1.Epoche |1889–1903

Fuß­ball der ers­ten Stun­de und der Inter­na­tio­nal Foot­ball Club Karlsruhe

Der geneig­te Kino­gän­ger weiß es schon seit gerau­mer Zeit: Fuß­ball wur­de in Deutsch­land ver­mut­lich erst­mals in Braun­schweig gespielt, ohne dass dies eine kon­kre­te Ver­eins­grün­dung nach sich gezo­gen hät­te. Der durch den Kino­film „Der ganz gro­ße Traum“ (2011) bekannt gewor­de­ne Leh­rer Kon­rad Koch, rich­te­te 1874 mit sei­nen Kol­le­gen am Braun­schwei­ger Gym­na­si­um Mar­ti­no-Kathe­ri­ne­um einen frei­wil­li­gen Spie­le­nach­mit­tag ein (Kurio­ser­wei­se ist der Pro­du­zent des Films, der gebür­ti­ge Karls­ru­her Raoul Rei­nert, ein ehe­ma­li­ger Spie­ler des KFV. In sei­nem zwei­ten Jahr in der A‑Jugend ver­letz­te er sich jedoch so schwer, dass er nur noch gele­gent­lich spiel­te). Rasch bil­de­te sich eine Schü­ler­grup­pe, die nach eng­li­schem Vor­bild Fuß­ball spiel­te, wobei der Ein­satz der Hän­de noch erlaubt war. Auch Schu­len in Ham­burg, Göt­tin­gen und Bre­men folg­ten dem Bei­spiel. Von einem ech­ten Durch­bruch des jun­gen Sports konn­te jedoch noch kei­ne Rede sein. In einer zwei­ten Ver­brei­tungs­wel­le des Fuß­balls – in den 1880er Jah­ren – waren es aber­mals Schü­ler, die den Sport maß­geb­lich vor­an­trie­ben, dies­mal jedoch außer­halb der Schu­le. Betei­ligt an die­sen ers­ten Fuß­ball­spie­len waren oft­mals jun­ge Eng­län­der, die aus unter­schied­lichs­ten Grün­den (bspw. als Stu­den­ten) im Deut­schen Reich weil­ten. Neben Ber­lin, in dem bereits um 1890 eine klei­ne Fuß­ball­sze­ne exis­tier­te, wur­de Karls­ru­he zum Aus­gangs­punkt einer dyna­mi­schen Ent­wick­lung des Fuß­ball­sports in Süd­deutsch­land. 1888 wur­de in Ber­lin mit dem BFC Ger­ma­nia 1888 der bis heu­te ältes­te, noch exis­tie­ren­de Fuß­ball­ver­ein Deutsch­lands gegrün­det. Karls­ru­he soll­te bald folgen…

Der Rasen­sport war in den 1870er Jah­ren in Karls­ru­he noch rela­tiv unbe­kannt. „Der ein­zi­ge Sport […] war das Schwim­men in Maxau oder in der Mili­tär­schwimm­schu­le, zu wel­cher man mit dem Bim­mel­bän­chen, das am alten Bahn­hof abging, oder in einem Fünf-Kilo­me­ter-Marsch zu Fuß
gelan­gen konn­te“, schreibt die Badi­sche Pres­se am 21.9.1929 rück­bli­ckend. Doch bereits 1871 gab es „kicker­be­geis­ter­te Bri­ten“ auf einem klei­nen Exer­zier­platz in Karls­ru­he (dem spä­te­ren Eng­län­der­platz), denen sich deut­sche Jun­gen anschlos­sen. So soll es bereits in die­sem Jahr den urkund­lich nicht ver­bürg­ten „Gym­na­si­as­ten­schü­ler-Fuß­ball- und Rug­by-Club Karls­ru­he“ gege­ben haben. Auch der KFV erhebt den Anspruch, schon vor 1891 (dem heu­te bekann­ten Grün­dungs­da­tum) eine Rol­le gespielt zu haben. 1966 schreibt der Ver­ein in sei­ner Chro­nik: „Eigent­lich war der KFV der ers­te Fuß­ball­club auf dem Kon­ti­nent, der den grü­nen Rasen betrat“. Doch zurück zur ver­bürg­ten Grün­dungs­ge­schich­te: Die auf dem klei­nen Exer­zier­platz spie­len­den Eng­län­der zogen nach und nach das Inter­es­se der Schü­ler der umlie­gen­den Schu­len auf sich. Kata­ly­sa­tor und orga­ni­sa­to­ri­scher Wei­chen­stel­ler der neu­en Sport­be­we­gung in Karls­ru­he wur­de schließ­lich Walt­her Ben­se­mann, der im Herbst 1889 mit sei­ner Fami­lie von Mon­treux in die badi­sche Lan­des­haupt­stadt zog. Ben­se­mann, der schon in jun­gen Jah­ren in einer Schwei­zer Pri­vat­schu­le mit dem eng­li­schen Sport in Berüh­rung kam und mit Schul­freun­den den Foot­ball­club Mon­treux grün­de­te, infi­zier­te schnell sei­ne Mit­schü­ler am Karls­ru­her Groß­her­zog­li­chen Lyze­um (heu­te Bis­marck-Gym­na­si­um) mit dem jun­gen Fuß­ball­sport. Ben­se­mann erin­ner­te sich spä­ter an sei­ne ers­ten Wochen in Karlsruhe:

„Im Sep­tem­ber 1889 ließ ich aus der Schweiz einen Fuß­ball kom­men; der Ball wur­de mor­gens vor der Schu­le auf­ge­bla­sen und in der
10-Uhr-Pau­se muss­te bereits ein Fens­ter des Gym­na­si­ums dar­an glau­ben. […] Direk­tor Wendt schick­te uns auf den klei­nen Exer­zier­platz,
Eng­län­der­platz genannt. Hier hat­ten zwei Jah­re zuvor eini­ge Eng­län­der sowie Gym­na­si­as­ten Rug­by gespielt. Weni­ge Tage nach der Über­sied­lung
grün­de­ten wir den ‘Karls­ru­her Foot­ball­club’, der zuerst nur aus Pen­nä­lern bestand, dem aber in Kür­ze etwa 15 bis 20 Eng­län­der beitraten.“ 

Der „Inter­na­tio­nal Foot­ball-Club“, den Ben­se­mann schließ­lich am 16. Sep­tem­ber 1889 offi­zi­ell grün­de­te, war der ers­te Fuß­ball­ver­ein in Süd­deutsch­land, der nach „Association“-Regeln spiel­te. Zu den Grün­dungs­mit­glie­dern des Foot­ball­club gehör­ten auch Wal­ter Lüd­hoff, der aus der Buren­re­pu­blik Oran­je-Frei­staat (heu­te Süd­afri­ka) stamm­te und dort zehn Jah­re spä­ter im Buren­krieg fiel sowie der spä­te­re Wein­hei­mer Bür­ger­meis­ter Dr. Karl Alex­an­der Wett­stein (Bür­ger­meis­ter von 1912–1920). Bei­de mach­ten sich neben Ben­se­mann „um die Kon­so­li­die­rung des neu­en Ver­eins“ verdient.

Bald folg­ten dem IFC wei­te­re Ver­eins­grün­dun­gen in Karls­ru­he. Karl Gep­pert, spä­te­rer Ver­bands­funk­tio­när und Spie­ler des FC Ale­man­nia (ein frü­he­rer Fusi­ons­ver­ein des Karls­ru­her SC) erin­nert sich: „Im All­ge­mei­nen war es so, dass der Besitz eines Bal­les zu einer Club­grün­dung führ­te. Schnell hat­ten sich ein Dut­zend Jun­gen um den Ball und sei­nen Besit­zer gesam­melt und der Club war fer­tig. Der Ball­be­sit­zer wur­de nach dem Gewohn­heits­recht ers­ter Cap­tain und der bes­te Spie­ler Zwei­ter. Den Ball unterm Arm des ers­ten Cap­tains zog die Schar von Platz zu Platz, um ihr Glück zu ver­su­chen. Wur­de kein frei­er Platz gefun­den, so wur­de von dem unge­schrie­be­nen Gesetz Gebrauch gemacht, die am Plat­ze spie­len­de Elf mit den Wor­ten zu begrü­ßen: Match oder Platz ver­las­sen!. Fühl­te sich die ange­spro­che­ne Mann­schaft stark genug, kam es zum Match, andern­falls ver­ließ sie das Feld und kick­te sonst in der Gegend her­um. […] Es hat lan­ge gedau­ert, bis wir wirk­li­che Tore erschwin­gen konn­ten; vie­le Mona­te hin­durch wur­de das Goal durch zwei Bäu­me, zwei Röcke, oder zwei Müt­zen gebil­det. Die­se natür­li­chen Hilfs­mit­tel genüg­ten voll­kom­men, um 30–40 Leu­te stun­den­lang, nach­mit­ta­ge­lang zum Kicken anzu­spor­nen“. Ver­eins­wech­sel waren zu die­ser Zeit pro­blem­los mög­lich. Die Fuß­ball­klubs unter­schie­den sich zunächst noch stark von bür­ger­li­chen Ver­ei­nen, die eine sehr viel stär­ke­re Bin­dungs­kraft auf­wie­sen. Man konn­te sich einem Klub anschlie­ßen und nach eini­gen Spie­len wie­der für einen ande­ren wei­ter­spie­len. Dies änder­te sich erst 1897 mit der Grün­dung des „Ver­ban­des Süd­deut­scher Fuß­ball­ver­ei­ne“.

Die jun­ge Fuß­ball­sze­ne erreg­te in Karls­ru­he nicht zuletzt wegen der – für dama­li­ge Zei­ten aus­ge­fal­le­ne – Spiel­klei­dung all­zu oft Miss­fal­len: „Natür­lich wur­de in lan­gen Hosen gespielt, und die­je­ni­gen unter uns, die in kur­zen Hosen über die Kai­ser­stra­ße gin­gen, um eine aus­wär­ti­ge Mann­schaft abzu­ho­len, erreg­ten unan­ge­neh­mes Auf­se­hen und fie­len wegen auf­fäl­li­ger Klei­dung unter einen Straf­pa­ra­gra­phen der Schul­ge­setz­te. Spa­zier­gän­ger, die statt außen her­um­zu­ge­hen, mit­ten über den Eng­län­der­platz woll­ten, zeig­ten sich oft sehr rabi­at, wenn sie zufäl­lig vom Ball getrof­fen wur­den und hol­ten gern einen Poli­zei­be­am­ten her­bei, der dann unse­re Per­so­na­li­en fest­stell­te“ (Walt­her Ben­se­mann am 21. Sep­tem­ber 1929 in der Badi­schen Pres­se). IFC-Spie­ler Lüd­hoff erhielt gar einen Straf­zet­tel über fünf Mark wegen Beam­ten­be­lei­di­gung, nach­dem er wohl einem Poli­zei­be­am­ten nicht ernst genug gegen­über trat. Die Hosen der KFV­ler ähnel­ten den spä­te­ren Kni­cker­bo­ckers. „Die Tri­kots waren ein­fa­che Lei­nen­blu­sen aus bun­tem Stoff, die vor­ne zuge­knöpft wur­den. Der Mann­schafts­ka­pi­tän trug als Zei­chen sei­ner Wür­de ein Samt­käpp­chen mit Quas­te und eine brei­te Schär­pe, die sich spä­ter zu einem Wim­pel­chen ver­klei­ner­te, das neben an der Hose befes­tigt wur­de. Oft­mals sah man den KFV-Kapi­tän Wetz­ler in die­sem Auf­zug sei­ne Mama durch die Stra­ßen der Stadt nach dem Sport­platz gelei­ten“ (Badi­sche Pres­se, 30.5.1942, No. 124).

Grün­dung des KFV und Über­zeu­gungs­ar­beit von Mar­tha Langer 

All­mäh­lich ent­stan­den im noch jun­gen Inter­na­tio­nal Foot­ball Club per­sön­li­che Span­nun­gen zwi­schen Walt­her Ben­se­mann und eini­gen ande­ren IFC-Mit­glie­dern. Nähe­res ist jedoch nicht bekannt. Ben­se­mann und eini­ge deut­sche Mit­schü­ler ver­mu­te­ten wohl auch einen Nach­teil im eng­li­schen Ver­eins­na­men, da sich die meis­ten Vor­ur­tei­le der Bevöl­ke­rung gegen den Fuß­ball als eng­li­schen Sport rich­te­ten. Ben­se­mann trat mit sei­nen engs­ten Getreu­en aus, um einen neu­en Ver­ein zu grün­den. Am 17. Novem­ber 1891, mit­tags auf dem Eng­län­der­platz unter einem ein­zel­nen dicken Kas­ta­ni­en­baum an der Süd­sei­te des Plat­zes kam man schließ­lich zusam­men. Dicht umdräng­ten die Gym­na­si­as­ten mit ihren bun­ten Müt­zen den Red­ner Walt­her Ben­se­mann. Im bewuss­ten Gegen­satz zum Inter­na­tio­nal Foot­ball Club, gab man dem neu­en Klub den schlich­ten, rein deut­schen Namen „Karls­ru­her Fuß­ball­ver­ein” und wähl­te die Ver­eins­far­ben hell­blau und weiß. Unter der Spiel­lei­tung von A. Zim­mer tra­ten neun­zehn Spie­ler in Ben­se­manns neu­en Ver­ein ein, u.a. Richard Drach, Ernst Lan­ger, K. Wetz­ler, C. Roth, H. Hel­bing, W. Stutz, G. Just und R. Wag­ner. Gekräf­tigt begann man mit 25 Akteu­ren das Übungs­spiel. Da Bäl­le und Tor­stan­gen dem Ver­ein bereits gestif­tet wur­den, konn­te mit dem Trai­ning sofort begon­nen wer­den. In den ers­ten Wochen fan­den noch kei­ne soge­nann­ten „Wett­spie­le“ (ein ver­al­te­ter Begriff für Pflicht­spie­le oder offi­zi­el­le Begeg­nun­gen) statt. Gegen den zunächst ein­zi­gen ver­füg­ba­ren Geg­ner, dem Inter­na­tio­nal FC, mit dem man sich zuvor über die Nut­zung des Eng­län­der­plat­zes einig­te, fand im März 1892 das ers­te Spiel des neu gegrün­de­ten KFV statt: „Es schien über­haupt, als ob kein Wölk­chen am Him­mel sich zei­gen woll­te. Das Inter­es­se am neu­ge­grün­de­ten Ver­ein, des­sen Spie­ler in ihrem hell­blau­en Blu­sen den Zuschau­ern einen hüb­schen Anblick boten, wuchs zuse­hends, zumal bei der Schul­ju­gend“. Im ers­ten Spiel muss­te der KFV eine 0:1‑Niederlage hinnehmen:

1. Spiel des KFV, März 1892, 

KFV – Inter­na­tio­nal FC Karls­ru­he 0:1

KFV-Auf­stel­lung: von Schlei­nitz, König, Stutz, Pfeif­fer, Walt­her Ben­se­mann, Ernst Lan­ger, Roth, Wer­ner, Hel­bing, Zim­mer, Fritz Lan­ger. Platz: Klei­ner Exer­zier­platz, Karlsruhe.

Von Kom­bi­na­ti­ons­spiel konn­te 1892 noch kei­ne Rede sein, „dafür sah man schon recht beach­tens­wer­te Leis­tun­gen in wei­ten Schüs­sen wie im Kopf­spiel, und im Drib­beln“. Im glei­chen Jahr (1892) grün­de­te der KFV bereits eine Jugendmannschaft.

In der Anfangs­zeit des Ver­eins blie­ben die Eng­län­der des IFC wei­ter­hin das Maß aller Din­ge. KFV-Grün­dungs­mit­glied Otto Jüng­ling schreibt dazu: „Der jun­ge Ver­ein hat­te sich einen guten Lehr­meis­ter genom­men; es waren die Mit­glie­der eines in Karls­ru­he schon län­ger bestehen­den Eng­lish F.C., also Eng­län­der, die er auch schon im Früh­jahr 1892 ein unent­schie­de­nes Wett­spiel lie­fer­te“ (Anmer­kung d. Redak­ti­on: Ver­mut­lich mein­te Jüng­ling damit den IFC). Wie über­all in der Grün­der­zeit des Fuß­balls, „so begeg­ne­te man auch hier der neu­en Bewe­gung, nach­dem sie durch den K.F.V. fes­te For­men ange­nom­men hat­te, mit größ­tem Miß­trau­en“, erin­nert sich der spä­te­re Meis­ter­spie­ler Ruzek an die Anfän­ge des KFV. Die Anfein­dun­gen vor allem aus dem Bereich der natio­nal­kon­ser­va­ti­ven und oft katho­li­schen Leh­rer­schaft, Tei­len des Adels und sehr mas­siv der Deut­schen Tur­ner­schaft gegen das „undeut­sche“ Spiel Fuß­ball began­nen an Schär­fe zuzu­neh­men, je grö­ßer die Popu­la­ri­tät des Fuß­balls wur­de. Dem „Deut­sche Sprach­ver­ein“ miss­fiel der Gebrauch eng­li­scher Begrif­fe, die durch den Fuß­ball nach Deutsch­land kamen. Schü­ler, die ohne Erlaub­nis spiel­ten, droh­ten emp­find­li­chen Stra­fen, wes­halb das Antre­ten mit Künst­ler­na­men kei­ne Sel­ten­heit war. Neben der Miss­gunst aus brei­ten Schich­ten der Bevöl­ke­rung gab es immer wie­der unvor­her­ge­se­he­ne prak­ti­sche Her­aus­for­de­run­gen zu bewäl­ti­gen: Das Hofforst- und Jagd­amt droh­te dem KFV bei­spiels­wei­se mit Ent­zug der Spiel­erlaub­nis auf dem Eng­län­der­platz, dem bis dato ein­zi­gen „fuß­ball­fä­hi­gen Platz“ in Karls­ru­he, da beim Auf­stel­len der Tor­stan­gen vor den Par­tien Löcher ent­stan­den, die man in der Eile beim Abbau öfters ver­ges­sen hat­te wie­der zuzu­schüt­ten. Der Weg des jun­gen KFV war den­noch nicht aus­schließ­lich von Wider­sa­chern gesäumt: In der Karl­str. 17, neben dem Restau­rant „Monin­ger“, der spä­te­ren KFV-Stamm­knei­pe, fand der KFV einen gro­ßen Schutz­en­gel: Mar­tha Lan­ger, Mut­ter von fünf Söh­nen, wor­un­ter Ernst, Fritz und Wil­helm eine gewich­ti­ge Rol­le im KFV ein­neh­men soll­ten . Mar­tha Lan­ger „unter­stüt­ze den jun­gen Ver­ein mit Rat und Tat und blieb, von dem hohen Wert des Rasen­sports ein­mal über­zeugt, treu bei der Sache. Allen Vor­ur­tei­len zum Trotz erschien sie selbst an den Übungs­ta­gen am Fuß­ball­platz und mun­ter­te ihre jun­gen Freun­de auf, dem K.F.V. treu zu blei­ben und durch ein schö­nes Spiel dem Sport neue Anhän­ger zu gewin­nen, und dem Gere­de über die Gefähr­lich­keit des Fuß­ball­spiels den Boden zu ent­zie­hen“. Sie ging auf ande­re Eltern zu, schrieb Brie­fe und wehr­te sich oft tem­pe­ra­ment­voll gegen die Kri­ti­ker. Mit gro­ßer Mühe muss­te stets bei den Eltern die Spiel­erlaub­nis für die Söh­ne erbe­ten wer­den. Das Haus der Lan­gers fun­gier­te schon bald als ein Treff­punkt der ört­li­chen Fuß­ball­sze­ne und wur­de zu einem „Mit­tel­punkt des Kamp­fes gegen die Fußballfeinde“. 

Kurio­ser­wei­se war Mar­tha Lan­gers Mann der Forstrat des zustän­di­gen Forst­am­tes, der die Löcher der Tor­stan­gen am Eng­län­der­platz anmahn­te. Ob die Fami­lie Lan­ger dadurch in Kon­takt mit dem KFV kam, ist nicht bekannt. An Ostern 1892 war Ben­se­mann zur Nach­fei­er von Ernst Lan­gers bestan­de­nem Abitur im Haus der Lan­gers ein­ge­la­den (auch Ben­se­mann mach­te in die­sem Jahr Abitur). In der an Anek­do­ten nicht armen Run­de gestand Ben­se­mann sei­ne Schwie­rig­kei­ten mit dem badi­schen Dia­lekt: „Er scheint mir der ele­gan­tes­te und zugleich schwie­rigs­te von allen. Wis­sen Sie, neu­lich spiel­ten wir auf dem Eng­län­der­plätz­le gegen eine Klas­sen­mann­schaft des Gym­na­si­ums, nun ja, wir waren natür­lich über­le­gen und wisch­ten ihnen auf den Flü­geln immer wie­der durch. Da rief der Kapi­tän des geg­ne­ri­schen Teams sei­nen Ver­tei­di­gern zu: „Heb sie doch!“ Wor­auf die­se erwi­der­ten: „Heb du sie doch, wannd ihne nach­kommscht!“ Sehen Sie, so schön könn­te ich es nie sagen“. Im Sep­tem­ber des glei­chen Jah­res eröff­ne­te der KFV mit 25 bis 30 Akti­ven und einer Jugend­mann­schaft die Spiel­zeit 1892/93. Das ers­te Spiel gegen einen aus­wär­ti­gen Kon­tra­hen­ten fand am 14. Sep­tem­ber gegen den FC Baden-Baden statt (7:0). Bei sei­nem ers­ten ech­ten Aus­wärts­spiel sei­ner Ver­eins­ge­schich­te schlug der KFV die Baden-Bade­ner im Rück­spiel mit 3:1. Unter Ernst Lan­gers Spiel­lei­tung gewann der KFV drei von sechs Spie­len, zwei Spie­le ende­ten unent­schie­den, bei einer Nie­der­la­ge (gegen die mehr­heit­lich eng­li­sche Mann­schaft des Col­le­ge Hei­del­berg 0:1) und einem 22:4 Tor­ver­hält­nis! „Gesell­schafts­spie­le“ oder „Wett­spie­le“ lau­te­ten die gän­gi­gen Bezeich­nun­gen für Freund­schafts­spie­le, die zu jener Zeit auch regel­mä­ßig in aus­wär­ti­ge Städ­te führ­ten. Dafür ver­ein­bar­te man meist je ein Spiel in der jewei­li­gen Hei­mat­stadt des Kon­tra­hen­ten, so dass dem ers­ten Spiel bald ein Rück­spiel auf dem eige­nen Platz folg­te. Für dama­li­ge Ver­hält­nis­se for­der­te der Fuß­ball den jun­gen KFV­lern eine beacht­li­che Mobi­li­tät ab. Ein über­re­gio­na­les Stra­ßen­netz bestand erst in Ansät­zen, sodass die Eisen­bahn für Über­land­ver­bin­dun­gen die ers­te Wahl war. Die Rei­sen führ­ten zu einer Ver­tie­fung von sozia­len Kon­tak­ten unter den Fuß­bal­lern, was den Auf­bau der neu­en „Lebens­welt Fuß­ball“ för­der­te. Die­se sozia­len Vor­zü­ge gepaart mit dem Bedürf­nis nach räum­li­cher Frei­zü­gig­keit, was der Fuß­ball durch die aus­wär­ti­gen Spie­le bot, waren zwei der zen­tra­len Anzie­hungs­punk­te für die Fuß­bal­ler der ers­ten Genera­ti­on. Ben­se­mannn finan­zier­te gro­ße Tei­le der Kos­ten des Spiel­be­triebs und der Rei­sen des KFV. Auch eine Rei­se­kas­se bestand zeit­wei­se, in der bspw. Stra­fen auf­grund von Regel­ver­stö­ßen ein­ge­zahlt wur­den und spä­ter zur Finan­zie­rung einer Aus­wärts­fahrt auf­ge­braucht wur­de. Die Rei­se­prak­ti­ken der Fuß­bal­ler wur­den von den Zeit­ge­nos­sen mit gro­ßer Ver­wun­de­rung wahr­ge­nom­men, so dass füh­ren­de Turn­funk­tio­nä­re in jener Zeit gar die „zuneh­men­de Rei­se­lust der Fuß­ball­ver­ei­ne“ als „Wett­spiel­pest“ anprangerten.


Die Fusio­nen und Zusam­men­schlüs­se in den ers­ten Jah­ren des KFV.

Erneu­ter pro­gram­ma­ti­scher Streit und (Aus-)Gründung der Karls­ru­her Kickers

Bin­nen zwei­er Jah­re wuchs der KFV auf über 100 Mit­glie­der. Schon bald eta­blier­te sich ein jun­ger Lehr­amts­prak­ti­kant aus Ben­se­manns Gym­na­si­um neben dem Eng­län­der­platz namens August Marx zuneh­mend als Auto­ri­tät im noch jun­gen KFV. Der Aka­de­mi­ker Marx infor­mier­te sich gründ­lich über die Fuß­ball­be­we­gung in Eng­land und emp­fahl das Fuß­ball­spiel in den Schul­sport mit­auf­zu­neh­men. Die mitt­wochs statt­fin­den­den Fuß­ball­spie­le auf dem Eng­län­der­platz wur­den vom Gym­na­si­um anfangs als Spie­le­nach­mit­tag betrach­tet. Marx fand erst­mals mah­nen­de Wor­te, ins­be­son­de­re für die – nach sei­ner Mei­nung – unso­zia­len Rei­se­prak­ti­ken der Schü­ler­fuß­ball­ver­ei­ne, wel­che die Schü­ler vor Finan­zie­rungs­pro­ble­men stell­te und die vol­ler Ver­su­chun­gen steck­ten. Tat­säch­lich war es für die KFV-Spie­ler – trotz der gele­gent­li­chen Unter­stüt­zung Ben­se­manns – „Ehren­sa­che, die Aus­wärts­fahr­ten aus eige­ner Kas­se zu bestrei­ten“ (Badi­sche Pres­se, 30.5.1942, No. 124). Der spä­te­re Natio­nal­spie­ler Max Bre­u­nig ist für ein Spiel der KFV-Jugend­mann­schaft gar nach Pforz­heim 35 km (!) gelau­fen, weil er gera­de knapp bei Kas­se war. Marx‘ Beden­ken zu den Rei­se­prak­ti­ken der jun­gen Fuß­bal­ler rich­te­ten sich ins­be­son­de­re gegen die, auf Rei­sen kaum ver­meid­li­chen Wirts­haus­be­su­che, wel­che nicht sel­ten zu alko­ho­li­schen Exzes­sen und über­mä­ßi­gem Rau­chen führ­ten („Keim zu den ver­schie­dens­ten uner­freu­li­chen Aus­schrei­tun­gen“). Impli­zit kri­ti­sier­te Marx wohl eines der orga­ni­sa­to­ri­schen und kul­tu­rel­len Vor­bil­der der frü­hen Fuß­ball­ver­ei­ne: Die stu­den­ti­sche Ver­bin­dung. Bekannt für die Affi­ni­tät zu exzes­si­ven Alko­hol­kon­sum lehn­te Marx eine zu gro­ße Nähe zu sol­chen Ver­bin­dun­gen vehe­ment ab. Roland Binz, Dozent an der Deut­schen Sport­hoch­schu­le Köln, resü­miert das ker­nig: „Alko­hol­kon­sum als eine Form des selbst­or­ga­ni­sier­ten jugend­li­chen Initia­ti­ons­ri­tus und sexu­el­ler Erfah­rungs­hun­ger sind zwei her­aus­ra­gen­de Bedürf­nis­se männ­li­cher Ado­les­zenz, und die Gele­gen­hei­ten zu ihrer Befrie­di­gung reiz­te eben auch zur Mit­glied­schaft in Fuß­ball­ver­ei­nen vor der Jahr­hun­dert­wen­de“. Marx trat im KFV vehe­ment dafür ein, kei­ne Wett­spie­le son­dern nur noch Übungs­spie­le an Werk­ta­gen aus­zu­tra­gen sowie auf Spie­le gegen aus­wär­ti­ge Mann­schaf­ten gänz­lich zu ver­zich­ten. Ben­se­mann wur­de schnell zu Marx‘ zen­tra­len Oppo­nen­ten inner­halb des KFV. 1894 schrieb Marx in Rich­tung Ben­se­mann einen pole­mi­schen Arti­kel: „Wenn die Wett­spie­le sich häu­fen, wenn jedes Spiel mit sei­nem gro­ßen Appa­rat von Vor­be­rei­tun­gen zu einer Haupt- und Staats­ak­ti­on auf­ge­bauscht wird, so gewinnt die Sache eine Wich­tig­keit, die sie nach ihrem wah­ren Wert nie­mals hat noch haben darf, die dage­gen sehr geeig­net ist, die jun­gen Köp­fe zu ver­wir­ren. … Und wenn voll­ends die Ergeb­nis­se eines sol­chen Wett­kamp­fes andern Tags in Zei­tungs­ar­ti­keln, abge­faßt in jedem unglaub­li­chen geschmack­lo­sen deutsch-eng­li­schen Jar­gon, aus­po­saunt wer­den, wenn dort der Sekun­da­ner Mül­ler oder der Ter­tia­ner Mai­er gedruckt lesen kann, welch aus­ge­zeich­ne­te Kraft die Welt an ihm besit­ze, wenn ein Wett­spiel, bei dem schließ­lich zwei hie­si­ge Ver­ei­ne gegen ein­an­der kämp­fen, unter dem beschei­de­nen Titel eines „Kamp­fes um die Meis­ter­schaft des Kon­ti­nents“ in den Zei­tun­gen ange­kün­digt wird, dann ist eine an sich gute Sache zur rei­nen Kari­ka­tur ver­zerrt und jeder, der es mit unse­rer Jugend gut meint, wird gegen das Ein­drin­gen eines renom­misti­schen und unwah­ren Wesens Front machen“. 

Um 1893 setz­te sich Marx im pro­gram­ma­ti­schen Rich­tungs­streit des KFV schließ­lich durch und Ben­se­mann ver­ließ erneut einen von ihm gegrün­de­ten Ver­ein. Zum zwei­ten Mal for­mier­te Ben­se­mann dar­auf einen Gegen­ver­ein: Die „Karls­ru­her Kickers” oder der „Meis­ter­club des Kon­ti­nents“, wie Ben­se­mann den neu­en Ver­ein in aller Beschei­den­heit nann­te. Mit den Karls­ru­her Kickers soll­te nun auch ein neu­er Typus von Fuß­ball­klub geschaf­fen wer­den: Eine Art Aus­wahl­mann­schaft, in der die bes­ten Spie­ler Süd­deutsch­lands spie­len. Mit Ben­se­mann tra­ten Drei­vier­tel der Mit­glie­der sowie 10 Spie­ler der ers­ten Mann­schaft, u.a. auch sei­ne Freun­de Ernst und Fritz Lan­ger, Roth, Ivo und des­sen Bru­der Erwin Schri­cker aus dem KFV aus. Nur noch ein dut­zend Spie­ler hiel­ten dem idea­lis­ti­schen jedoch nicht ver­bit­ter­ten August Marx die Treue. Die Kickers in ihren rot-blau­en Blu­sen mit schwar­zen Auf­schlä­gen wur­den zu einer erfolg­rei­chen Mann­schaft und ver­lo­ren nur ein ein­zi­ges Mal im ers­ten Jahr ihres Bestehens (ins­ge­samt wur­den 28 Spie­le bestrit­ten). Die Mann­schaft erlang­te schnell einen legen­dä­ren Ruf in Süd­deutsch­land, was auch dar­aus ersicht­lich wird, dass vie­le Ver­ei­ne sich eben­so „Kickers“ oder „Cickers“ nann­ten. So führ­ten auch die 1899 gegrün­de­ten Stutt­gar­ter Kickers ihren Namen auf die Karls­ru­her Mann­schaft zurück. Auch die Ety­mo­lo­gie die­ses Fuß­ball­be­griffs fand in kon­ser­va­ti­ven Rei­hen kei­ne Freun­de: „Jeder deutsch­füh­len­de Zuschau­er kommt in Ver­su­chung, einem sol­chen Bürsch­chen, wenn es von […] Kicken spricht, hand­greif­lich dar­zut­hun, wie wenig sich das für einen deut­schen Jun­gen passt“, schreibt der „Zen­tral­aus­schuss zur För­de­rung der Volks- und Jugend­spie­le in Deutsch­land“ in sei­nem Jahr­buch von 1901.

Gleich­zei­tig grün­de­te Ben­se­mann am 4. Juni 1893 mit der Süd­deut­schen Fuß­ball-Uni­on (SDFU) den ers­ten regio­na­len Fuß­ball­ver­band im süd­deut­schen Raum, dem sich neben den Kickers und dem KFV auch Ver­ei­ne aus Straß­burg, Stutt­gart und Baden-Baden anschlos­sen. Ana­log zum KFV führ­ten auch im ers­ten Fuß­ball­ver­band pro­gram­ma­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen zu Span­nun­gen. Die Mei­nun­gen über das Tra­gen even­tu­el­ler finan­zi­el­ler Ver­lus­te bei Tur­nier­aus­tra­gun­gen und die Regeln hin­sicht­lich des Umgangs mit Alko­hol an Spiel­ta­gen lie­ßen einen unver­ein­ba­ren ideel­len Gra­ben ent­ste­hen. Im Früh­jahr 1894 eska­lier­te der Streit, als der Ver­band die Karls­ru­her Kickers vom Ver­bands­mit­grün­der Ben­se­mann „wegen gro­ber Ver­let­zung sei­ner Pflich­ten“ aus­schloss. Schon 1895 wur­de der Ver­band wie­der aufgelöst.

 

Zeit­ge­nös­si­scher Fuß­ball­be­richt zur Par­tie Inter­na­tio­nal FC Karls­ru­he gegen Karls­ru­her Kickers 1:1. Geschrie­ben von KFV-Grün­der Walt­her Ben­se­mann. Quel­le: „Sport und Spiel“, Aus­ga­be vom 16.12.1893.
Kickers Karlsruhe
Die “Karls­ru­her Kickers” im Jah­re 1893, eine Art Par­al­lel­mann­schaft des KFV die sich 1895 wie­der auf­lös­te und im KFV auf­ging. Quel­le: KFV. Ste­hend von links: König, Ernst Lan­ger, Gre­ni­er, Roth, Stru­be, Moor­mann. Sit­zend von links: Ivo Schri­cker, Erwin Schri­cker, Walt­her Ben­se­mann, Hall, Fritz Langer.


Ver­ei­ni­gung des KFV mit dem Inter­na­tio­nal Foot­ball Club

Die Wei­ge­rung an Wett­kampf­spie­len teil­zu­neh­men, führ­te den jun­gen KFV unter­des­sen fast in den Ruin. 1893 über­win­ter­te der KFV nur mit drei Spie­lern. Doch die Ret­tung war in Sicht: Im Früh­jahr 1894 ver­ei­nig­te sich der KFV mit dem Inter­na­tio­nal Foot­ball­club von 1889, der eben­falls fast „plei­te mach­te“. Ein gro­ßer Teil der eng­li­schen Spie­ler des IFC schloss sich nun dem KFV an. Der Name „Karls­ru­her Fuß­ball­ver­ein“ wur­de bei­be­hal­ten, jedoch die Far­ben des Inter­na­tio­nal Foot­ball Club (rot und schwarz) über­nom­men. Die schwarz-rote Blou­se auf dunk­len Hosen wur­de aller­dings erst 1896 zum ers­ten Mal getra­gen (im Spiel gegen den 1. FC Pforz­heim 7:2). Das Trai­ning lei­te­te von nun an der Eng­län­der Cap­tain R. Coo­per, der vor­he­ri­ge Kapi­tän und her­vor­ra­gen­der Halb­rech­ter der „Inter­na­tio­na­len“, der in kur­zer Zeit die neu for­mier­te KFV-Mann­schaft auf „Kom­bi­na­ti­ons­spiel“, d. h. „Auf­ga­ben­tei­lung inner­halb der Mann­schaft, Platz­hal­ten, Stel­lungs­spiel und Ball zuschie­ben […] Dane­ben über­schätz­te man aller­dings die Kunst des Drib­belns.“ (Badi­sche Pres­se, Nr. 122, 28.5.1942) drill­te. 1893/94 stan­den dem KFV u.a. fol­gen­de Spie­ler zur Ver­fü­gung: R. Coo­per, Richard Drach, Flex, Gre­vé, Mac Gar­vé, Hedi­ard, Jacobs, Just, Lud­wig Kam­me­rer, Mül­ler, Nie­buhr, Puck, Wag­ner, Zieg­ler und Zim­mer. Auf­grund der anfäng­li­chen Schwie­rig­kei­ten wur­den 1894 nur fünf Spie­le aus­ge­tra­gen, wovon zwei gewon­nen und drei ver­lo­ren wur­den (Tor­ver­hält­nis 9:11). Im Karls­ru­her Adress­buch von 1894 fin­det sich nun auch erst­ma­lig die Erwäh­nung des Ver­eins unter den Namen „Roth R., I. Kapitän“.

„Da der inter­na­tio­na­le Club sich mit dem K.F.V. ver­ei­nigt hat, wer­den sich wohl man­che gute Matches zwi­schen den bei­den Clubs erge­ben; bes­ser wäre es frei­lich, alle die Clubs zu ver­ei­ni­gen“ kom­men­tier­te Ben­se­mann den Zusam­men­schluss in der Zeit­schrift „Spiel und Sport“ vom 24. 03. 1895 und ließ bereits durch­bli­cken, dass er eine Rück­kehr sei­ner Kickers zum KFV wohl nicht aus­schloss. Ein Match zwi­schen dem gestärk­ten KFV und den Kickers ließ nicht lan­ge auf sich war­ten: „Mit einem fei­nen Sie­ge von 5:1 über die Treu­lo­sen, die Kickers, bewies die neue Schu­le ihre Über­le­gen­heit; eine glän­zen­de (eng­li­sche) Läu­fer­rei­he unter­stütz­te die gut zusam­men­spie­len­de Stür­mer­rei­he und konn­te den nur drib­beln­den Geg­ner leicht in Schach hal­ten“ froh­lockt der KFV 1912 rück­bli­ckend über den Aus­gang der Par­tie. Doch bis zur Wie­der­ver­ei­ni­gung mit Ben­se­manns Kickers muss­te der KFV noch war­ten und erneut zwang der Spie­ler­man­gel den KFV fast in die Knie. „Im Jah­re 1894/95 konn­te der KFV infol­ge sei­ner weni­gen akti­ven Spie­ler, zeit­wei­se waren es deren fünf, kei­ne Wett­spie­le ver­an­stal­ten. Die älte­ren Spie­ler des KFV gin­gen von Karls­ru­he weg, jün­ge­re Spie­ler waren, da die Geschich­ten von Ben­se­mann bekannt waren, kei­ne zu bekom­men. Es war ein wah­res Glück, dass damals die weni­gen Spie­ler so zusam­men­hiel­ten, denn die Aus­sich­ten auf bes­se­re Zei­ten waren schlecht. So schlug sich der KFV bis 1895 durch, bes­se­ren Zei­ten ent­ge­gen­se­hend“, erin­nert sich der spä­te­re Meis­ter­spie­ler Hans Ruzek in einem Artikel.

Doch die Geduld wur­de bald belohnt: Die Kickers lös­ten sich 1895 wie­der auf und Ben­se­mann und sei­ne Getreu­en kehr­ten mehr­heit­lich zum KFV zurück. Ben­se­mann wur­de erneut der spi­ri­tus rec­tor des Ver­eins. 1895/96 schien nach einem erneu­ten Zuge­winn an Mit­glie­dern die Kri­se über­wun­den und der KFV konn­te gar wie­der zwei vol­le Mann­schaf­ten stel­len. Ben­se­mann voll­zog schließ­lich die end­gül­ti­ge Abkehr von der Marx’schen Spiel­pra­xis, auf Wett­spie­le zu ver­zich­ten. Marx hat­te den Ver­ein inzwi­schen verlassen.

Die Gepflo­gen­heit des KFV nur werk­tags zu spie­len, führ­te schnell zu einem Man­gel an Geg­nern und erneut fal­len­den Mit­glie­der­zah­len. Erst im Herbst 1896 leg­te man den Cha­rak­ter des Gym­na­si­as­ten­klubs ab und spiel­te nun auch am Wochen­en­de. Der KFV-Vor­sit­zen­de Ernst Roth schrieb 1904 zu die­ser Eman­zi­pa­ti­on von der Schul­welt: „In den ers­ten Jah­ren des Bestehens aus­schließ­lich Schü­ler­klub, muß­te man bald, gezwun­gen durch den Umstand, daß die Schü­ler zum Teil das Abitu­ri­um bestan­den, zum Teil die Anstalt ver­lie­ßen, um sich dem Stu­di­um oder auch dem Kauf­mann­stan­de zu wid­men, drin­gend ver­an­laßt durch die freund­schaft­li­chen Bezie­hun­gen, die man mit Sport­ver­ei­nen ande­rer Städ­te unter­hielt, die Umbil­dung in einen den ein­ge­tre­te­nen Ver­hält­nis­sen ent­spre­chen­den grö­ße­ren Sport­klub vor­neh­men. So setzt sich der heu­ti­ge Ver­ein zusam­men aus Schü­lern der hie­si­gen höhe­ren Lehr­an­stal­ten, aus Kauf­leu­ten, Bank­be­am­ten, Stu­die­ren­den, höhe­ren und nie­de­ren Staats­be­am­ten und Inge­nieu­ren, ein­ge­teilt in Junio­ren und Senio­ren. Zu die­sen ers­te­ren neh­men wir die Schü­ler der Mit­tel­schu­len bis zu Unter­pri­ma.“ Meist über­ließ der KFV in den vor­an­ge­gan­ge­nen Jah­ren dem FC Phö­nix, des­sen Mit­glie­der zum Groß­teil Kauf­leu­te und Beam­te waren, an Sonn­ta­gen den Eng­län­der­platz, wäh­rend der KFV – der vor­ran­gig aus Schü­lern bestand – werk­tags spiel­te. Durch den aus­ge­wei­te­ten Spiel­plan ent­stan­den nun neue Kon­flik­te auf­grund der knap­pen Platz­res­sour­cen in Karls­ru­he: Lokal­ri­va­le Phö­nix beschwer­te sich am 13. März 1899 beim Bezirks­amt, dass er am Vor­tag „den Eng­län­der­platz zum Spie­len beschlag­nahmt und sei­ne Goal­stan­gen längst auf­ge­stellt“ hat­te, „als der Fuß­ball­ver­ein Fran­ko­nia sowie der Fuß­ball­ver­ein zwecks Abhal­tung eines Wett­spiels anrück­ten und den Platz besetzten“. 

März 1897: Das 0:10 gegen Straß­burg bringt die sport­li­che Wende

Nach­dem der KFV sei­ne ers­ten Kri­sen über­stan­den hat­te, ließ der nächs­te Schock – dies­mal sport­lich – nicht lan­ge auf sich war­ten: Mit einem Rekord­ergeb­nis von 0:10 ver­lor er gegen den Straß­bur­ger FV! Die jun­gen Recken des KFV zogen sofort die Kon­se­quen­zen: „Das war ein teu­res Lehr­geld! […] neu­es Trai­ning begann – es wur­de bei jeder Wit­te­rung trai­niert, was bis dahin nicht geschah“, ver­merkt die Ver­eins­chro­nik zum 30. Jubi­lä­um (1921). Auch eine Gene­ral­ver­samm­lung wur­de unmit­tel­bar ein­be­ru­fen, in wel­cher der noch recht jugend­li­che Unter­pri­ma­ner Rudolf Wetz­ler zum neu­en Spiel­füh­rer gewählt wur­de. Das Trai­ning zeig­te schnell sei­ne Wir­kung: Mit 0:0 ende­te das Rück­spiel gegen Straß­burg.
Tak­tisch war das neue Spiel der Schwarz-Roten nun von einer offen­si­ve­ren Aus­rich­tung geprägt, wel­che der ener­gi­sche, wil­lens­star­ke Kapi­tän Rudolf Wetz­ler (geb. 19.01.1879, spä­te­rer Domä­nen­rat bzw. Ober-Domä­nen­rat (Finanz­be­am­ter) in Baden-Baden, Emmen­din­gen und Kon­stanz) vor­gab:
„Das Haupt­au­gen­merk wur­de auf eine gute Stür­mer­rei­he gelegt, die den Ball durch Kom­bi­na­ti­ons­spiel mög­lichst lan­ge behal­ten muss­te. Die Ver­tei­di­gung wur­de dadurch ent­las­tet; sie gewann Zeit, gegen­über neu­en geg­ne­ri­schen Angrif­fen die tak­tisch rich­ti­ge Stel­lung ein­zu­neh­men und so die wei­te­re Defen­si­ve vorzubereiten“.

In den 11 Spie­len der fol­gen­den Spiel­zeit wur­den bis auf die bei­den Spie­le gegen Straß­burg alle gewon­nen. Im Okto­ber 1897 tru­gen die größ­ten Ver­ei­ne der Regi­on bereits eine Art Pri­vat­tur­nier aus, an deren Ende der KFV mit acht aus neun Sie­gen die erfolg­reichs­te Mann­schaft war, sich dem Frei­bur­ger FC aber mit 2:7 geschla­gen geben muss­te. Neben Wetz­ler eta­blier­te sich eine wei­te­re fri­sche Füh­rungs­per­sön­lich­keit im Ver­ein: Fried­rich Wil­helm Nohe. Neue Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit Ben­se­mann waren vor­pro­gram­miert…
Die Spie­ler, die von 1896 bis 1898 ein­ge­setzt wur­den, waren Ernst Lan­ger, Wil­helm Lan­ger, Fritz Lan­ger, E. Specht (gest. 1900), W. Mül­ler, H. Roberts (Engl.), Howard I (Engl.), Howard II (Engl.), J. Car­ré, Rudolf Wetz­ler, Brod­ley (Engl.), Hans Ruzek, Mau­er­hof­fer, Richard Drach, R. Coo­per (Engl.), Fritz Gutsch, Albert „Bob“ Alter­haim, August Kist­ner (geb. 10.09.1881), Otto Jüng­ling, Alfred Walz, Bai­er, Fritz Gutsch, Juli­us „Jul­le“ Zin­ser, Levi, A. Tafel, K. Schmidt, Hock, Butz, Adolf (gest. 1973) und Karl Sau­ter sowie Lud­wig „Lou­is“ Heck (geb. 24. 04.1880), der spä­ter Zahn­arzt in Kehl und Bochum wur­de.
Auch Fried­rich „Fritz“ Gutsch (9. Sep­tem­ber 1878 in Karls­ru­he – 23. März 1971 in Fried­berg, Hes­sen) war ein KFV­ler der aller­ers­ten Stun­de und stand bereits mit Walt­her Ben­se­mann in den 1880er Jah­ren zusam­men auf dem Eng­län­der­platz. Der Ver­tei­di­ger wur­de 1905 mit dem KFV deut­scher Vize­meis­ter und trat dane­ben auch als Schieds­rich­ter auf den Platz. Der Bank­an­ge­stell­te hei­ra­te­te 1920 in Frank­furt am Main Anto­nia Cäci­lie Schmorl und zog mit ihr 1961 in das hes­si­sche Friedberg.

1897 Mannschaftsbild
Die KFV-Mann­schaft aus dem Jahr 1897, aus „Sport im Bild“, Nr. 34, S. 572. Quel­le: KFV-Archiv.
1898 Mannschaftsbild
1898
Bericht zu einem Spiel gegen Fran­ko­nia Karls­ru­he (1899)
Eine Elf des KFV-Grün­ders Ben­se­mann gegen eine eng­li­sche Mann­schaft; Auf­stel­lung; 1894 auf dem Eng­län­der­platz in Karlsruhe


Ers­ter offi­zi­el­ler Ver­bands­wett­be­werb und inter­na­tio­na­le Wettspiele 

Am 17. Okto­ber 1897 wur­de in der Karls­ru­her Gast­stät­te „Zum Lands­knecht“ mit dem Ver­band Süd­deut­scher Fuß­ball-Ver­ei­ne (VSFV) einer der ers­ten Fuß­ball­dach­ver­bän­de gegrün­det, des­sen Vor­sit­zen­der ab Ostern 1898 nicht zufäl­lig der KFV-Vor­sit­zen­de Nohe wur­de, der den Inte­rims­vor­stand u.a. mit dem KFV­ler Richard Drach (spä­ter Regie­rungs­bau­meis­ter und Ober­bau­rat) teil­te. Damit begann die Zeit der Aus­tra­gung von offi­zi­el­len Meis­ter­schafts­spie­len! 1898 nahm der KFV an der erst­mals aus­ge­spiel­ten süd­deut­schen Meis­ter­schaft teil, die durch den VSFV orga­ni­siert wur­de. Fritz Gutsch, bekannt durch sei­ne „nach­ah­mens­wert vor­neh­men Spiel­wei­se“ lös­te Wetz­ler als KFV-Spiel­füh­rer ab (Wetz­ler dage­gen spiel­te 1898/99 kurz­zei­tig für den Frei­bur­ger FC und gewann die Süd­deut­sche Meis­ter­schaft, kehr­te jedoch bald wie­der zurück und wur­de 1921 KFV-Ehren­mit­glied). Schon im ers­ten Run­den­spiel ver­lor der KFV gegen den spä­te­ren Sie­ger, den Frei­bur­ger FC, mit 0:2. Mit Fritz Gutsch – eigent­lich Ver­tei­di­ger der Schwarz-Roten – stell­te der KFV immer­hin den Schieds­rich­ter der Final­par­tie um die süd­deut­sche Fuß­ball­meis­ter­schaft.
Die ers­ten Meis­ter­eh­ren blie­ben den KFV damit ver­sagt. Hun­der­te Zuschau­er umju­bel­ten dage­gen kurz dar­auf das furio­se 7:0 des KFV im Pri­vat­spiel gegen den bel­gi­schen Meis­ter FC Lüt­tich an Ostern 1899. An die­sem Tag kam es zu einer schick­sal­haf­ten Begeg­nung, die den Ver­ein im kom­men­den Jahr­zehnt prä­gen sollte:

„Es war ein Bild für Göt­ter, als er […] in Regen und Wind mit der Kut­sche am Exer­zier­platz vor­fuhr. Die bei­den Schim­mel stan­den hin­ten und lie­ßen mit hän­gen­den Köp­fen die Was­ser­bäch­lein über sich rin­nen, Prinz Max war Feu­er und Flam­me beim Spiel. Ein Lakai stand dabei und hielt ihm den Regen­schirm über den Kopf“ (Badi­sche Pres­se, 3.6.1942, No. 127). Prinz Max, der schon 1887 auf dem Eng­län­der­platz Rug­by gespielt haben soll, wur­de im Okto­ber 1905 Schirm­herr des KFV.

Am 21. Mai 1899 gewann der KFV 1:0 gegen die Ber­li­ner Vik­to­ria, die Ben­se­mann nach Karls­ru­he kom­men ließ und in jener Zeit als die unbe­strit­te­ne Eli­te­mann­schaft Ber­lins galt. Der KFV spiel­te mit: Wil­helm Lan­ger, Fritz Gutsch, A. Tafel, Karl Sau­ter, Ernst Lan­ger, Albert Alter­heim, Hans Ruzek, Lou­is Heck, Juli­us Zin­ser, Rudolf Wetz­ler und Fritz Langer.

Nach­dem Ben­se­mann eine eng­li­sche Mann­schaft nach Deutsch­land ein­lädt, wo die­se u.a. in Karls­ru­he am 28.11.1899 gegen eine deut­sche Aus­wahl
antritt (eines der soge­nann­ten Urlän­der­spie­le), kommt es zu unüber­brück­ba­ren Dif­fe­ren­zen zwi­schen ihm und der Füh­rung des süd­deut­schen Fuß­ball­ver­ban­des, an des­sen Spit­ze Nohe stand. Ben­se­mann wird dar­auf­hin für meh­re­re Jah­re aus dem Ver­band aus­ge­schlos­sen. Der KFV-Grün­der stand nun ins­be­son­de­re in Oppo­si­ti­on zum Ver­bands­chef und gleich­zei­tig auch neu­en KFV-Vor­sit­zen­den Nohe, der den KFV für eine erneu­te Erklä­rung gegen Ben­se­manns Unter­neh­mun­gen (Ein­la­dung eng­li­scher Mann­schaf­ten nach Karls­ru­he) gewon­nen hat­te und der Ben­se­mann per­sön­lich eine Intri­ge vor­warf, da er KFV-Spie­ler nötig­te für das Eng­land-Gast­spiel kurz­fris­tig aus dem Ver­ein aus­zu­tre­ten. Ben­se­mann wie­der­um warf Nohe vor, selbst­herr­lich im KFV durch­zu­set­zen was ihm beliebt und durch eine Dop­pel­funk­ti­on als Vor­sit­zen­der des Ver­ban­des süd­deut­scher Fuß­ball­ver­ei­ne die ande­ren Klubs zu gei­ßeln. Ben­se­mann kom­men­tiert im „Spiel und Sport“ ver­är­gert etwas über die Maßen: „Nun ja, für den Ver­ein gab es kei­ne Wahl, nein, wirk­lich nicht. Die Stel­lung sei­nes auto­kra­ti­schen Lei­ters schnitt ihm jede Mög­lich­keit ab, den illi­be­ra­len Ten­den­zen des Ver­bands­vor­stan­des ener­gi­schen Wider­stand ent­ge­gen­zu­set­zen. Fritz Lan­ger und Jul­le Zin­ser haben den Ver­ein im Zorn ver­las­sen, die bes­ten Stür­mer also sind fort, und aus dem alten Ruhm des KFV ist eine Chi­mä­re gewor­den“. Die erwähn­ten KFV-Spie­ler Lan­ger und Zin­ser (spiel­te kurz­zei­tig für die Frank­fur­ter Kickers) kehr­ten jedoch nach kur­zer Zeit wie­der zum KFV zurück.

Auch der Ber­li­ner Fuß­ball­pio­nier Gus­tav Man­ning (1873–1953) mel­de­te sich in dem Streit zu Wort und warf Ben­se­mann vor „auf die Idee sei­ner natio­na­len und inter­na­tio­na­len Fuß­ball­po­li­tik“ ver­fal­len zu sein und „von wohl­be­kann­ter drit­ter Sei­te [Man­ning spiel­te hier auf Ben­se­manns Freund Schri­cker an] nach sei­nem miss­glück­ten Pump­ver­su­che ander­wärts das Geld gelie­hen hat­te“, um die Par­tien deut­scher Aus­wahl­mann­schaft gegen inter­na­tio­na­le Geg­ner (soge­nann­te Urlän­der­spie­le) zu finan­zie­ren. Die per­sön­li­chen Feh­den zwi­schen Ben­se­mann, Schri­cker sowie Man­ning und Nohe ris­sen Grä­ben durch die Intel­lek­tu­el­len der deut­schen Fuß­ball­sze­ne. Doch auch das Ver­hält­nis zwi­schen den Lan­ger-Brü­dern und Ben­se­mann kühl­te sich spür­bar ab. Oft genug über­war­fen sich die Pio­nie­re auf­grund ihres auto­kra­ti­schen Füh­rungs­stils, pro­gram­ma­ti­scher und ideel­ler Diver­gen­zen, per­sön­li­cher Gel­tungs­be­dürf­nis­se sowie unver­ein­ba­rer Ver­eins- und Verbandsinteressen.

Apro­pos Ver­band: Auch 1899 gab es mit dem „Karls­ru­her Fuß­ball­bund“ einen neu­en Ver­band, an dem neben dem KFV, auch die Ver­ei­ne Phö­nix,
Fran­ko­nia, Ger­ma­nia, Alem­ma­nia, Vic­to­ria und Süd­stadt Mit­glied wur­den. Ben­se­manns neu­en Ver­band war aber nur eine sehr kur­ze Lebens­zeit
beschie­den. Ben­se­manns Freund Fritz Lan­ger wur­de zum Kapi­tän der Aus­wahl­mann­schaft des Ver­ban­des ernannt. In der ein­zig aus­ge­tra­ge­nen
Meis­ter­schaft des Ver­ban­des – qua­si eine Stadt­meis­ter­schaft – gewann der KFV mit 9:0 gegen Phö­nix. In der süd­deut­schen Fuß­ball­meis­ter­schaft
ver­lor der KFV, nach einem Sieg gegen die Mann­hei­mer FG 1896, nur knapp gegen den Straß­bur­ger FV das Fina­le um die süd­deut­sche Meis­ter­schaft
1899/1900 (3:4). In die­ser Sai­son hat­te Otto Jüng­ling die Spiel­wart­ge­schäf­te des KFV übernommen.

Die gleich­star­ke, homo­ge­ne Stür­mer­rei­he des Klubs war der Nukle­us der neu­en KFV-Erfolgs­se­rie. Nicht sel­ten führ­te die­se Stär­ke zu zwei­stel­li­gen Ergeb­nis­sen, gip­felnd in ein 29:0 gegen den FC Kai­sers­lau­tern am 4. August 1901: An die­sem August­tag „erteil­ten die damals schon auf ein­sa­mer Höhe ste­hen­den Karls­ru­her dem jun­gen F.C.K. eine mehr als der­be Lek­ti­on […] Karl Sei­fert stand rat­los im Tor […] und als Tor um Tor fiel ver­lor die Mann­schaft ganz das Ver­trau­en zu sich selbst und ließ einen Tor­se­gen über sich erge­hen“ (aus der Kai­sers­lau­ter­ner Ver­eins­chro­nik): Der höchs­te Sieg der Ver­eins­ge­schich­te des KFV. Am 3. Juni 1900 schlug er den bis­her unge­schla­ge­nen DFC Prag, „die damals bes­te Mann­schaft des euro­päi­schen Fest­lan­des“, mit 5:1‑Toren. Immer furio­ser und aus­la­den­der wur­den die Ergeb­nis­se des KFV. Selbst die zwei­te Mann­schaft kam in fünf Spie­len auf 42:6‑Tore.

1898
Das KFV-Team 1898, v.l.n.r.: Karl Sau­ter, Wil­helm Lan­ger, Albert Alter­heim, Zin­ser, A: Tafel, Ernst Lan­ger, Fried­rich Gutsch, knie­end: Fritz Lan­ger und Rudolf Wetz­ler; davor: Hans Ruzek und Lud­wig Heck. Quel­le: KFV-Archiv.
1897 mtv münchen
Der KFV (hel­le Blu­sen) mit den Spie­lern des MTV Mün­chen 1879 im Sep­tem­ber 1897. Die Fuß­ball­ab­tei­lung des MTV wur­de von KFV-Grün­der Walt­her Ben­se­mann ins Leben geru­fen. Im Febru­ar 1900 ver­lie­ßen die FUß­bal­ler den MTV und grün­de­ten den FC Bay­ern Mün­chen. Quel­le: KFV.
KFV-Gruß­kar­te von 1900
Ein­la­dung des KFV an den 1. Bür­ger­meis­ter Sie­grist zur Weih­nachts­fei­er des Ver­eins 1901. Unter­zeich­net von Ernst Roth

KFV als DFB-Gründungsmitglied

Am 28. Janu­ar 1900 war der KFV einer der 86 Ver­ei­ne, die im Rah­men des „I. All­ge­mei­nen Deut­schen Fuß­ball­tags“ den Deut­schen Fuß­ball-Bund (DFB) grün­de­ten. Ver­tre­ten wur­de der KFV durch Gus­tav Man­ning, Sohn eines jüdi­schen Kauf­manns und jun­ger Dok­tor der Medi­zin. Man­ning war gleich­zei­tig Reprä­sen­tant von Ver­ei­nen aus Mann­heim, Pforz­heim, Hanau und Straß­burg, wäh­rend Ben­se­mann den FC Phö­nix und den Karls­ru­her FC Süd­stadt auf der Grün­dungs­ver­samm­lung ver­trat. Ben­se­mann bean­trag­te als Dele­gier­ter den Namen „Deut­scher Fuß­ball-Bund“ (DFB) statt wie vor­ge­schla­gen „All­ge­mei­ner Deut­scher Fuß­ball-Bund“ (ADFB) und ver­pass­te dem Ver­band so sei­nen bis heu­te bestehen­den Namen. Auch das Image des Fuß­balls ver­bes­ser­te sich zuse­hends. Der Sport wur­de immer popu­lä­rer und man war sich des­sen auch bewusst. KFV-Ehren­mit­glied und Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter Dr. Karl Heim­bur­ger (1859–1912) gab den Fuß­bal­lern in die­sem Kon­text fol­gen­den Leit­satz mit auf den Weg: „Wenn die Rose sich selbst schmückt, schmückt sie auch den Garten“.

Ers­ter Titel: Süd­deut­scher Meis­ter 1901

In der Sai­son 1900/01 wur­de von 18 Wett­spie­len kei­nes ver­lo­ren (bei einem Tor­ver­hält­nis von 146:5). Nach einem 9:0 gegen die Stutt­gar­ter Kickers stand der KFV im Halb­fi­na­le der süd­deut­schen Meis­ter­schaft gegen den FC Bay­ern Mün­chen, der aber nicht antrat. Kampf­los gelang der KFV ins Fina­le, wo er die Ger­ma­nia 94 Frank­furt schlug: Der KFV war damit zum ers­ten Mal süd­deut­scher Meis­ter und der ers­te Titel der Ver­eins­ge­schich­te perfekt.

Seit Febru­ar 1900 wur­de der KFV spie­le­risch durch einen neu­en Mit­tel­läu­fer ver­stärkt, der neben Ben­se­mann und Nohe in Zukunft die Geschi­cke des Ver­eins stark beein­flus­sen soll­te: Ivo Schri­cker. Am 2. Febru­ar 1902 gab er sein Debüt im Spiel gegen sei­nen bis­he­ri­gen Stamm­ver­ein, dem Straß­bur­ger FV (9:0). Am 14. April 1901 muss­te sich auch eine süd­deut­sche Ver­bands­mann­schaft „dem Ver­ein“ mit 1:2 geschla­gen geben. Mit Leich­tig­keit gewann der fast schon als unschlag­bar gel­ten­de KFV mit einem 7:2 gegen den Straß­bur­ger FV, 5:1 gegen den 1. FC Pforz­heim und zog erneut ins Fina­le der süd­deut­schen Meis­ter­schaft ein. Am 6. April 1902 besieg­te der KFV dort den 1. Hanau­er FC 93 in Hanau klar mit 4:0. Die zwei­te von acht süd­deut­schen Meis­ter­schaf­ten war damit gewon­nen. Von 1900 bis 1902 ver­lor der KFV kein ein­zi­ges Spiel gegen eine süd­deut­sche Mann­schaft. Ein­zig der Mann­schaft der Uni­ver­si­tät Oxford unter­la­gen die Karls­ru­her mit 1:3. Die Eng­län­der muss­ten auf ihrer Rei­se durch Kon­ti­nen­tal­eu­ro­pa in Karls­ru­he jedoch das ers­te Gegen­tor ihrer „Tour­nee“ hin­neh­men! Am abend­li­chen Fest­ban­kett erklär­ten die Eng­län­der noch nie­mals gegen eine so star­ke Mann­schaft auf dem Fest­land gespielt zu haben.

30. 03. 1902: KFV – Oxford Uni­ver­si­ty A.F.C. 1:3
KFV-Auf­stel­lung: Wil­helm Lan­ger, Jac­ques Johann Zweerts, A. Hol­der­mann, „Bob“ Alten­hain, Ivo Schri­cker, Karl Sau­ter, Hans Ruzek, Lou­is Heck, Juli­us Zin­ser, Rudolf Wetz­ler, Otto Jüngling.

Platz: Karls­ru­he, Schieds­rich­ter: Egetmeyer

 

Ankün­di­gung um ein Spiel um die Süd­deut­sche Meis­ter­schaft gegen Darm­stadt auf dem Exer­zier­platz Karlsruhe.
KFV gegen Oxford Asso­cia­ti­on Foot­ball­club 1902.
Cricket Wien 1902
KFV-Mann­schaft beim Spiel gegen Cri­cket Wien 1902
Fritz Reiser
Mit­glieds­kar­te von Fritz Rei­ser (bis1905 beim KFV, bevor zum FC Phö­nix wechselt)