig­keit, gepaart mit einem so gedie­ge­nen Kön­nen, daß ihnen letz­ten Endes ver­dien­ter­ma­ßen der knap­pe Sieg zufal­len muß­te“ (ASZ, 17.02.1936).

(5) Höchs­ter Gau­li­ga­sieg beim Lokalkonkurrenten

14.02.1937: VfB Mühl­burg -  Karls­ru­her FV                         0 – 4 (0–2)

Karls­ru­her FV: Stad­ler – Huber I, Bolz I – Rei­ser, Wünsch, Wil­helm Hol­z­igel – Walz, Benz, Rapp, Huber II, Litsch 

Tore: 0–1 Rapp (22.), 0–2 Benz (30.), 0–3 Hol­z­igel (62.), 0–4 Bolz (75.)

Schieds­rich­ter: Wacker ( Niefern )

Zuschau­er: > 5000

Neue Hoff­nung keim­te auf nach dem deut­li­chen 4–0 Sieg im Lokal­der­by, der den Abstand auf den gleich­falls abstiegs­ge­fähr­de­ten VfB Mühl­burg auf drei Punk­te ver­kürz­te. Soll­te der KFV doch noch dem dro­hen­den Abstieg ent­ge­hen kön­nen? Es war nur ein kur­zes Auf­fla­ckern, denn schon im nächs­ten Spiel gegen den 1. FC Pforz­heim blieb man beim 1–3 nur zwei­ter Sie­ger, wäh­rend den Mühl­bur­gern wie­der­um eine Woche spä­ter gegen den­sel­ben Geg­ner ein Sieg in glei­cher Höhe gelang. Der Abstieg war den­noch – trotz eines 7–1 Sie­ges gegen den Frei­bur­ger FC – am Ende nicht zu ver­mei­den. Wes­halb sich der KFV eine Spiel­klas­se tie­fer bege­ben muss­te? Bis zuletzt war unklar, wer die Mann­schaft über­neh­men wür­de, nach­dem Hei­ner Stuhl­fauth kurz­fris­tig sei­ne Zusa­ge zurück­ge­zo­gen hat­te. Heinz Jan­sen aus Münster/Westf. erfüll­te die Erwar­tun­gen nicht, und schließ­lich sprang Jean Vogel, einst Mit­tel­stür­mer im Ver­ein, in die Bre­sche. Da er gleich­zei­tig noch bei den Dur­la­cher Ger­ma­nen aktiv spiel­te, war es ihm nicht mög­lich, bei sämt­li­chen Ver­bands­spie­len anwe­send zu sein. Ein wei­te­rer Umstand war die schlech­te kör­per­li­che Ver­fas­sung der Mann­schaft, die dar­auf zurück­zu­füh­ren war, dass etli­che Spie­ler nicht regel­mä­ßig am Trai­ning teil­neh­men konn­ten, und schließ­lich habe es an der Unge­eig­net­heit vie­ler Stamm­spie­ler der 1. Mann­schaft gele­gen, so dass in 18 Begeg­nun­gen 25 Spie­ler zum Ein­satz kamen. Ein wei­te­rer Punkt ver­dient fest­ge­hal­ten zu wer­den, näm­lich, dass man eine posi­ti­ve Tor­dif­fe­renz auf­zu­wei­sen hat­te: 25–22 Tref­fer. „Hat man je in der Sport­ge­schich­te ein ähn­li­ches Kurio­sum erlebt?“ (KFV-Mit­tei­lun­gen, Jg. 1936/37, Juni 1937, Sei­te 4). Wir wis­sen es nicht, kön­nen es aber zumin­dest für die badi­sche Gau­li­ga verneinen. 

(6a) Höchs­ter Gau­li­ga­sieg (1)

04.04.1937: Karls­ru­her FV -  Frei­bur­ger FC                         7 – 1 (4–1)

Karls­ru­her FV: Stad­ler – Huber I, Bolz I – Bolz II, Wünsch, Hol­z­igel – Walz, Ech­le, Dammin­ger, Bekir, Huber II

Tore: 1–0 Wünsch (10.), 2–0 Walz (12.), 3–0 Bekir (16.), 4–0 Huber II, 4–1 Roser (35.), 5–1 Walz (53.), 6–1 Huber II, 7–1 Dammin­ger (71.)

Schieds­rich­ter: Schmet­zer (Mann­heim)

Zuschau­er: knapp 3000 / 3200 / 3500

Es ist bereits ange­klun­gen. Der 7–1 Sieg gegen den Frei­bur­ger FC hielt den KFV kurz­fris­tig noch „am Leben“. Mehr aber nicht. „Die­ser KFV leg­te vor 3000 Zuschau­ern ein Spiel hin, das Hand und Fuß hat­te und das von einer Hin­ga­be getra­gen wur­de, die begeis­tern muß­te“ schrieb die Frei­bur­ger Tages­post. „Der ein­hei­mi­schen Elf ein Gesamt­lob“, so die Badi­sche Pres­se in ihrer Nach­be­trach­tung. Wei­ter heißt es: „Den­noch muß das Spiel des alten Käm­pen Bekir beson­ders her­aus­ge­stellt wer­den. Was Bekir ges­tern wie­der zeig­te, ist der größ­ten Hoch­ach­tung wür­dig. Von der ers­ten bis zur letz­ten Minu­te kämpf­te er, spiel­te sei­ne Kame­ra­den frei und schoß ein Tor. Eine ganz beson­de­re Leis­tung war sein Solo­durch­bruch am Ende des Spiels. Nur scha­de, daß der Tor­schuß nicht den ver­dien­ten Erfolg brach­te, die Quer­lat­te war der Ret­ter für Frei­burg.“ Für den 37-jäh­ri­gen Bekir war es das letz­te Gau­li­ga­spiel vor hei­mi­schem Publi­kum. Zwei wei­te­re Spie­le, bei­de aus­wärts, schlos­sen sich an, danach war Schluss für den „Bom­ber“, der ins­ge­samt 26 Ein­sät­ze in der Gau­li­ga­mann­schaft des KFV bestritt und dabei 6 Mal erfolg­reich war. 

(6b) Höchs­ter Gau­li­ga­sieg (2)

25.12.1938: Karls­ru­her FV -  Offen­bur­ger FV                                  7 – 1 (4–0)

Karls­ru­her FV: Eßwein – Immig, Bolz I – Helm, Wünsch, Hol­z­igel – Brecht, Benz, Hell­wig, Mor­lock, Damminger

Tore: 1–0 Dammin­ger (2.), 2–0 Dammin­ger (5.), 3–0 Brecht (29.), 4–0 Mor­lock (39.), 5–0 Wünsch (57.), 5–1 Wag­ner (72.), 6–1 Mor­lock, 7–1 Brecht

Schieds­rich­ter: Brust ( Mannheim )

Zuschau­er: ca. 800–900 / ca. 1000

Auf schnee­be­deck­tem Platz und bei 5 Grad Käl­te begeg­ne­ten sich bei­de Mann­schaf­ten erst­mals in einem Spiel um Gau­li­ga­punk­te. Letzt­mals war man in der Sai­son 1932/33 auf­ein­an­der­ge­trof­fen, als die höchs­te Spiel­klas­se noch Bezirks­li­ga hieß. Mit 1–1 hat­te man sich damals die Punk­te geteilt, dies­mal gab´s kei­ne Kom­pro­mis­se. „KFV in Fest­tags­stim­mung“ lau­te­te die Schlag­zei­le in der ASZ, die den OFV als die „schwächs­te Mann­schaft in der badi­schen Gau­li­ga“ bezeich­ne­te. Tat­säch­lich wur­de der OFV die­sem „Ruf“ gerecht, ver­blieb am Ende aber den­noch in der Gau­li­ga, da die­se in der fol­gen­den Sai­son geteilt wur­de. Ein Spiel um Punk­te zwi­schen bei­den Ver­ei­nen gab´s seit­dem nicht mehr. 

 

(7) Aus­schrei­tun­gen und Platzsperre

05.02.1939: Karls­ru­her FV- VfR Mann­heim                         0 – 0

Karls­ru­her FV: Eßwein – Immig, Bolz I – Helm, Wünsch, Haas – Brecht, Benz, Hell­wig, Mor­lock, Damminger

Tore: —

Schieds­rich­ter: Bräu­ti­gam (Frei­burg)

Zuschau­er: 4500 / 5000 / 6000

Ein Spiel, das nicht zu jenen gehört, an die man sich gern zurück­er­in­nert. Und zwar des­halb nicht, weil der eigent­li­che Zweck des Zusam­men­tref­fens, das Fuß­ball­spiel, mehr und mehr in den Hin­ter­grund gedrängt wur­de. „Lei­der bekam man im Ver­lauf des Tref­fens … Din­ge zu sehen, die mit Fuß­ball nichts mehr zu tun haben. Fuß­ball ist ein Kampf­sport, der den Ein­satz jeden Spie­lers erfor­dert, der aber nicht so weit gehen darf, daß am Ende des Tref­fens 4 Mann das Kran­ken­haus auf­su­chen müs­sen“ (Badi­sche Pres­se). Zum Sün­den­bock aus­er­ko­ren wur­de Schieds­rich­ter Bräu­ti­gam aus Frei­burg: „Es tut uns leid, die­se Fest­stel­lung tref­fen zu müs­sen, denn Bräu­ti­gam ist ein so anstän­di­ger Mensch und war in den lan­gen Jah­ren als akti­ver Gau­li­ga­spie­ler ein so vor­bild­lich fai­rer Sports­mann, daß wir ihn ungern in den Mit­tel­punkt einer öffent­li­chen Pole­mik stel­len. Aber es steht unab­än­der­lich fest, daß sein uns uner­klär­li­ches Ver­sa­gen in aller­ers­ter Linie aus­schlag­ge­bend für die schau­der­haf­ten Vor­komm­nis­se in dem betref­fen­den Spiel war“ (KFV-Mit­tei­lun­gen, Jg. 1938/39, Nr. 4, März 1939, Sei­te 4). Die Gau­be­hör­de urteil­te nicht gera­de zim­per­lich. Sechs Mona­te Sper­re für den Schieds­rich­ter und 2 Spie­le Platz­sper­re für den KFV, fer­ner wur­den die KFV-Spie­ler Dammin­ger und Mor­lock sie­ben bzw. zwölf Mona­te vom Spiel­ver­kehr ausgeschlossen. 

(8) Ein durch­aus unge­wöhn­li­ches Resultat 

7.1.1940: Karls­ru­her FV -  1. FC Pforz­heim             5 – 10 (2–4)

Karls­ru­her FV: Kraft – Nagel, Weiß – Arnold, Herold, Schwei­zer – Schwö­rer, Her­ter, Stei­m­le, Rapp, Wiegand 

Tore: 1–0 Schwö­rer (5.), 1–1 Rau, 1–2 Fischer I, 2–2 Schwö­rer, 2–3 Rau, 2–4 Dier­lamm, 2–5 Fischer I, 2–6 Rau, 2–7 Rau, 3–7 Her­ter, 4–7 Schwö­rer, 5–7 Wie­gand, 5–8 Dier­lamm, 5–9 Hart­mann, 5–10 Rau 

Schieds­rich­ter: Lau­er (Plank­stadt)

Zuschau­er: ca. 200

Bes. Vork.: Wie­gand ver­schießt Elf­me­ter (2. Halbzeit)

Ein „Schüt­zen­fest auf dem KFV-Platz“ (Pforz­hei­mer Rund­schau) zu Beginn des neu­en Jah­res – und das vor nur 200 Zuschau­ern. Was am kal­ten Janu­ar­sonn­tag und dem gleich­zei­tig statt­fin­den­den Spiel im Wild­park­sta­di­on (FC Phö­nix Karls­ru­he – 1. FC 08 Bir­ken­feld) gele­gen haben könn­te, wie der Bericht­erstat­ter des Füh­rer ver­mu­te­te. Der Pforz­hei­mer Rau erziel­te allein die Hälf­te der Tref­fer seins Teams, wel­ches die Qua­li­fi­ka­ti­on für die End­run­de nur knapp ver­pass­te. „Das Spiel wur­de von den mit der bes­se­ren Mann­schaft ver­tre­te­nen Pforz­hei­mern auf Grund ihrer grö­ße­ren Beweg­lich­keit ver­dient gewon­nen, wenn­gleich ihre Über­le­gen­heit nicht so groß war, wie die Tor­dif­fe­renz ver­mu­ten läßt“ (Der Führer). 

(9) Höchs­te Heimniederlage 

10.11.1940: Karls­ru­her FV -  VfB Mühl­burg                         0 – 10 (0–4)

Karls­ru­her FV: Moll – Geis­ler, Haug – Pfört­ner, Haas, Sic­card – Sprieß­ler, Benz, Otto Beck, Hans Gün­ther, Otto Scherer

Tore: 0–1 See­bur­ger (3.), 0–2 Rastet­ter (27./FE), 0–3 Fischer (32.), 0–4 Fischer (44.), 0–5 Rastet­ter (55.), 0–6 Fischer, 0–7 Gru­ber (FE), 0–8 Rastet­ter, 0–9 See­bur­ger I, 0–10 Rastet­ter (89.)

Schieds­rich­ter: Pen­nig (Mann­heim), Zuschau­er: > 2000

Aus­ge­rech­net im Lokal­der­by gegen den VfB Mühl­burg erleb­te der KFV sei­ne schwär­zes­te Gau­li­ga-Stun­de. Schon im Hin­spiel war man dem VfB mit 0–9 unter­le­gen, und nun das ! Mit einer „rei­nen Ver­le­gen­heits­elf“ sei man gegen den VfB Mühl­burg über­haupt ange­tre­ten, stand in den KFV–Mitteilungen zu lesen. „Das ein­zi­ge Boll­werk, das dem Mühl­bur­ger Taten­drang Wider­stand leis­ten konn­te, hieß Moll und stand beim KFV zwi­schen den Pfos­ten. „Er hielt, was zu hal­ten war und war mit Abstand der bes­te Mann“ (KFV-Mit­tei­lun­gen Nr. 6, Jg. 1940/41, Dezember/Januar, Sei­te 2 ). Das Der­by blieb nicht ohne Nach­klän­ge. Weil eini­ge Zuschau­er, wohl Anhän­ger des VfB Mühl­burg, den Kan­ter­sieg zu ver­ba­len Aus­fäl­len zum Anlass nah­men („Wo bleibt der Alt­meis­ter ?“), sah sich der KFV genö­tigt, die Din­ge rich­tig­zu­stel­len und dar­auf hin­zu­wei­sen, dass man wesent­lich mehr Spie­ler zum Wehr­dienst habe abstel­len müs­sen als der VfB, des­sen (Stamm-)Spieler auf­grund ihrer hei­mat­na­hen Ver­wen­dung in der Rüs­tungs­pro­duk­ti­on in schö­ner Regel­mä­ßig­keit in den Gau­li­ga­spie­len zum Ein­satz kamen. Ein kla­rer Fall von Wettbewerbsverzerrung!

(10) Eine von zwei Nie­der­la­gen, die der spä­te­re Meis­ter Nec­karau in die­ser Sai­son ein­ste­cken musste

01.12.1940: Karls­ru­her FV    -  VfL Nec­karau                                  2 – 1 (2–1)

Karls­ru­her FV: Moll – Weiß, Huber I – Mor­lock, Geis­ler, Pfört­ner – Keck, Sche­rer, Stei­m­le, Sic­card, Rohrer

Tore: 1–0 Roh­rer (16.), 2–0 Pfört­ner (17.), 2–1 Presch­le (30.)

Schieds­rich­ter: Boe­res ( Lahr )

Zuschau­er: 1200 / 1500

Mit zehn Mann nahm der KFV dem spä­te­ren Meis­ter VfL Nec­karau bei­de Punk­te ab. Sic­card war kurz vor der Halb­zeit­pau­se ver­letzt wor­den und stand beim Wie­der­an­spiel zwar auf dem Platz, muss­te die­sen jedoch kur­ze Zeit spä­ter end­gül­tig ver­las­sen, wäh­rend sich sei­ne Kame­ra­den den Nec­karau­er Angrif­fen vehe­ment ent­ge­gen­stell­ten und den knap­pen Vor­sprung über die Zeit ret­ten konn­ten. „Dem KFV gebührt ein Kom­pli­ment! Er hat sich nach der Rei­he der unglück­li­chen Nie­der­la­gen ernst­haft auf­ge­rafft und sein Selbst­be­wusst­sein wie­der gefun­den. Die Mann­schaft hat voll­bracht, was einem VfR Mann­heim, einem 1. FC Pforz­heim nicht gelun­gen ist: die kampf­star­ken Nec­karau­er zu schla­gen. 1500 Zuschau­er sahen den Karls­ru­her Sieg und erkann­ten ihn bei­fäl­lig an“ (Badi­sche Presse ).

(11) Letz­tes Gauligaspiel 

05.03.1944: FC Ras­tatt -  Karls­ru­her FV                              3 – 4 (0–1)

Karls­ru­her FV: ( Auf­stel­lung nicht bekannt )

Tore: 0–1 Wil­li­mow­ski (40.), 1–1 Dürrschna­bel (65.), 1–2 Bach­mann, 2–2 Schä­fer, 2–3 Wil­li­mow­ski (78.), 2–4 Wil­li­mow­ski, 3–4 Babel (85.)

Schieds­rich­ter: Pen­nig ( Mannheim )

Zuschau­er: nur weni­ge Hundert 

Ein Drei­er­pack von Ernst Wil­li­mow­ski, der es in den Jah­ren 1941 und 1942 als Spie­ler des PSV Chem­nitz bzw. TSV 1860 Mün­chen auf acht Ein­sät­ze in der deut­schen Natio­nal­mann­schaft gebracht hat­te, sicher­te dem KFV im letz­ten Gau­li­ga­spiel bei­de Punk­te. „Ent­schei­den­den Anteil des Erfol­ges der Gäs­te hat­te zwei­fel­los Wil­li­mow­ski, der alle sei­ne Kame­ra­den über­rag­te, nicht nur, weil alle Direk­ti­ven von ihm aus­gin­gen, son­dern weil er dar­über hin­aus noch voll­ende­te Fuß­ball­kunst mit allen Fein­hei­ten demons­trier­te, die ihn zum bes­ten Spie­ler auf dem Platz stem­pelt“ (Der Füh­rer). Lei­der ist die Auf­stel­lung zu die­sem letz­ten Gau­li­ga­spiel des KFV nicht überliefert.

Kriegs­jah­re

Die zunächst ein­glei­si­ge Gau­li­ga wur­de 1941/42 kriegs­be­dingt in eine Nord- und eine Süd­grup­pe mit je sechs Mann­schaf­ten auf­ge­teilt, dar­an schloss sich eine End­run­de mit vier Mann­schaf­ten an.
 
Die Gau­li­ga Baden Sai­son 1944/45 war die zwölf­te und letz­te Spiel­zeit der Gau­li­ga Baden im Fuß­ball. Sie wur­de kriegs­be­dingt nicht zu Ende geführt. Ergeb­nis­se sind nur aus der Nord­grup­pe doku­men­tiert, die im Janu­ar 1945 ein­ge­stellt wur­de, für Mit­tel­ba­den sind kei­ne Spie­le doku­men­tiert, und in Süd­ba­den fand kein Spiel­be­trieb mehr statt. Nach Kriegs­en­de wur­den lös­ten die Ober­li­gen die Gau­li­gen als höchs­te deut­sche Spiel­klas­se ab. Eine deut­sche Meis­ter­schaft wur­de 1944/45 nicht mehr ausgespielt.
 
 
Spiel der Karls­ru­her Städ­te­mann­schaft gegen die „Fisch“-Division (Spitz­na­me der 35. Infan­te­rie-Divi­si­on der Wehr­macht), die ursprüng­lich in Karls­ru­he auf­ge­stellt wur­de und 1944 an Ver­bre­chen gegen Zivi­lis­ten im weiß­rus­si­schen KZ Osa­rit­schi betei­ligt war. 
Die badi­sche Gau­elf bezwang die Aus­wahl­mann­schaft von Mün­chen-Ober­bay­ern am 16. August 1942. KFV-Spie­ler Reeb sit­zend als ers­ter von links in der vor­ders­ten Rei­he. Der spä­te­re KFV-Trai­ner Strie­bin­ger rechts außen in der hin­te­ren Rei­he ste­hend. Quel­le: KFV-Archiv.
Neuanmeldung des Gastspieler August Kubitza des Fussballclub Kattowitz, 1944. Quelle: KFV-Archiv.
Neu­an­mel­dung des Gast­spie­ler August Kubitza des Fuss­ball­club Kat­to­witz, 1944. Quel­le: KFV-Archiv.